Höchster französischer Orden für die Helden des Thalys-Zugs

Mit ihrem beherzten Vorgehen gegen einen bewaffneten Mann in einem Thalys-Zug auf der Strecke Amsterdam-Paris retteten drei US-Bürger und ein Brite womöglich zahlreiche Leben. Nun hat Frankreichs Präsident die Helden zu Rittern der französischen Ehrenlegion ernannt.

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Ehrung der Helden des Thalys-Zugs

1:02 min, aus Tagesschau am Mittag vom 24.8.2015

Frankreichs Präsident François Hollande hat drei US-Bürger und einen Briten für ihr Eingreifen bei der Attacke in einem Thalys-Zug mit der französischen Ehrenlegion ausgezeichnet. Mit ihrem Mut hätten sie es ermöglicht, Leben zu retten, sagte Hollande.

Weitere Ehrungen folgen

Er überreichte den höchsten französischen Orden den US-Soldaten Alek Skarlatos und Spencer Stone, dem amerikanischen Studenten Anthony Sadler sowie dem Briten Chris Norman im Élysée-Palast in Paris. Die Männer hatten am Freitagabend einen schwerbewaffneten Marokkaner in dem Hochgeschwindigkeitszug Amsterdam-Paris niedergerungen. Stone und ein Passagier wurden schwer verletzt.

Hollande steckt Spencer Stone die Medaille ans T-Shirt. Neben ihm steht Alek Skarlatos, der schon eine Medaille trägt

Bildlegende: Zwei der Helden vom Thalys-Zug: Die US-Soldaten Spencer Stone und Alek Skarlatos. Sie sind nun Ritter der Ehrenlegion. Keystone

Der verletzte Passagier soll zu einem späteren Zeitpunkt in die französische Ehrenlegion aufgenommen werden, ebenso wie ein 28-jähriger Franzose, der sich als erster dem Angreifer entgegenstellte und der anonym bleiben will.

Hollande: versuchter Anschlag

Hollande ging von terroristischen Absichten des Angreifers aus. «Eine Person hatte entschieden, einen Anschlag im Thalys zu begehen», sagte er mit Blick auf den am Freitag festgenommenen 25-jährigen Marokkaner. «Er hatte genug Waffen und Munition, um ein Blutbad anzurichten.» Dies hätte er auch gemacht, wenn nicht einige Fahrgäste eingeschritten wären, betonte der Staatschef.

Der Angreifer, der beim Verhör durch Anti-Terror-Ermittler jegliche Anschlagsabsicht bestritt, war mit einer Kalaschnikow, einer Pistole und einem Teppichmesser in den Zug gestiegen. Die Ermittler vermuten ebenfalls, dass der den Geheimdiensten als Islamist bekannte Mann einen Anschlag verüben wollte.

Der junge Mann war bereits den spanischen Sicherheitsbehörden wegen Reden aufgefallen, in denen er den bewaffneten Kampf gegen Ungläubige propagierte. Laut französischen Ermittlern lebte der junge Mann von Gelegenheitsjobs und kleineren Delikten, darunter Drogenhandel.

Vater nimmt Sohn in Schutz

Der Vater des Angreifers nahm seinen Sohn derweil in Schutz. Er räumte aber ein, dass er keine Ahnung habe, was seinen Sohn zur Tat veranlasst haben könnte. «Er war ein guter Junge, sehr fleissig», sagte der Vater des 25-Jährigen laut einem Bericht der britischen Zeitung «The Telegraph» vom Sonntag. Der Vater gab auch an, er habe seit mehr als einem Jahr nicht mehr mit ihm gesprochen.

Ein politisches Motiv hielt der Vater allerdings für unwahrscheinlich. Sein Sohn habe «nie über Politik gesprochen, nur über Fussball und Fischen», sagte der Marrokaner laut «Telegraph» unter Tränen. Die Familie lebt demnach seit 2007 in Spanien, der im andalusischen Algeciras ansässige Vater arbeite in der Recyclingindustrie.

Der Vater beklagte laut «Telegraph», dass ein französisches Telekommunikationsunternehmen seinen Sohn mit einem Halbjahresvertrag nach Frankreich gelockt und ihn nach einem Monat einfach rausgeschmissen habe. «Was sollte er tun? Was sollte er essen?», sagte der Vater der britischen Zeitung.

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel

  • Anschlag vereitelt

    Aus Tagesschau vom 22.8.2015

    In einem Schnellzug von Amsterdam nach Paris hat ein Mann mit einer Kalaschnikow um sich geschossen. Zwei US-Soldaten konnten den Angreifer zusammen mit zwei Zivilisten überwältigen. Beim Täter soll es sich um einen 26-jährigen Marokkaner handeln.