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Humanitäre private Hilfe Die «Aquarius» ist immer noch im Mittelmeer

Italien lässt das private Rettungsschiff nicht anlegen. Wie es mit den Menschen darauf weitergeht, ist offen.

Legende: Audio Italien und das Flüchtlingsschiff: Harte Haltung ist umstritten abspielen. Laufzeit 4:35 Minuten.
4:35 min, aus SRF 4 News aktuell vom 12.06.2018.

Worum geht es? Vor der Küste Italiens und Malta dümpelt seit Samstag ein privates Rettungsschiff mit 629 Flüchtlingen und Migranten an Bord vor sich hin. Italien verbietet dem Schiff, in einem italienischen Hafen anzulegen. In der Zwischenzeit hat Spanien angeboten, das Schiff im Hafen von Valencia landen zu lassen. Die Besatzungscrew sagt allerdings, es sei nicht möglich, dorthin zu fahren, da die Vorräte nicht ausreichten und die Menschen rasche Hilfe benötigten. Neben Schwangeren sind auch kleine Kinder und unbegleitete Minderjährige an Bord.

Warum darf das Schiff nicht anlegen? Dieser Entscheid sei durch den neuen italienischen Innenminister, Matteo Salvini von der Lega gefällt worden, sagt Franco Battel, SRF-Korrespondent in Rom. «Salvini wirft den privaten Rettungsschiffen vor, eine Art Taxidienst über das Mittelmeer zu leisten», so Battel.

Was steckt dahinter? Schon im Wahlkampf habe Salvini seinen Wählern versprochen, weniger Flüchtlinge und Migranten ins Land zu lassen, sagt Battel. Auf diese Weise versuche er, einen Teil der Flüchtlinge im Mittelmeer in andere Länder zu bringen. Salvini hat diese Massnahme auch für weitere private Rettungsschiffe angekündigt. Ein weiteres Schiff einer privaten Rettungsorganisation, das auf hoher See Flüchtling und Migranten rettet, ist die Seawatch. «Mit der Seawatch werden wir das Gleiche erleben wie nun mit der Aquarius», prophezeit der SRF-Korrespondent.

Italiens Angebot: Im Sinne eines Kompromisses hat die Regierung angeboten, dass zwei Drittel der Leute auf hoher See auf italienische Rettungsschiffe umsteigen sollen und von diesen dann nach Valencia gebracht würden. Die «Aquarius» würde mit dem Rest der Menschen an Bord ebenfalls nach Valencia fahren.

Italienische Rettungsschiffe: Italienische Rettungsschiffe legen nach wie vor in den Häfen Italiens an, das heisst konkret, in Sizilien landen nach wie vor Flüchtlinge und Migranten aus Afrika. Es gehe Salvini explizit um die privaten Schiffe, sagt Battel.

Was sagt der Koalitionspartner dazu? Beim Movimento Cinque Stelle, der Partner der Lega in der Regierung, zeichne sich eine Zerreissprobe ab, sagt der SRF-Korrespondent. «Diese Partei hat einen rechten und einen linken Flügel und sie ist in dieser Frage alles andere als geeint.» Von der linken Seite sei Kritik an der Aktion geäussert worden. Auch die katholische Kirche hat harsche Kritik an Italiens Vorgehen geäussert.

Die Lega und Forza Italia: Von der rechten Seite des Parteispektrums wird die Aktion begrüsst. Damit werde ein wichtiges Zeichen gesetzt, so die Vertreter der Lega.

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87 Kommentare

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  • Kommentar von Beat. Mosimann (AG)
    Können SIe mir erklären wieso das Seetaugliche Schiff nicht rechts umkehrt, nach Libyen zurückkehrt? Selbstverständlich mit ärztlicher Versorgung. Haben SIe an die nächste Generation gedacht in EU und CH? Wo bleibt die Kreativität im Politikum?
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    1. Antwort von Hanspeter Müller (HPMüller)
      Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein Schiff freiwillig in ein Kriegsgebiet fährt mit dem Risiko ausgeraubt und getötet zu werden. Sie?
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  • Kommentar von Christa Wüstner (Saleve2)
    SOS Mediterranee ist eingetragen in Berlin. Eswar ein Vermessungsschiff auf Rügen und wird ausschliesslich durch priv. Spenden finanziert. Es ist eine deutsch-französ .-ital. und schweizerische Seenotrettungsorganisation gegründet von einem deutschen Kapitän Vogel. Sie fährt unter der Flagge von Gibraltar. Seit 2016 sind auch Die Ärzteohne Grenzen dabei. Wer die Spender sind konnte ich nicht herausfinden.
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  • Kommentar von Ernst von Allmen (MEVA)
    Herr Müller Zu Ihrem Text vom 12. 06 Natürlich erhalten diese freiwilligen Rettungs Schiffe Spendengeldern, aber die Frage ist von wem? Sind es wirklich nur Solidarische Millionen Spenden, oder vielleicht geheime Gelder von EU Länder, oder was auch angetönt wird, Kriminell Gelder? Im übrigen glaube ich nicht dass der Italienischen See Rettungs Dienst, die Rettung mehr oder weniger vor organisiert, und dann das Anlegen in Italienische Häfen verweigert
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