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International Heftige Reaktionen auf Freispruch

Ein weisser Bürgerwehrler, der im Februar 2012 im US-Bundesstaat Florida einen schwarzen Jugendlichen erschossen hat, ist vor Gericht freigesprochen worden. Das Urteil stösst auf Kritik. Obama mahnt zur Besonnenheit.

Legende: Video SRF-Korrespondentin Karin Bauer über den Freispruch abspielen. Laufzeit 2:14 Minuten.
Aus Tagesschau vom 14.07.2013.

Auf der einen Seite Erleichterung, auf der anderen Fassungslosigkeit: Im US-Bundesstaat Florida ist der weisse George Zimmerman freigesprochen worden. Er hatte im Februar 2012 Tayvon Martin erschossen – einen schwarzen Jugendlichen, bekleidet mit einem Kapuzenpullover.

Dem 29-jährigen Zimmerman hätte im Fall eines Schuldspruchs eine lebenslange Haftstrafe gedroht.

Der Fall sorgte in den USA und international monatelang für Schlagzeilen. Zimmerman ist Mitglied einer Bürgerwehr. Er war in der besagten Nacht auf Patrouille gewesen. Er habe sich von Martin bedroht gefühlt und aus Notwehr geschossen, beteuerte Zimmerman im Prozess.

Triumph und Wut nach Urteil

Sein Verteidiger triumphierte nach dem Urteilsspruch: «Ich bin sehr, sehr glücklich mit diesem Ergebnis.» Der Freispruch sei für ihn ein grossartiger Moment gewesen. «Ich bin begeistert, dass die Geschworenen verhindert haben, dass sich diese Tragödie in eine Travestie verwandelt.»

Legende: Video Proteste gegen Urteil abspielen. Laufzeit 1:01 Minuten.
Vom 15.07.2013.

Ganz anders sehen dies Kritiker. Die afroamerikanische Organisation NAACP sagte nach Zimmermans Freispruch: «Wir sind empört und untröstlich über das heutige Urteil.» Deren Vorsitzende forderte das Justizministerium auf, Zimmerman jetzt wegen Verletzung der Bürgerrechte von Trayvon Martin vor Gericht zu stellen. Ähnlich äusserte sich der schwarze Bürgerrechtler Jesse Jackson.

Präsident Barack Obama mahnte derweil zur Besonnenheit. Der Tod Martins sei eine US-weite Tragödie, hiess es in einer Stellungnahme. Die Entscheidung der Jury müsse in einem Rechtsstaat aber akzeptiert werden. Obama rief die Menschen in den USA, sich Gedanken darüber zu machen, wie ein solcher Vorfall in Zukunft verhindert werden könne.

Viele Kritiker sind überzeugt: Der schwarze Trayvon Martin habe wegen seiner Hautfarbe sterben müssen, der Schuss aus Zimmermans Waffe habe rassistische Hintergründe gehabt. Vor dem Gerichtsgebäude forderten Demonstranten «Gerechtigkeit für Trayvon».

Schon kurz nach dem Freispruch gab es im Internet Kommentare beider Lager. Der Vater des Getöteten schrieb auf Twitter: «Auch wenn mein Herz gebrochen ist: Mein Glaube ist unerschüttert. Ich werde mein Baby Tray immer lieben.»

Der Vater von Trayvon Martin reagiert nach dem Urteilsspruch:

Aus Sorge vor möglichen gewaltsamen Ausschreitungen nach einem Urteil hatten mehrere Organisationen bereits im Vorfeld zu Ruhe und Besonnenheit aufgerufen.

Die Proteste und die Rassismus-Debatte, die seit dem tödlichen Schuss am Abend des 26. Februar 2012 nicht abreissen, dürften mit dem Freispruch neuen Schwung bekommen.

Kugelsichere Weste als stetiges Accessoire

Für Zimmerman bedeutet der Freispruch wohl auch nur Erleichterung auf der einen Seite. Er hatte schon während des Prozesses die Öffentlichkeit gemieden. Ausserhalb des Gerichtssaals trug er eine kugelsichere Weste.

Die Angst vor einem Angriff muss gross sein: Zimmermans Bruder sagte in einem Interview des Fernsehsenders CNN: «Mehr als jemals zuvor hat er jetzt Grund zu glauben, dass Menschen ihn umbringen wollen, wenn sie es könnten.»

Top-Tweets zu #trayvon #trayvonmartin

32 Kommentare

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  • Kommentar von Marianne Roe, Gwatt
    Ich verstehe nicht, warum gerade Schweizer sich in eine Angelegenheit der USA mischen. Es würde wohl keinem einzigen anständigen Amerikaner in den Sinn kommen, so etwas gegen die Schweiz zu kommentieren. Im übrigen sollte man in diesem Blog des Schweizer-Fernsehens wieder einmal ein Thema über das Legalisieren von Drogen bringen, dann sieht man jeweils wie viele "Drögeler" sich auf dieser Seite herumtollen. Deshalb sind der grösste Teil der Kommentare kaum nützlich und aus der Luft gegriffen.
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    1. Antwort von JP.Simon Nietzscheaner, Bern
      Es ist ja verständlich, dass keinem einzigen Amerikaner es in den Sinn käme, sich weltweit in fremde Angelegenheiten einzumischen und so als einen anständigen Menschen sich rühmen, ja segnen darf. Wozu denn auch, liebe Frau Roe. Macht es die Politik in Washington nicht schon, zum Verdruss, Leid und Schmerz vieler Menschen, zur Genüge. Es gibt Dinge, die an- und durch zu denken und vor allem zu Ende zu denken sind, soweit man richtig hinzuschauen wagt, nicht jedermanns Sache.
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    2. Antwort von Claude Vuillaume, Wallisellen
      Frau Roe, was unterscheidet einen Wohlstands-Trinker, der seinen Château Rothschild in die Kehle giesst von einem Verzweiflungs-Trinker ? Brauchen nicht beide Trinker unsere helfende Hand ? Sind Wohlstands-Trinker keine Drögeler ?
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  • Kommentar von rolf zeller, möhlin AG
    Das in der Tagesschau heute trotzt Gerichtsurteil vom mutmasslichen Mörder Zimmermann gesprochen wurde ist einfach unglaublich. Keiner von uns war dabei und auch der viel erwähnte farbige Jugendliche, war nicht so kindlich,wie uns die Presse seit Anfang weiss machen wollte.Zu allem Übel kann man ja auch fast täglich bei uns lesen,dass solche Begegnungen Nachts und alleine auch immer häufiger sehr unangenehm für Betroffene sein können.
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  • Kommentar von A. Guant, Sunnybeach
    dieses links rechts scheuklappendenken von Frau Roe ist reine Ablenkung u. dient der Verschleierung.Mir tun langsam aber sicher die US-Bürger leid.Anstatt,dass ihre Steuergelder für den Aufbau u. Modernisierung des eigenen Landes inkl. dessen Rechtssystem verwendet würden,müssen sie rund um den Globus ihre Militärbasen unterhalten,sich dafür auch noch verschulden,in Kauf nehmen,dass die Gläubiger die absolute Kontrolle über das eigene Land übernehmen u.den Präsidenten als Witzfigur brandmarken
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