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Hohe Zölle auf Stahl und Alu «America first» in letzter Konsequenz

Kanada, Mexiko und die EU erfahren es nun: Die USA bestrafen befreundete Länder, wenn sie nicht auf ihre Bedingungen eingehen. Im Fall der EU liefen Verhandlungen in letzter Minute ins Leere – die EU weigerte sich, eine Quotenregelung für US-Stahl- und Aluminium-Importe zu akzeptieren, wie sie die USA gegenüber Südkorea, Brasilien und Argentinien durchgedrückt hatten.

Die Trump-Regierung zögerte daraufhin nicht, die Zölle auf Metallimporten aus der EU wahr zu machen und liess sich auch nicht durch angedrohte Retorsionsmassnahmen einschüchtern. Die EU setzt diese nun um; betroffen sind ur-amerikanische Produkte wie Motorräder von Harley-Davidson, Bourbon Whiskey aus Kentucky und Jeans.

Ihrerseits droht die Trump-Regierung bereits mit dem nächsten Schritt: Einem Zoll von 25 Prozent auf Auto-Importen aus der EU. Nicht ganz zufällig treffen die US-Zölle vor allem Deutschland. Präsident Donald Trump ist das Handelsdefizit mit Deutschland bekanntlich ein Dorn im Auge.

Klage vor der WTO

Ob die USA ihre Handelbeziehungen zur EU auf diese Art und Weise produktiv umgestalten können, darf bezweifelt werden. EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker hat bereits verlauten lassen, die EU werde die US-Zölle vor der Welthandelsorganisation WTO als «puren Protektionismus» der US-Stahl- und Aluminium-Produktion einklagen. Es ist nicht klar, wie die WTO in diesem Fall entscheiden wird, da die USA die Zölle auf Metall als Massnahme im Interesse der nationalen Sicherheit begründen. Diesbezüglich räumt die WTO den Mitgliedsländern Spielraum ein.

Die Trump-Regierung lässt gleichzeitig auch gegenüber China ihre Muskeln spielen und droht, Zölle auf US-Importen im Wert von 50 Milliarden Dollar einzuführen. US-Handelsminister Wilbur Ross reist dieses Wochenende nach China, um eine Lösung für diesen Handelsstreit zu finden.

Die USA haben im internationalen Handel einen Vielfronten-Konflikt angezettelt, der zu chaotischen Zuständen im weltweiten Handelsgefüge führen könnte, falls nicht bald Vernunft einkehrt.

Isabelle Jacobi

Isabelle Jacobi

USA-Korrespondentin, SRF

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Nach dem Studium in den USA und in Bern arbeitete Jacobi von 1999 bis 2005 bei Radio SRF. Danach war sie in New York als freie Journalistin tätig. 2008 kehrte sie zu SRF zurück, als Produzentin beim Echo der Zeit, und wurde 2012 Redaktionsleiterin. Seit Sommer 2017 ist Jacobi USA-Korrespondentin in Washington.

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39 Kommentare

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  • Kommentar von Michael Räumelt (Monte Verita)
    Endlich ein Präsident der sein Wahlversprechen einhält "American first"! Obama hat sein Wahlversprechen, das wegen Folterberichten umstrittene Gefangenenlager Guantanamo zu schliessen nie eingelöst.... es existiert auch heute noch.Ebenso scheiterte auch sein Versprechen vollkommen, die Kriege im Irak und Afghanistan so schnell wie möglich zu beenden usw. usw.
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    1. Antwort von Karl Kirchhoff (Charly)
      Obama hat seine Wahlversprechen nicht eingelöst, in Bezug auf Guantanamo und Afghanistan. Wenigstens hier mal eine wahre Aussage von Ihnen (Frankreich gehört nicht zur Nato!!). Warum er das nicht hat, steht auf einem anderen Blatt!
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    2. Antwort von Alex Volkart (Lex18)
      An Herr Räumelt: Es mag sein dass er hier ein Wahlversprechen einlöst, das Problem ist nur die Folgen muss nicht er selbst tragen sondern Andere.
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  • Kommentar von A. Keller (eyko)
    Und was hat die EU bisher getan? Statt ihrerseits die Zölle im Transatlantischen Handel zu senken, schaltet sie auf stur. Richtig verhandelt werde erst wenn Europa dauerhaft vor Zöllen auf Stahl und Aluminium geschützt werde. Diese Taktik ging daneben und fast drollig droht Europa jetzt mit Bourbon Whiskey und Harley-Davidson zu verteuern. Das erschreckt einen Trump nicht. Doch wieder mal ist sich Europa nicht einig und schadet mit einem diplomatischen Wackelkurs der Wirtschaft.
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    1. Antwort von Daniele Röthenmund (Daniele Röthenmund)
      Würden sie die Vergangenheit der Geschichte nachlesen, wüssten sie das sie mit ihrer Analyse falsch liegen!
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  • Kommentar von A. Keller (eyko)
    Trump wird erst Ruhe geben wenn über die 5th Avenue in New York kein Mercedes und kein BMW mehr rollt. Trump steht vor wichtigen Zwischenwahlen im Herbst bis dahin muss er Erfolge vorweisen.Viele seiner Wähler sind Opfer der Globalisierung deshalb bauen sie auf Protektionismus und Nationalismus. Trump ist bereits die globale Handelsarchitektur in Trümmer zu legen.Bei den Wähler kommt das an, die Schwierigkeiten dem Ausland anzulasten. Die hausgemachten Probleme der US-Wirtschaft blendet er aus.
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    1. Antwort von Nicolas Dudle (Nicolas Dudle)
      Absolut einverstanden. DJT versucht, strukturelle Probleme bei den Auswirkungen zu bekämpfen anstatt an der Wurzel. Das mag in der Realwirtschaft mit ihrem Quartalsdenken zu funktionieren. Ein Land kann man aber nicht einfach nach kurzfristigem Erfolg verkaufen wie eine Firma. Diesen Gedankensprung macht DJT nicht; ich weiss nicht, ob gewollt oder aus Unfähigkeit.
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