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Grosse Freude in Genf Der Friedensnobelpreis geht an die Anti-Atomwaffen-Kampagne

Legende: Video Die atomare Bedrohung nimmt zu abspielen. Laufzeit 05:30 Minuten.
Aus Tagesschau am Mittag vom 06.10.2017.
  • Die Internationale Kampagne zur Abschaffung von Atomwaffen (Ican) erhält den Friedensnobelpreis.
  • Zur Begründung hiess es vom Nobelpreiskmitee, das Risiko eines Atomwaffen-Einsatzes sei derzeit so gross wie lange nicht mehr.
  • Am Genfer Sitz der Ican herrscht eine Riesenfreude über die Ehrung.

Die Organisation erhalte die Auszeichnung für «ihre Arbeit, Aufmerksamkeit auf die katastrophalen humanitären Konsequenzen von Atomwaffen zu lenken», wie das norwegische Nobelkomitee in Oslo bekanntgab. Ican habe sich bahnbrechend um ein vertragliches Verbot solcher Waffen bemüht.

«Wir bekamen den Anruf nur ein paar Minuten vor der offiziellen Verkündung», sagte die Ican-Geschäftsführerin Beatrice Fihn. «Wir waren schockiert, dann haben wir gekichert und einen Moment gedacht, der Anruf war vielleicht ein Scherz.» Sie seien zutiefst dankbar, sagte die 34-Jährige vor ihrem Büro in Genf.

Gefahr von Atomwaffen-Einsatz steigt

Der Friedensnobelpreis an die Ican soll die Atom-Nationen auffordern, ihre Verpflichtungen zum Verzicht auf Atomwaffen einzuhalten. Jury-Chefin Berit Reiss-Andersen sagte: «Wir senden Botschaften an alle Staaten, vor allem die mit Atomwaffen.»

Das Risiko, dass Atomwaffen zum Einsatz kämen, sei derzeit grösser als seit langer Zeit. Mehrere Staaten modernisierten ihre Arsenale und die Gefahr sei real, dass mehr Länder versuchten, Atomwaffen herzustellen. Konkret nannte Reiss-Andersen Nordkorea.

Das sagt Fredy Gsteiger, SRF-Spezialist für Sicherheitsfragen

Die Bereitschaft bei den Atommächten – und auch den meisten westlichen Industriestaaten inklusive der Schweiz –, vollständig auf Atomwaffen zu verzichten, ist gering. Nach wie vor ist mit Atomwaffen viel Macht und Prestige verbunden. Und angesichts der aktuellen Krise um Nordkorea überlegen sich jetzt sogar Länder wie Japan oder Südkorea, sich auch Atomwaffen zuzulegen. Der Friedensnobelpreis an die Ican ist ein Alarmruf, es nicht zum Schlimmsten kommen zu lassen. Auch der Zeitpunkt der Vergabe an die Organisation ist sicher kein Zufall – obschon klar ist, dass sich Donald Trump oder Kim Jong Un kaum von einem Friedensnobelpreis für die Ican beeindrucken lassen.

In 100 Ländern aktiv

Ican wurde 2007 in Wien gegründet, hat ihren Sitz heute aber in Genf. Die Graswurzelbewegung ist inzwischen in mehr als 100 Ländern aktiv. Zuletzt hatte Nordkorea mit Atomtests massive Kritik auf sich gezogen. 2015 dagegen wurde der Abschluss des Atomabkommens mit dem Iran international als Erfolg gefeiert. US-Präsident Donald Trump zieht die Vereinbarung allerdings in Zweifel.

Das Ican-Büro in Genf besteht nur aus vier Leuten, alle unter 35 Jahre alt. Das Bündnis selbst ist deutlich grösser: 450 Friedensgruppen und Organisationen, die sich seit Jahren für Abrüstung engagieren.

ican
Legende: Aktivisten der Internationalen Kampagne zur Abschaffung von Atomwaffen protestieren vor der US-Botschaft in Berlin. Keystone

Verbietet Atomwaffen-Besitz

Vor zehn Jahren kamen sie zusammen, um sich gemeinsam für einen Vertrag gegen Atomwaffen einzusetzen. Treibende Kraft waren nicht Regierungen, sondern Zehntausende Aktivisten. Im Juli 2017 wurde das Vertragswerk unterzeichnet und von 122 Staaten unterstützt.

Die vermutlich neun Atommächte sowie fast alle Nato-Staaten - darunter Deutschland - hatten die Verhandlungen über den Vertrag boykottiert. Begründung: Da die Atommächte nicht teilnehmen, können die Verhandlungen nichts ändern.

Es verbietet Herstellung, Besitz, Einsatz und Lagerung von Atomwaffen und kam gegen den Widerstand der Atommächte und den mit ihnen verbündeten Staaten zustande.

318 Anwärter für den Preis vorgeschlagen

Die Osloer Jury hatte sich in diesem Jahr unter 318 Anwärtern entscheiden müssen – 215 Personen und 103 Organisationen waren für den Preis vorgeschlagen. Experten hatten im Vorfeld einen Preis im Kontext des Kampfes gegen Atomwaffen vorhergesagt.

Der Friedensnobelpreis-Träger

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