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Fall Kim Jong Nam Halbbruder von Nordkoreas Machthaber starb an Nervengas

Kim Jong Nam
Legende: An der Leiche von Kim Jong Nam (hier eine Archivaufnahme vom Februar) wurden Spuren von VX gefunden. Reuters

Das Wichtigste in Kürze

  • Am Körper des in Malaysia plötzlich verstorbenen Halbbruders von Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un wurden Spuren des Nervengases VX entdeckt, teilt die Polizei mit.
  • Die UNO stuft die Substanz als Massenvernichtungswaffe ein. Wenige Milligramm reichen aus, um tödlich zu wirken.
  • Die US-Armee und die Streitkräfte in der ehemaligen Sowjetunion produzierten und lagerten VX bis zur Unterzeichnung der Chemiewaffen-Konvention 1997, die die Zerstörung aller Vorräte verlangt.

Malaysische Ermittler haben Spuren des Nervengases VX am Leichnam des ermordeten mutmasslichen Halbbruders von Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un gefunden.

Am Körper von Kim Jong Nam seien Rückstände des auch als Chemiewaffe eingesetzten Gases entdeckt worden. Der hoch toxische Stoff sei in Gewebeproben von Gesicht und Augen des Toten enthalten gewesen, teilte die malaysische Polizei mit.

Die Ermittler untersuchen nun, ob das Gift aus dem Ausland nach Malaysia gebracht oder vor Ort hergestellt wurde. Zudem wird der Flughafen nach Spuren radioaktiven Materials abgesucht.

Wenige Milligramm wirken tödlich

Eine Gasmaske allein bietet keinen ausreichenden Schutz. Da der Stoff in erster Linie durch die Haut aufgenommen wird, ist ein spezieller Schutzanzug erforderlich. Einen wirksamen Schutz von Zivilisten gegen einen Anschlag mit VX gibt es deshalb nicht. Das beste Gegenmittel ist Atropin. Schon wenige Milligramm VX wirken tödlich.

Das Gas VX wird auch als Chemiewaffe eingesetzt. Die UNO stuft die Substanz als Massenvernichtungswaffe ein. Nach Angaben von Experten gibt es keine zivilen Einsatzmöglichkeiten.

Nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelt

VX wurde bei der Forschung nach Insektenschutzmitteln in Deutschland vor dem Zweiten Weltkrieg entdeckt, jedoch im Krieg nicht eingesetzt. Die US-Armee und die Streitkräfte in der ehemaligen Sowjetunion produzierten und lagerten VX bis zur Unterzeichnung der Chemiewaffen-Konvention 1997, die die Zerstörung aller Vorräte verlangt. Der tödliche Stoff kann billig in Produktionsanlagen für Pflanzenschutzmittel hergestellt werden.

Vier Festnahmen

Der 45-jährige Kim Jong Nam war am 13. Februar am Flughafen von Kuala Lumpur ermordet worden. Laut südkoreanischen Medien sprühten ihm die Täter Gift ins Gesicht.

Vier Verdächtige wurden bereits festgenommen: ein 46-jähriger Nordkoreaner, eine 25-jährige Frau mit indonesischem Pass und ihr malaysischer Freund sowie eine 28-jährige Verdächtige mit vietnamesischem Pass. Vier weitere Verdächtige aus Nordkorea, Männer im Alter von 33 bis 57 Jahren, haben sich nach Erkenntnissen der malaysischen Behörden nach Pjöngjang abgesetzt.

Die insgesamt fünf Verdächtigen aus Nordkorea sind nach Ansicht der malaysischen Polizei in den Mord verwickelt. Die malaysischen Ermittler haben angekündigt, in dem Fall auch die Nummer Zwei der nordkoreanischen Botschaft in Kuala Lumpur vernehmen zu wollen.

Das Nervengas VX

Die Substanz am Leichnam Kims wurde als O-Ethyl-S-2-Diisopropylaminoethyl Methylphosphonothiolat identifiziert, chemische Bezeichnung für VX. Es ist eine farblose bis gelbliche Flüssigkeit. Sie gilt als stärkstes Nervengas, wird über Haut, Augen, Nahrung und Atemwege aufgenommen und führt zu Übelkeit, Atem-Lähmung und in Minuten zum Erstickungstod.

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18 Kommentare

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  • Kommentar von Christian Szabo (C. Szabo)
    Nehmen wir den Fall an, dass Nordkorea Nam liquidieren will. Dann ist ein Flughafen, der gespickt mit Kameras und Sicherheitspersonal ist, einer der "dümmsten" Orte. Die Verwendung von Nervengas ist risikoreich und unsicher im Resultat. Demgegenüber ist die Reaktion Nordkoreas schon verdächtig. Viele Fragen und noch mehr Unsicherheiten.
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  • Kommentar von Philipp Etter (Philipp Etter)
    Eine dämlichere Art, jemanden umzubringen, der nicht damit rechnet, angegriffen zu werden, als ihm mit einem nervengasgetränkten Lappen übers Gesicht zu wischen ist kaum denkbar. Ich halte die Story schlicht nicht für glaubwürdig. Die Angreifer gefährden sich selbst zu sehr mit diesem Nervengas und damit ist die Durchführung des Anschlags selber nicht sichergestellt. Ich halte es aber für möglich, dass Nordkorea in Kürze unterstellt wird, dass es Massenvernichtungswaffen herstellt, siehe Irak.
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    1. Antwort von Michel Koller (Mica)
      Soso... Es wird unterstellt sie würden Massenvernichtungswaffen herstellen? Ihnen ist schon bekannt, dass sich NK damit brüstet ein Atomwaffenprogramm zu haben und dieses aktiv weiter entwickelt? Damit haben sie bereits MVWs und man kann sich gut vorstellen, dass die noch ganz andere Dinge entwickeln.
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    2. Antwort von Jean-Philippe Ducrey (Jean-Philippe Ducrey)
      Nordkorea kann so auf äusserst fiese Art zeigen, dass man VX besitzt und es gegebenenfalls auch einsetzt.
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  • Kommentar von Christian Szabo (C. Szabo)
    Jeder der Grossen, der Chemie- und Biowaffen herstellen kann, hat sie auch gelagert. Darunter sind ein paar sehr gefährliche "Monster". Man hat zwar etwas unterschrieben. das heisst aber wenig. In der globalen, geostrategischen Politik muss man das Gute im Menschen mit der Lupe suchen. Nur den Schwachen verbietet man den Besitz. Man (die Herrscher) wollen unter sich bleiben. Wer das nicht begreift, ist und bleibt naiv.
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