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International Hat die UNO im Kosovo versagt?

Es sind schwere Vorwürfe, die Amnesty International in einem neuen Bericht gegen die UNO und ihre Übergangsverwaltung Unmik im Kosovo erhebt. Im Gespräch mit SRF erklärt der Journalist Andreas Ernst, weshalb sich die Unmik eher passiv verhält.

Unmik-Soldaten, Stoppschild, Stacheldraht und Verkehrshütchen an der Grenze zwischen Kosovo und Serbien.
Legende: Die «United Nations Interim Administration Mission in Kosovo» (kurz Unmik) ist seit 1999 im Einsatz. Reuters

Die Unmik habe ihre Verantwortung nicht wahrgenommen, kritisiert die Menschenrechtsorganisation Amnesty International. So habe sie beispielsweise schwere Menschenrechtsverletzungen während und nach dem Jugoslawienkrieg nur schlecht – oder gar nicht – untersucht. Dabei gehöre genau das zu den Aufgaben der Unmik.

Diese Vorwürfe seien berechtigt, sagt Andreas Ernst. Er ist Korrespondent der NZZ am Sonntag in Belgrad. Doch weshalb ist die Unmik all die Jahre so untätig geblieben? «Dafür gibt es verschiedene Gründe: die Überforderung dieser Behörde, eine gewisse Gleichgültigkeit und wahrscheinlich auch Opportunismus.»

Anspruch und Realität

Zu denken, die UNO-Einheit könne im Alleingang das friedliche Zusammenleben in der Region wiederherstellen, sei überzogen. «Gerechtigkeit und Versöhnung können ohnehin nur in einer Gesellschaft selber hergestellt werden», ist er überzeugt. «Ich glaube nicht, dass man das von aussen in eine Gesellschaft hineintragen kann.»

Was man aber machen könne – und was man auch im Kosovo «nicht ganz ohne Erfolg» gemacht habe, ist beim Aufbau von Institutionen des Rechtsstaats zu helfen. «Überall dort, wo Ausländer lange in exekutiven Positionen waren, also selber Recht gesprochen oder Polizeiarbeit geleistet haben», seien allerdings Mängel feststellbar.

Viele Fälle unaufgeklärt

Die aktuellen Vorwürfe von Amnesty International betreffen vor allem die Nachwehen des Kosovo-Konflikts gegen Ende der 90er Jahre. Damals wurden Hunderte Menschen entführt – vermutlich von Mitgliedern der kosovarischen Befreiungsorganisation UCK. Von vielen Entführten fehlt bis heute jede Spur.

Die Aufklärung der Fälle sei heikel für die Unmik, «denn unmittelbar nach dem Krieg, als die serbischen Truppen den Kosovo verlassen hatten, war die UCK faktisch die neue Regierung», erklärt der Korrespondent. «Sie hat die Kontrolle über das Territorium ausgeübt, während die internationalen Institutionen neu in dieses Gebiet kamen.»

Die Unmik war demnach auf die Zusammenarbeit mit der UCK angewiesen. In dieser Situation sei es teilweise eben opportunistisch gewesen, «dass man darauf verzichtet hat, Untersuchungen gegen gewisse Leute anzustreben».

EU hat mehr Einfluss als UNO

Diese Woche ist der Kosovo Thema im UNO-Sicherheitsrat. Andreas Ernst rechnet nicht mit einer Verbesserung der Lage in dem Balkanstaat. «Langfristig stellt sich immer wieder die Frage nach der völkerrechtlichen Anerkennung Kosovos. Kurzfristig ist es aber nicht die UNO in New York, sondern die EU in Brüssel, die Einfluss auf die Verhältnisse im Kosovo und zwischen Serbien und Kosovo hat.»

