Der lange Arm Erdogans Grossrazzia gegen mutmassliche Gülen-Anhänger

Bei einer landesweiten Operation innerhalb der türkischen Polizei wurden bei zeitgleichen Razzien insgesamt 1009 Personen verhaftet.

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Razzien in der Türkei

0:21 min, aus Tagesschau vom 26.4.2017

  • In der Türkei haben Polizeikräfte Razzien gegen mutmassliche Anhänger der sogenannten Gülen-Bewegung durchgeführt.
  • Bei einer landesweiten Operation innerhalb der türkischen Polizei wurden demnach bei zeitgleichen Razzien insgesamt 1009 Personen verhaftet. An der Aktion waren 8500 Sicherheitskräfte beteiligt. Das meldet die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu.
  • Ziel der Operation – deren Zentrum in der Hauptstadt Ankara liege – sei dabei die geheime Struktur der Gülen-Bewegung innerhalb der Polizei in allen 81 Provinzen des Landes gewesen.

In der Türkei ist die seit Monaten grösste Verhaftungswelle gegen mutmassliche Anhänger des Regierungskritikers Fethullah Gülen angelaufen. 3224 Haftbefehle seien ausgestellt worden, berichteten die Nachrichtensender CNN Türk und NTV am Mittwoch. Sie richteten sich gegen angebliche Unterstützer des Predigers, die den Polizeiapparat unterwandert haben sollen.

Mehr als 1000 seien bei landesweiten Razzien bereits in Gewahrsam genommen worden, sagte Innenminister Süleyman Soylu vor Journalisten in Ankara. Es handle sich um ein Netzwerk, das die Polizei infiltriert habe und sich die «heimlichen Imame» nenne.

Über 40'000 Verhaftungen seit Putschversuch

Die Regierung wirft Gülen vor, Drahtzieher des im Juli 2016 gescheiterten Militärputsches zu sein. Seit der versuchten Machtübernahme wurden in der Türkei über 40'000 Menschen verhaftet. Zudem wurden 120'000 Beschäftigte unter anderem des öffentlichen Dienstes, der Justiz, der Polizei und des Militärs entlassen oder suspendiert.

Vor zehn Tagen hatte Präsident Recep Tayyip Erdogan das umstrittene Referendum über die geplante Verfassungsreform, die ihm deutlich mehr Befugnisse einräumen soll, knapp gewonnen. Kritiker sehen hingegen Demokratie, Pressefreiheit und Menschenrechte in Gefahr.