Griechen bäumen sich noch einmal auf

Staatsangestellte in Griechenland haben das Messer am Hals. Jeder von ihnen muss um seinen Job bangen – denn es drohen Entlassungen im grossen Stil. Vor allem Lehrkräfte verweigern die Arbeit, aber auch Angestellte auf Arbeitsämtern und Ärzte.

Links Polizisten mit Schutzschildern, rechts eine Demonstantin, die klatscht, hinter ihr ein Mann mit Glatze.

Bildlegende: Jetzt geht's bei den Staatsbediensteten ans Eingemachte: Die Sparmassnahmen wirken sich aus. Keystone

Die geplanten Entlassungen sind Teil der Sparpolitik, welche die internationalen Geldgeber von Griechenland verlangen. Die griechische Regierung will diese nun konsequent durchsetzen. Die Journalistin Corinna Jessen berichtet regelmässig für SRF aus Athen. Im Interview erzählt sie, wie sie die neueste Protestwelle erlebt.

SRF: Was spürt man in der Hauptstadt vom jüngsten Streik?

Corinna Jensen: Momentan ist der Streik vor allem in den Schulen spürbar. Die Gymnasiallehrer haben praktisch einen Dauerstreik angekündigt; wobei die Schulen nicht geschlossen bleiben. Doch der Unterricht von Lehrern, die sich am Streik beteiligen, fällt aus. Gestern wie heute haben sehr viele Lehrer gestreikt. Das Ministerium spricht von einer Beteiligung von 70 Prozent. Die Lehrergewerkschaft sogar von über 90. Ausserdem bleiben die Arbeitsämter geschlossen und in den Krankenhäusern werden nur Notfälle behandelt.

Was ist der politische Hintergrund des Streiks, warum erfolgt er gerade jetzt?

Jetzt ist es endlich soweit, dass die Regierung sich durchgerungen hat, die heilige Kuh des öffentlichen Dienstes anzutasten, sprich einen Stellenabbau einzuleiten. Der wird jetzt konkret. Das hat man bisher verschleppt. Das ist aber nur die eine Seite. Die andere Seite ist, dass die Opposition – vor allem die linksradikale Syriza – jetzt die Gelegenheit wittert, zu sagen, hier müssen wir eine Stimmung des Aufbegehrens schüren. Denn die Regierung ist gerade dabei, Erfolge des Sparprogramms vorzuweisen. Und dagegen möchte man den Protest erheben.

Nun werden die Vorgaben der Troika also umgesetzt, Stellen werden gestrichen. Was ist der Preis, den die Griechen dafür bezahlen?

Der Preis ist die Einbusse von einem Viertel der griechischen Wirtschaftsleistung, die Rezession und eine immense Arbeitslosigkeit. Zusammengefasst könnte man sagen: Sie bezahlen mit der Senkung ihres Lebensstandards um gut 30 Prozent.

Hat sich an der Korruption und Misswirtschaft denn schon etwas geändert?

Strukturen lassen sich nicht so schnell ändern wie Bilanzen. Sicherlich gibt es immer noch korrupte Beamte und es werden immer noch Gelder verschwendet. Aber bestimmt nicht mehr in dem Ausmass wie früher. Allerdings wird man die Steuerhinterziehung auch kaum in den Griff kriegen, wenn es für kleine und mittelständische Betriebe immer schwieriger wird, ehrlich zu überleben.

Das Gespräch führte SRF-Redaktor Daniel Hofer.

Sparpläne der Regierung

Die griechische Regierung hat sich verpflichtet, bis Ende 2014 15'000 Staatsbedienstete zu entlassen. Weitere 25'000 sollen in die Mobilitätsreserve wechseln. Sie müssen ebenfalls mit einer Kündigung rechnen, sollte keine Stelle für sie gefunden werden. Die Lehrer protestieren auch gegen die Pläne, Fächer wie Sprachen, Kunst und Musik zu streichen.

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel

  • Streikende LehrerInnen in der nordgriechischen hafenstadt Thessaloniki.

    Griechenlands Staatsangestellten steht das Wasser bis zum Hals

    Aus Echo der Zeit vom 17.9.2013

    Die Pläne der Regierung in Athen sehen vor, bis Ende kommenden Jahres 15'000 Stellen zu streichen - und zusätzlich über 20'000 in die Mobilitätsreserve zu schicken. Die Regierung in Athen setzt damit die Sparpolitik hart durch. Seit Montag streiken viele im öffentlichen Dienst.

    Corinna Jessen