40 Kommentare

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  • Kommentar von W. Helfer, Zürich
    Die Kommentarleser sind längst nicht mehr so unwissend, wie wohl einige Schreiber meinen.
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    1. Antwort von Juha Stump, Zürich
      In einem Punkt gebe ich den beiden Albanern Recht: Die erste Unabhängigkeit von 1912 war nur Teil einer Aufteilung. Ich spreche euch das Recht nicht ab, in einem Gross-Albanien zu wohnen - aber ob der Balkan dann friedlicher wäre? Und wie sollen die Teile von Mazedonien, Serbien, Montenegro und Bosnien, wo auch Albaner wohnen, losgelöst werden? - Ja, es stimmt, es waren vor allem Albaner unter Kastrioti, die den Türkensturm aufhielten - doch dann bekehrten sich ca. 80% zum Islam.
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  • Kommentar von Isuf Hajredini, Stuttgart
    W. Helfer. Meine Sichtweise ist zu 100% gerechtfertigt. Denn das serbische Volk war es, dass mit einer absoluten Mehrheit (mehr als 95%) für einen Krieg entschieden (durch ??demokratische?? Wahlen - Millosovic??) und damit auch "JA" zur "Ethnischen Säuberung", "Vetreibung", "Mord", "Vergewaltigung", "Kinderschändung", "Zerstörung" - sagten!! Ich leugne nicht, dass Drogen, etc., über das Kosovo-Gebiet ins. restl. Europa dringen. Was gelangt alles durch Polen, Tschechien, Italien, Schweiz, Spanien
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  • Kommentar von Cyrill Strübin, Liestal
    Gerne möchte ich alle Leser und zukünft. Kommentatoren daran erinnern, dass es in diesem Artikel um das Versagen der UNO und die verübten Verbrechen von Kosovaren gegenüber Serben und anders denkenden Kosovaren geht. Es geht nicht darum, wer die Kriegsschuld am 1. WK trägt oder wieviele sonstwo leider Ihr Leben lassen mussten. Äussern Sie sich zum Thema, nehmen Sie Stellung zum Bericht einer "unabhängigen" Organisation und lassen Sie das Stammtischgeschwafel. Vielen Dank.
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    1. Antwort von Isuf Hajredini, Stuttgart
      Gerne möchte auch ich daran erinnern, dass jeder Kommentator das Recht hat seine Meinung frei zu äußern. Sie versuchen die Schuld der Serben auf ein Minimum zu reduzieren in dem Sie Verbrechen (Einzelner Albaner) mit dem Verbrechen einer ganzen Nation (der Serben) gleichstellen. Die UNO war und ist heute noch teilweise auf dem Balkan anwesend, weil die Großmächte zu ihrer Zeit (zw. 1912 - 1945) die albanischen Gebiete willkürlich teilten und das Schicksal der Albaner damit besiegelten. FREIHEIT!
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    2. Antwort von Cyrill Strübin, Liestal
      Lesen Sie meine Kommentare, dann werden Sie feststellen, dass ich nicht im Geringsten versuche, von Serben begangene Verbrechen zu verunglimpfen. Trotzdem geht es in diesem Artikel nicht um die von Serben begangenen Greueltaten, sondern um die von Kosovo-Albanern. Finden Sie sich damit ab und akzeptieren Sie, dass es auch in Ihrer Herde schwarze Schafe gibt.
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    3. Antwort von W. Helfer, Zürich
      Verbrechen einzelner Albaner. Verbrechen einer ganzen Nation, den Serben. Eine solche Aussage sagt ja eigentlich schon Alles, was man für eine Sichtweise hat. Da wird bestimmt auch das Drogen-Elend, welches via Afghanistan über den Kosovo verbreitet wird klein, resp. schöngeredet. So ganz nach dem Motto -es ist NUR schlimm, was uns angetan wird- aber NICHT, was wir anderen antun. Dank wem kann eigentlich die Kosovo-Mafia so gut florieren?
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    4. Antwort von Arben Berisha, Basel
      W.Helfer was soll H.Hajredini für eine andere Sichtweise haben? Die serbische Paramilitär und die serbische Arme, waren die jenigen die im Kosovo einmarschiert sind und nicht andersrum.Kein einzige Kosovare hat die Grenze serbiens überschtritet und dort Masakar ausgeübt. Wenn Sie über Mafia reden, dann sind sie hier im Westen in bester Gesellschaft.Nur hier gehts um Milliarden Beträge und nicht um Millionen. Stichwort:UBS,CS ect.die das Geld der Mafia verwalten. Milosevic und Gadafi`s Geld auch.
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    5. Antwort von W. Helfer, Zürich
      Und das rechtfertigt jetzt x-tausende Unschuldige in ein Drogen-Elend zu stürtzen? Schade, dass Sie diesen Fakten ausweichen.
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    6. Antwort von W. Helfer, Zürich
      Und zur Ergänzung. Es geht ja darum, dass die Gräueltaten im Kosovo, welche zweifellos AUCH stattgefunden haben, nicht untersucht wurden. In einem Krieg gibt es nie nur Gute und Böse. Einige stellen es einfach nur so hin.
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    7. Antwort von Arben Berisha, Basel
      H.Helfer der Unterschied zwischen Ihnen und mir ist, dass Sie auf Untersuchungen der Gräueltaten bestehen um dann zu behaupten wer sie verübt hat(soweit alles OK)und ich diese Gräueltaten so hautnach erlebt habe,dass ich keine Untersuchung dazu brauchen um zu wissen wer es war. Bzgl. DrogenMafia, kann ich als Fam.Vater nur noch Hass, Wut und Ekel empfinden. Allerdings müssen wir besser auf unsere Kinder achten, dass wir sie ganr nicht erst zu Junkie werden lassen sondern Perspektiven anbieten.
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    8. Antwort von Isuf Hajredini, Stuttgart
      Cyrill Strübin. Kein Albaner leugnet Greultaten! In diesem Artikel geht es auch nicht "nur" um mögliche Verbrechen von K-Albanern an Serben, sondern um Verbrechen beider Seiten und "angeblich" begangener Verbrechen von der UCK. Natürlich gab es i.d. UCK Individuen, die sicherlich Straftaten begangen haben, aber die Frage lautet doch "Wie weit darf ich gehen um meine Heimat vor den Okkupatoren zu beschützen?" - tatenlos zuschauen? flüchten? Hab und Gut lassen? Oh nein, auch wir können antworten!
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    9. Antwort von Albert Planta, Chur
      "Lesen Sie meine Kommentare, dann werden Sie feststellen, dass ich nicht im Geringsten versuche, von Serben begangene Verbrechen zu verunglimpfen. " Andersrum gesagt, sie versuchen von Serben begangene Verbrechen zu verniedlichen?
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