«Guardian»-Chef: Nur Aufgaben der Politik wahrgenommen

Am Dienstagabend ist der Chefredaktor der britischen Tageszeitung «The Guardian» eine Stunde lang vom innenpolitischen Ausschuss des britischen Unterhauses befragt worden. Es ging um die Publikation der Methoden des US-Nachrichtendienstes, gestützt auf die Angaben von Edward Snowden.

Alan Rusbridger, Chefredaktor des «Guardian»

Bildlegende: Alan Rusbridger, Chefredaktor des «Guardian», vor dem innenpolitischen Ausschuss des britischen Unterhauses. Keystone

Alan Rusbridger, seit bald zwanzig Jahren Chefredaktor des linksliberalen «Guardian», präsentierte sich vor den Abgeordneten als kritischer Patriot, als aufgeklärter Staatsbürger.

Er erinnerte an die Überraschung der Politiker, als die Überwachung von Angela Merkels Telefon publik wurde.

Ein Einschüchterungsversuch

Die Zeitungen hätten so die Aufgaben jener Politiker erfüllt, die die Geheimdienste hätten überwachen sollen. Im amerikanischen Kongress wenigstens, fügte er spitz hinzu, habe dies zur Suche nach besseren Kontrollmechanismen geführt.

Die britischen Geheimdienste dagegen kamen zum «Guardian», um Computerfestplatten zu zerstören. Nicht mit einem Küchenmixer, wie das üblich sei, sondern mit einer hauseigenen Bohrmaschine des «Guardians».

Das sei ein klarer Einschüchterungsversuch gewesen, sagte Rusbridger. Dies obwohl die publizierten Informationen nicht etwa die nationale Sicherheit bedroht hätten, sondern grösstenteils einfach peinlich waren.

Was waren die wirklichen Gründe?

Rusbridger war vor den Ausschuss zitiert worden, nachdem die drei Chefs der britischen Geheimdienste vor wenigen Wochen behauptet hatten, der «Guardian» habe die britische Terrorbekämpfung schwer kompromittiert.

Der Labour-Abgeordnete Paul Flynn fragte rhetorisch, ob die unterschiedlichen Reaktionen in den USA und in Grossbritannien vielleicht andere Gründe hätten.

Ob das möglicherweise weniger mit Sicherheit als vielmehr mit der neurotischen Geheimniskrämerei der Briten zu tun habe. Alan Rusbridger vermutete, es sei eher darum gegangen, Peinlichkeiten zu vertuschen.