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International Günter Grass warnte vor einem neuen Weltkrieg

In einem letzten grossen Interview hat der Literaturnobelpreisträger von seiner Angst vor einem dritten grossen Krieg gesprochen. Ende März konnte die spanische Zeitung «El País» mit ihm in Lübeck noch ein Gespräch führen.

Günter Grass lacht, als ihm 2007 bei einer Geburtstagsfeier aus einer Torte in Form einer Blechtrommel ein Mädchen als Oskar Matzerath heraussteigt.
Legende: Die Romanfigur Oskar Matzerath überraschte Günter Grass zum 80. Geburtstag an einer Feier in Gdansk, Polen. Keystone Archivbild 2007

Knapp einen Monat vor seinem Tod hat Günter Grass ein letztes grosses Interview gegeben. Dabei machte er sich grosse Sorgen um die Zukunft: «Wir steuern auf den dritten grossen Krieg zu», sagte der Literaturnobelpreisträger. Die spanische Zeitung «El País», Link öffnet in einem neuen Fenster publizierte das Gespräch posthum, das am 21. März in Lübeck geführt wurde.

Vieles liege auf der ganzen Welt im Argen, sagte Grass: «Heute haben wir auf der einen Seite die Ukraine, deren Situation einfach nicht besser wird. In Israel und Palästina wird es immer schlimmer. Im Irak haben uns die Amerikaner ein Desaster hinterlassen. Es gibt die Gräueltaten des Islamischen Staates und das Problem in Syrien, das fast aus den Nachrichten verschwunden ist, obwohl sich die Menschen dort weiter gegenseitig umbringen.»

Mehr Verständnis für die Situation Russlands

Grass rief die Europäer dazu auf, den russischen Präsidenten Wladimir Putin zu verstehen und sich nicht so sehr von den Interessen der USA leiten zu lassen. Nach dem Zerfall der Sowjetunion seien «keine ernsthaften Versuche» unternommen worden, unter Einbeziehung Russlands eine neue Sicherheitsallianz zu gründen. Das sei ein Riesenfehler gewesen.

Neben den vielen politischen Konflikten beklagte Grass im Interview auch «das soziale Elend überall auf der Welt» sowie die Probleme der Überbevölkerung, des Klimawandels und des Atommülls, «deren Folgen gar nicht beachtet werden».

Oskar wäre heute wohl ein Hacker

«Es gibt ein Treffen nach dem anderen, aber die Problematik bleibt bestehen: Es wird nichts getan», meinte Grass. Der Kapitalismus zerstöre sich unterdessen selbst. «All diese irrationalen Mengen Geld, die weltweit fliessen, haben mit der Realwirtschaft nichts mehr zu tun.»

Im 20. Jahrhundert sei «die Unvernunft weniger ausgeprägt» gewesen. Oskar Matzerath, die Figur in seinem Roman «Die Blechtrommel» von 1959 wäre nach Überzeugung von Grass dieser Tage «ein anderer Mensch», der gegen «andere Widerstände» würde kämpfen müssen. «Heute wäre er ein Computer-Freak, ein Hacker oder so etwas Ähnliches.»

Trauerfeier in Lübeck

Der Literaturnobelpreisträger ist am Montag in Lübeck im Alter von 87 Jahren gestorben. Die Trauerfeier soll Anfang Mai im Lübecker Theater stattfinden. Über den genauen Termin machte das Sekretariat von Grass keine Angaben.

21 Kommentare

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  • Kommentar von Reto v.Gunten, Thun
    Christen, ich wette, sie haben weder etwas von Grass gelesen, geschweige denn verstanden.
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    1. Antwort von Marcel Chauvet, Neustadt
      .......und ich wette, dass von 95 % im deutschen Raum noch keiner ein Buch oder sonstwas von Grass angelangt, geschweige denn gelesen hat. Die gucken sich bestenfalls die Blechtrommel im Fernsehen an. Martin Walser ist ein noch lebender Gigant der deutschen Literatur und ein positiver Patriot, kein beckmesserischer Miesepeter deutscher Art.
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  • Kommentar von Björn Christen, Bern
    GraSS war ein verblendeter linker Ideologe: Anti-amerikanisch, viel Verständnis für den russischen Kriegstreiber Putin mit dessen 'Heim ins Reich'-Politik sich Europa doch bitte arrangieren möge, und eine krankhafte Israel-Fixation samt obligatorischem Palästinenser-Fetisch. Und den Deutschen wollte er die Zwangsunterbringung von Afrikanern, Arabern und Asiaten in Privatwohnungen aufs Auge drücken, wobei bei ihm zu Hause nie ein einziger Flüchtling gesichtet wurde. Wasser predigen, Wein saufen.
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    1. Antwort von m.mitulla, wil
      ...klar doch. Ja, er war radikal.. aber zum Denken anregen - das hat er geschafft - bei vielen.
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    2. Antwort von E. Waeden, Kt. Zürich
      @B. Christen: "Wer ohne Fehler ist, werfe den ersten Stein." Die Frage sei erlaubt: Sind Sie ohne Fehler? Aber nur schon Ihre Wortwahl betreffend & die Beleidigungen auch Verstorbenen gegenüber lassen mich stark daran zweifeln. RIP G. Grass.
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    3. Antwort von Marcel Chauvet, Neustadt
      Er setzte westliche Menschenrechte und Freiheiten für sich als selbstverständlich voraus. Wenn er die im geringsten beeinträchtigt fühlte schrie und schrieb er wie ein Berseker. Auf der anderen Seite Verständnis und Entgegenkommen für den Menschenverachter und Despoten Putin zu zeigen ist parteiisches Denken. Dazu noch sein unsägliches Gedicht "Was gesagt werden muss ... " mit dem der Deutsche Grass als Richter über das kleine und von allein Seiten bedrohte Israel den Stab brechen will.
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  • Kommentar von Susanne Lüscher, Gossau
    Am 10. April 2012 traute sich Grass etwas, was kaum jemand zu schreiben wagt. Er schrieb ein Gedicht, welches Kritik an Israel und an deren Siedlungspolitik beinhaltete, worauf Hinz und Kunz aufschrie. Rechte hat er allemal, wie Netanjahu in seinem Wahlkampf bestätigte (er lehnte im Wahlkampf 2-Staaten-Lösung ab). Auch in diesem Interview hier hat er wieder Recht, vor allem damit, dass Europa sich nicht so von den US-Interessen soll leiten lassen!
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    1. Antwort von p.keller, kirchberg
      ... und Ihr tägliches lächerliche USA-Bashing ...
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