Hochwasser: Teile Europas im Alarmzustand

Dramatische Bilder aus den Hochwassergebieten: Wassermassen fluten deutsche Strasse und Städte, grosse Teile des Landes versinken im Wasser. Bayern droht gar eine einzigartige Notlage. Auch die östlichen Nachbarländer leiden schwer unter den Folgen des Dauerregens.

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Überschwemmungen in Teilen Europas

1:24 min, aus Tagesschau Spätausgabe Wochenende vom 2.6.2013

Nach tagelangem Dauerregen hat sich die Hochwasserlage im Süden und Osten Deutschlands in der Nacht dramatisch zugespitzt.

Etliche Städte und Landkreise in Bayern, Thüringen und Sachsen riefen Katastrophenalarm aus. Tausende Menschen waren betroffen. Die Bundeswehr bereitete sich auf Hilfseinsätze vor. Bundeskanzlerin Angela Merkel sicherte den am stärksten betroffenen Bundesländern «volle Unterstützung» zu. Auch im benachbarten Ausland ist die Lage kritisch.

Bayern fürchtet historische Flutwellen

Nach tagelangem Dauerregen droht Bayern ein Hochwasser bisher ungekannten Ausmasses. Anschwellende Flüsse und Bäche, Evakuierungen und Strassensperrungen überforderten bereits im Laufe des Sonntags vielerorts die Einsatzkräfte. «Möglicherweise werden wir eine Entwicklung bekommen, die zu einem Hochwasser führen könnte, das bisher noch nie dagewesen ist», sagte Ministerpräsident Horst Seehofer.

Katastrophenalarm wurde unter anderem in Passau und Rosenheim ausgerufen. An vielen Schulen in Bayern soll der Unterricht heute Montag ausfallen. In Passau wurde ein Pegelstand von zwölf Metern nicht mehr ausgeschlossen - das letzte Hochwasser dieser Grössenordnung wurde dort zuletzt im späten Mittelalter im Jahr 1501 verzeichnet. Das Jahrhunderthochwasser 2002 hatte einen Höchststand von 10,81 Metern.

Tausende Sachsen ohne Strom

Dramatisch ist die Situation auch in Sachsen. Im westlichen Teil des Freistaates riefen die Landkreise Katastrophenalarm aus. Besonders kritisch ist die Lage an der Weissen Elster in der Region Leipzig und an der Zwickauer Mulde. «Es ist davon auszugehen, dass die Pegelstände des Hochwassers von 2002 erreicht und überschritten werden könnten», teilte der Landkreis Nordsachsen mit.

Im Landkreis Mittelsachsen fiel zudem der Strom aus – einige tausend Bewohner waren laut Landratsamt betroffen. Auch in Zwickau sei die Lage dramatisch, teilte das Deutsche Rote Kreuz mit. Rund 18'000 Menschen müssten unter Umständen das Stadtzentrum verlassen. Die Situation sei schlimmer als 2002, hiess es. Damals hatte ein verheerendes Hochwasser in grossen Teilen des Freistaates gewaltige Schäden verursacht.

Weitere Regenfälle in Deutschland

In Baden-Württemberg mussten die Helfer zu mehr als 3000 Einsätzen ausrücken. In Reutlingen wurden am Sonntag zwei Menschen vermisst, sie könnten in einen Neckarzufluss gefallen sein.

Auf weiten Strecken von Rhein, Main und Neckar wurde die Schifffahrt wegen des Hochwassers gestoppt. Am Mittelrhein wurden weitere Überschwemmungen erwartet. Der Deutsche Wetterdienst kündigte weiteren Regen an.

Höchste Warnstufe in Tschechien

Am Sonntagabend rief die Regierung in Prag den Notstand aus. Die Massnahme in Tschechien gelte in allen Regionen mit Ausnahme der Region Pardubice, sagte Ministerpräsident Petr Necas im tschechischen Fernsehen. An mehr als 50 Orten Tschechiens galt die höchste Warnstufe 3.

In Tschechien droht die Moldau die Prager Altstadt zu überfluten. Ein Wochenendhaus bei Prag stürzte über dem matschigen Untergrund ein. Die Hausbesitzerin starb.

An zwei Flüssen in Böhmen wurden drei Wassersportler vermisst. Die Polizei musste die Suche nach ihnen wegen der hohen Pegelstände abbrechen. Strassen und Bahnstrecken im Süden und Westen des Landes wurden überschwemmt und deshalb gesperrt. Die Regierung schickte rund 200 Soldaten zum Hilfseinsatz.

Tote und Vermisste in Österreich

Auch in weiten Teilen Österreichs spitzte sich die Hochwassersituation weiter zu. Vielerorts wurden Evakuierungen angeordnet. An der Donau drohte bei weiter steigenden Pegelständen bis spätestens Dienstag eine Neuauflage des «Jahrhunderthochwassers» von 2002.

In St. Johann im Pongau (Bundesland Salzburg) wurden drei Arbeiter von einem Murenabgang überrascht. Einer von ihnen wurde mitgerissen und konnte nur noch tot geborgen werden, wie die Polizei mitteilte. Die Männer waren mit Aufräumarbeiten beschäftigt. Zwei weitere von Wassermassen mitgerissene Personen werden vermisst.

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Überflutungen in Europa

1:25 min, aus Tagesschau vom 2.6.2013

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