Heftige Gefechte um den Flughafen von Donezk

Die einseitig verkündete Waffenruhe währte nur kurz: Ukrainische Soldaten und pro-russische Aufständische bekämpfen sich weiter.

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Lage in Ukraine bleibt angespannt

1:34 min, aus Tagesschau am Mittag vom 4.9.2014

Trotz jüngster Friedensbemühungen haben sich ukrainische Soldaten und pro-russische Aufständische in der Ostukraine erneut schwere Gefechte geliefert. Wie ukrainische Medien berichteten, haben Separatisten den von Regierungseinheiten besetzten Flughafen von Donezk unter Feuer genommen.

Ein Mann mit Gesichtsmaske steht vor einer Schranke auf der die ukrainische Flagge liegt.

Bildlegende: Wie man der Gewalt im Osten der Ukraine einen Riegel schieben kann, ist unklar. Reuters

Das wird auch von den Aufständischen bestätigt: «Wir haben zwei Angriffsringe um den Flughafen gezogen – den Soldaten bleibt nur, zu kapitulieren oder zu sterben», sagte der Separatistenführer Wladimir Kononow. Bereits Ende Mai hatten die militanten Gruppen eine Grossoffensive auf den Flughafen gestartet. Dabei waren mehr als 50 Aufständische getötet worden.

Augenzeugen berichteten zudem von Granateneinschlägen in Donezk in der Nacht. Südlich der Stadt, in Petrowka, soll es nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters auch Tote gegeben haben. Eine offizielle Bestätigung dafür gibt es aber noch nicht.

«Praktische Schritte der Deeskalation»

Trotz dieser erneuten Gewalt betonte der russische Aussenminister Sergej Lawrow, dass Moskau zu «praktischen Schritten der Deeskalation» bereit sei. Vorrangig sei aber, dass die Regierung in Kiew direkte Gespräche mit den Separatisten führe, sagte Lawrow in Moskau.

Poroschenko unterwegs nach Wales

Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko ist unterdessen unterwegs zum Nato-Gipfel in Wales. Der pro-westliche Poroschenko wolle bei dem Treffen auch über seine Verhandlungen mit Kremlchef Wladimir Putin berichten, hiess es.

Um einen angeblichen Waffenstillstand hatte es am Mittwoch eine stundenlange Verwirrung gegeben. Poroschenko twitterte, es sei ein permanenter Waffenstillstand vereinbart worden. Moskau dementierte dies später. Russland könne dies nicht aushandeln, weil es keine Konfliktpartei sei.

Was macht die Nato?

Was macht die Nato?

Auf internationalen Druck hin stoppt Frankreich die Auslieferung von Helikopterträgern an Russland. Damit soll am Nato-Gipfel gegenüber Moskau Einigkeit demonstriert werden. Ob das gelingt, ist jedoch fraglich. Lesen Sie hier mehr dazu.

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • Putin nährt Hoffnung auf Frieden

    Aus Tagesschau vom 3.9.2014

    Aus der Ukraine und Russland kommen heute widersprüchliche Signale bezügliche des Konflikts in der Ostukraine. Kiew meldete eine dauerhafte Waffenruhe und dann eine Feuerpause. Russland dementierte, Präsident Putin präsentierte einen Plan, ein Friedensabkommen bis Freitag sei möglich. Live aus der Frontstadt Mariupol im Osten der Ukraine meldet sich SRF-Korrespondent Christoph Franzen.

  • Swisspeace-Direktor Laurent Goetschel.

    Laurent Goetschel über Krieg und Frieden in der Ukraine

    Aus Rendez-vous vom 2.9.2014

    «Nie wieder Krieg!» riefen Pazifisten nach dem Ersten Weltkrieg. Und nach dem Zweiten Weltkrieg glaubten in Europa viele daran. Doch nun herrscht Krieg in der Ukraine. Was ist schiefgelaufen? Friedensforscher Laurent Goetschel ist Gast von Susanne Brunner.