Hongkongs Regierung fordert Ende der Blockaden bis Montag

Ab Montag soll wieder Ruhe in die Stadt einkehren, dies fordert der Regierungschef von den Demonstranten. Zugleich haben organisierte Schlägertrupps laut Polizeiangaben die protestierenden Studenten angegriffen. Der Polizei wurde Tatenlosigkeit vorgeworfen.

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Hongkong: Ultimatum für Demonstranten

2:06 min, aus Tagesschau vom 4.10.2014

Bei den Protesten in Hongkong hat Regierungschef Leung Chun Ying ultimativ ein Ende der Blockaden bis Montag gefordert. Nach den Ausschreitungen zwischen Protestgegnern und Demonstranten rief Leung beide Seiten eindringlich zur Ruhe auf.

Hongkongs Regierungschef Leung Chun Ying winkt der Masse zu.

Bildlegende: Ab Montag will er keine Demonstrationen mehr sehen: Hongkongs Regierungschef Leung Chun Ying. Reuters

Er verurteilte alle Gewalt und warnte, wenn die Zwischenfälle andauerten, könnte die Lage «sehr leicht ausser Kontrolle geraten». Es könne «ernste Konsequenzen für die Sicherheit der Bürger und die soziale Ordnung haben», sagte Leung in einer Videobotschaft.

«Beamte müssen wieder arbeiten können»

Die Regierung und Polizeikräfte seien entschlossen, «alle notwendigen Massnahmen zu ergreifen, um die soziale Ordnung wiederherzustellen», bekräftigte der Regierungschef der weitgehend autonom regierten chinesischen Sonderverwaltungsregion.

Die Zugänge zu den Regierungsgebäuden und die Strassen in den Stadtteilen Central, Western und Wan Chai auf der Insel Hongkong müssten bis Montag wieder frei zugänglich sein, damit die Beamten wieder zur Arbeit und die Kinder wieder zur Schule gehen könnten.

Organisierte Schlägertrupps

Zudem habe die Polizei nach eigenen Angaben mehrere Mitglieder der berüchtigten chinesischen Mafia – die sogenannten «Triaden» – verhaftet. Sie sollen die protestierenden Studenten bewusst provoziert haben. 19 Personen wurden festgenommen.

Sie hätten Studenten angegriffen, teilte die Hongkonger Polizei mit. Bei Angriffen von vermummten Schlägertyps, denen sich aufgebrachte Bürger anschlossen, auf die Studenten war die Polizei zunächst tatenlos geblieben.

Verletzungen und sexuelle Übergriffe

Nach offiziellen Angaben wurden mindestens zwölf Menschen verletzt, darunter sechs Polizisten. Ausserdem soll es mehrere sexuelle Übergriffe an Frauen gegeben haben.

Seit Tagen stemmen sich tausende Demonstranten in Hongkong gegen eine von China beschlossene Wahlreform. Die Studenten fordern zudem den Rücktritt von Verwaltungschef Leung Chun Ying. Sie werfen ihm vor, ein «Handlanger Pekings» zu sein. Leung lehnt einen Rücktritt jedoch kategorisch ab. Zuletzt scheiterten Gespräche zwischen beiden Seiten.

Warum die Demonstrationen?

Zwar soll die Hongkonger Bevölkerung 2017 erstmals direkt einen Verwaltungschef wählen dürfen. Die Staatsführung in Peking will die Kandidaten jedoch zuvor auswählen. Die Proteste richten sich nun gegen die als unfrei bezeichneten Wahlen.

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  • Das Ultimatum der Protestierenden ist abgelaufen, der Statthalter Hongkongs weigert sich, zurückzutreten.

    Chinas Statthalter in Hongkong tritt nicht ab

    Aus Echo der Zeit vom 2.10.2014

    In Hongkong ist das Ultimatum der Protestierenden abgelaufen. Ihre Forderung, der von Peking eingesetzte Statthalter Leung Chun-ying müsse zurücktreten ist nicht erfüllt worden. Leung schliesst seinen Rücktritt aus, macht den Demonstrierenden aber ein Gesprächsangebot.

    Urs Morf