Guatemalas Ex-Diktator Montt drohen 75 Jahre Haft

Zwangsumsiedlungen, Folter und Völkermord an den Maya-Ixiles: Die Staatsanwaltschaft hält Guatemalas Ex-Diktator für schuldig. In ihrem Schlussplädoyer im spektakulären Aufarbeitungs-Prozess fordert sie 75 Jahre Haft für den 86jährigen.

Historischer Moment für Guatemala: 30 Jahre nach der Terrorherrschaft von Ex-Diktator José Efraín Ríos Montt sitzen Opfer und Angehörige von Opfern ihren Peinigern im Gerichtssaal gegenüber. Angeklagt: der 86jährige Ex-Diktator José Efraín Ríos Montt sowie sein früherer Geheimdienstchef.

Der Prozess in Guatemala-Stadt, der sich nun dem Ende nähert, ist der erste Versuch, eines der düstersten Kapitel Guatemalas juristisch aufzuarbeiten: Die Staatsanwaltschaft wirft Ríos Montt Mord, Folter und die Zwangsumsiedlung Tausender Maya-Indianer während seiner Herrschaft von 1982/83 vor.

«Es waren seine Bataillone, die getötet haben, aber aufgrund der Befehlskette waren sie alle Montt untergeordnet», sagte Staatsanwalt Orlando López im Schlussplädoyer. Er fordert 75 Jahre Haft.

Kampf gegen die Guerilla

Für den mitangeklagten ehemaligen Geheimdienstchef José Mauricio Rodríguez beantragte die Anklage ebenfalls 75 Jahre Haft. Er soll für den sogenannten Plan Victoria 82 verantwortlich gewesen sein, der Militäreinsätze gegen die Maya-Ixiles im Norden des Landes vorsah. Der Vorwand: gegen die Guerilla-Kämpfer vorzugehen.

In den kommenden Tagen sollen Nebenkläger und die Verteidigung gehört werden.