Hongkongs Verwaltungschef will härter durchgreifen

In Hongkong kam es erneut zu heftigen Ausschreitungen, bei denen Demonstranten das Regierungsgebäude stürmen. Nun deutet Verwaltungschef Leung Chung Ying erstmals an, kompromisslos gegen die Demokratie-Bewegung vorzugehen.

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Zusammenstösse zwischen Polizei und Aktivisten in Hongkong

0:35 min, vom 1.12.2014

In Hongkong ist es erneut zu gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Sicherheitskräften und Demonstranten gekommen. Hunderte Studenten versuchten den Hauptsitz der Regierung zu besetzen. Die Polizisten gingen mit Schlagstöcken und Pfefferspray gegen die Protestierenden vor.

Es kam zu Handgemengen, Chaos brach aus. Nach Polizeiangaben wurden mindestens 40 Personen bei den Zusammenstössen festgenommen. Mehr als 40 Menschen wurden laut Medien verletzt. Darunter sind nach amtlichen Angaben auch vier Polizisten.

Kritik an Peking wird salonfähig

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SRF-Korrespondent Nufer zu den Protesten in Hongkong

1:48 min, aus Tagesschau am Mittag vom 1.12.2014

SRF-Korrespondent Pascal Nufer erklärt den Zeitpunkt der neuen Unruhen mit einer Polizeiaktion der letzten Woche. Die Ordnungskräfte hatten eines der grossen Protestcamps gewaltsam geräumt.

«Nun sind die Demonstranten offenbar so weit gegangen, dass sie selber zu Gewalt greifen», so Nufer. Die Demonstranten hätten einen Strategiewechsel vollzogen, nachdem die Regierung keiner ihrer Forderungen nachgekommen sei.

Auch wenn klar sei, dass die Protestbewegung punkto Demokratie nichts erreicht habe, so dürfe man doch nicht vergessen: «Eine ganze Generation wird jetzt richtiggehend politisiert.» Es sei in Hongkong salonfähig geworden, sich lautstark gegen Peking auszusprechen, sagt Nufer.

Verwaltungschef: «Ohne zögern das Gesetz durchsetzen»

Verwaltungschef Leung Chun Ying hat nach der Ausschreitung erstmals eine kompromisslose Niederschlagung der «illegalen» Demokratie-Bewegung angedeutet. Die Polizei werde «von nun an ohne Zögern das Gesetz durchsetzen», so Leung. Die Rufe nach einer Räumung der Protestlager würden immer lauter und der Druck auf die Behörden steige.

Die Strassenproteste seien nicht nur gesetzeswidrig, «sie werden auch vergeblich sein», so Leung. Eine Fortführung der Revolte sei für die Behörden «nicht hinnehmbar».

Studentenführer Alex Chow bezeichnete die Protestaktion dennoch als Erfolg. Das Regierungsviertel sei «lahmgelegt worden». Damit habe man seine Ziele zumindest teilweise erreicht.

Kampf für freie Auswahl des Verwaltungsschefs

Die von Studenten angeführte Bewegung verlangt eine freie Auswahl von Kandidaten für die 2017 anstehende Wahl des Hongkonger Verwaltungschefs. Sie fordert die demokratischen Rechte und Freiheiten ein, die den Hongkonger Bürgern von der kommunistischen Regierung in Peking zugesagt worden waren. Auf dem Höhepunkt der Proteste hatten bis zu 100'000 Menschen in Hongkong für mehr Demokratie demonstriert.

Die frühere britische Kronkolonie wurde 1997 an die Volksrepublik China zurückgegeben. Seitdem ist sie unter dem Motto «ein Land – zwei Systeme» eine Sonderwirtschaftszone. Für 2017 hat die Führung in Peking den Bürgern Hongkongs erstmals freie Wahlen zugesagt.

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • Polizeiknüppel treffen Regenschirme.

    Proteste in Hongkong flammen wieder auf

    Aus Echo der Zeit vom 18.10.2014

    In der Nacht auf Samstag haben Demonstranten in Hongkong im Stadtteil Mongkok wieder Strassenblockaden errichtet, die zuvor von der Polizei geräumt worden waren. Unser China-Korrespondent erklärt, wieso die Regierung die Lage nicht unter Kontrolle hat.

    Urs Morf

  • Ein Mitglied der Demokratiebewegung wird von einem Mann angegriffen, der mit den Zielen der «Occupy Central»-Bewegung nicht einverstanden ist.

    Hongkong: Mit Gewalt gegen die Demokratiebewegung

    Aus Rendez-vous vom 13.10.2014

    Die Protestbewegung in Hongkong ist bislang auffallend friedlich. Nun scheint es allerdings im Stadtzentrum zu Zusammenstössen zwischen Demonstranten und zum Teil maskierten Unbekannten gekommen zu sein.

    Zuvor hatte die Polizei begonnen, die von der Demokratiebewegung errichteten Barrikaden abzubauen.

    Urs Morf

  • Benni Tai, Aktivist der Hongkonger Demokratie-Bewegung.

    Hongkong - weiterkämpfen mit List und Kreativität

    Aus Rendez-vous vom 9.10.2014

    Während fast zwei Wochen behinderten Demokratie-Aktivisten in der Finanzmetropole Hongkong Verkehr und Geschäftsleben. Seit zwei Tagen ist es ruhiger geworden auf den Strassen.

    Auch Benny Tai, Rechtsprofessor und Mitbegründer der Occupy-Bewegung glaubt mittlerweile nicht mehr an einen schnellen Erfolg.

    Urs Morf

  • Solidaritätsbekundungen für die Protestbewegung auf tausenden von bunten Post-it-Zetteln an einer Wand in Sidney. Ob die Bevölkerung in Peking ebenso gut informiert ist, ist fraglich.

    Pekings Ängste vor den Protesten in Hongkong

    Aus Rendez-vous vom 30.9.2014

    In Hongkong harren Zehntausende DemonstrantInnen auf den Strassen aus. Die Proteste sollen andauern, bis ihre Forderungen nach mehr Demokratie erfüllt sind. Wissen die Chinesinnen und Chinesen auf dem Festland, dass in Hongkong für mehr demokratische Rechte protestiert wird?

    Urs Morf