Zum Inhalt springen

International Griechenland stellt Antrag für neue Rettungsmilliarden

Griechenland beantragt neue Hilfsmilliarden beim Eurorettungsschirm. Dies gab Premier Tsipras vor dem Europaparlament bekannt. In einer turbulenten Debatte geisselte er erneut die Sparprogramme. Er räumte zugleich die «hausgemachten Probleme» im griechischen Establishment ein und versprach Abhilfe.

Legende: Video Turbulente Griechenland-Debatte im EU-Parlament abspielen. Laufzeit 3:32 Minuten.
Aus Tagesschau am Mittag vom 08.07.2015.

Nun hat Griechenland – mit einem Tag Verspätung – seinen Antrag für zusätzliche Rettungsmilliarden doch noch gestellt. «Wir haben heute eine Mitteilung an den Rettungsschirm ESM vorgelegt», sagte der griechische Premier Alexis Tsipras vor dem Europaparlament in Strassburg. In einem neuen Hilfsprogramm müssten die Belastungen für die Bevölkerung gerechter verteilt werden.

«Arbeitnehmer und Rentner können keine zusätzlichen Lasten akzeptieren», sagte Tsipras. Die bisherigen Programme seien zur Rettung der Banken verwendet worden. Sie seien beim Volk nicht angekommen: «Mit keiner Reform wurde die Funktionsfähigkeit der Staatsmaschinerie verbessert.»

Griechischer Antrag wird auf Substanz geprüft

Ein ESM-Sprecher in Luxemburg bestätigte den neuen Hilfsantrag aus Griechenland. Allerdings werden die Euro-Finanzminister heute nicht über den Antrag beraten. Stattdessen solle dieser zuerst von der Euro-Arbeitsgruppe bewertet werden. Ein neuer Termin für die eigentlich für heute angesetzte Telefonkonferenz der Eurogruppe wurde nicht genannt.

Griechenland als «Versuchslabor für die Sparpolitik»

Tsipras kritisierte zuvor die Programmpolitik der Euro-Partner: «Ich kann Ihnen versichern, dass sich das griechische Volk bemüht hat, den Anforderungen zu genügen. Aber jetzt sind wir am Ende der Belastbarkeit angelangt.» Nirgendwo seien die Sparprogramme so lange und streng gewesen wie in Griechenland. Sein Heimatland sei in den letzten fünfeinhalb Jahren zum «Versuchslabor für die Sparpolitik» geworden.

Vieles ist hausgemacht

Die notwendigen Reformen müssten in seinem Land zwar durchgeführt werden, seien in den vergangenen Jahren aber nicht gerecht über die Gesellschaft verteilt gewesen. Tsipras räumte ein, dass viele Probleme hausgemacht seien. Griechenland sei in der Krise, weil Korruption und Vetternwirtschaft geherrscht hätten.

«Wir sind fest entschlossen, keine Konfrontation mit Europa zu betreiben, sondern mit dem Establishment in unserem Land.» So wolle er gegen Oligarchen und Interessenkartelle vorgehen. Wie er dies tun will und mit welchen Reformen, präzisierte er allerdings nicht.

41 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Niklaus Bächler, zur Zeit in Afrika
    Wann findet dieser griechische Wahnsinn ein Ende? Dieses Land hat sich selbstverschuldet in diese Situation manövriert! Steuerhinterziehung war und ist noch immer ein Kavalliersdelikt ohne Folgen für die Täter! Unfähige Regierungen (inkl. der aktuellen) machen die Sache für das Volk noch schlimmer. Der Ausweg besteht nur noch in der Entlassung Griechenlands aus dem Euro und der EU. Die sollen wieder ihre Drachme einführen und abwerten, wenn es nötig wird...
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Urs Keller, Binningen
    welche Ironie, die EU gibt ein drittes Hilfspaket an Griechenland, obwohl sie schon aktuell keine Schuldentragfähigkeit aufweisen. Offensichtlich darf die EUSA Griechenland nicht verlieren, denn sie hat unermesslichen strategischen Wert für das Natobündnis, das ja den USA gehört. Daher verschiebt man das Problem auf Distanz und die Milliarden fliessen ja nicht nach Griechenland sondern an die Banken um die alten Schulden an IWF und EZB zu begleichen. Es ist ein Trauerspiel.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Gerhard Himmelhan, 3904 Naters
    Wer ein drittes Hilfspaket schnürt muss auch über ein viertes nachdenken, damit das dritte im nächsten Jahrhundert zurück bezahlt werden kann. Das dauert solange bis die Zahlungsfähigen Euro-Länder, viele gibt es ja nicht mehr, letztendlich auch nicht mehr zahlen können. Danach fängt das ganze wieder von vorne an.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen