Hacker attackieren US-Banken

20 US-Banken wurden Opfer gross angelegter Cyber-Angriffe. Die Regierung in Washington hegt keinen Zweifel am Ursprung der Attacken: Sie kämen aus Iran.

Ein Hacker bei der Arbeit.

Bildlegende: Cyber-Attacken gegen die US-Banken haben neue Ausmasse angenommen. Keystone

US-Banken sind nach Angaben der «New York Times» zum Ziel gross angelegter Cyber-Angriffe geworden. Dem Bericht zufolge werden bei den Angriffen die Webseiten durch eine Masse an Informationsanfragen lahmgelegt.

Recherchezentren betroffen

Jedoch würden nicht wie sonst üblich einzelne PCs für konzertierte Angriffe genutzt, sondern ganze Rechenzentren. Am Mittwoch waren die 20 grössten US-Banken von einer solchen Angriffswelle betroffen.

Eine Gruppe namens Izz ad-Din al-Qassam Cyber Fighters bekannte sich dazu. «In der US-Regierung besteht kein Zweifel daran, dass Iran hinter diesen Angriffen steckt», sagte der Experte James Lewis vom Center for Strategic and International Studies der Zeitung.


Cyber-Attacken auf US-Banken

4:18 min, aus Rendez-vous vom 10.01.2013

Rache für Mohammed-Schmähvideo

Die Hacker seien eine obskure Gruppierung. Über sie sei kaum etwas bekannt, sagt Fredy Gsteiger, diplomatischer Korrespondent von Radio SRF. Die Gruppe rächt sich nach eigenen Angaben für das Mohammed-Schmähvideo, das die islamische Welt im Herbst vergangenen Jahres in Aufruhr versetzte.

Nach Angaben des auf Computersicherheit spezialisierten Unternehmens Radware gab es die ersten derartigen Angriffe im September des vergangenen Jahres. «Wir sehen gerade einen dauerhaften Angriff auf einen Industriesektor, wie wir es nie zuvor erlebt haben», sagte Radware-Vizechef Carl Herberger.

Laut SRF-Digitalredaktor Jürg Tschirren ist der Schaden solcher Attacken allerdings relativ gering. Eine auf diese Weise lahmgelegte Webseite sei wie eine überlastete Telefonzentrale, die für einen gewissen Zeitraum nicht funktioniere. «Gefährlich ist es nicht, aber lästig, weil die Banken per Internet von aussen nicht mehr erreichbar sind», sagt Tschirren.

Iran selbst Opfer von Hackern

Iran wurde nach eigenen Angaben seinerseits bereits Opfer von Cyber-Angriffen. Im April 2012 hatte das Ölministerium in Teheran von einer Internet-Attacke auf die iranischen Ölanlagen gesprochen. Im Jahr 2010 hatte der Computerwurm Stuxnet einen Teil der Zentrifugen zur Urananreicherung in der Atomanlage Natans lahmgelegt.

Teheran machte die USA und Israel verantwortlich. Die beiden Länder sind die grössten Kritiker des iranischen Atomprogramms, hinter dem sie das Streben nach einer Bombe vermuten. Die internationale Gemeinschaft hat wegen des Atomprogramms Sanktionen gegen Iran verhängt.