Zum Inhalt springen

International Hunderte Flüchtlinge stürmen Grenze zu Spanien

Der Weg dahin ist strapaziös, die Zäune am Ziel meterhoch: Fast täglich versuchen afrikanische Flüchtlinge, die Grenzanlagen der spanischen Exklave Melilla zu überwinden. Rund 500 Afrikanern ist dies nun gelungen – doch der Traum vom besseren Leben endet für sie vorerst in einem Flüchtlingslager.

Beim grössten Massenansturm auf Melilla sind etwa 500 afrikanische Flüchtlinge in die spanische Nordafrika-Exklave gelangt – versucht hatten es etwa 1000 Afrikaner, wie die Behörden schätzten. Sie alle wollten von Marokko aus auf spanisches Gebiet gelangen.

Die Flüchtlinge nutzten den dichten Nebel, der über der Stadt an der nordafrikanischen Mittelmeerküste lag und den Polizeibeamten auf beiden Seiten der Grenze die Sicht nahm.

Der Präfekt von Melilla, Abdelmalik El Barkani, hielt den Flüchtlingen vor, sehr gewaltsam gegen die Grenzbeamten vorgegangen zu sein. Auf beiden Seiten der Grenze habe es Verletzte gegeben. Etwa 30 Flüchtlinge wurden vom Roten Kreuz wegen Schnittverletzungen behandelt, die sie beim Überklettern der Grenzzäune erlitten hatten.

Beim Anblick der einströmenden Afrikaner hatte man den Eindruck, eine Armee ziehe in die Stadt ein.
Autor: Juan José ImbrodaChef der Stadtregierung von Melilla

Nach dem Erreichen spanischen Gebiets zogen die – überwiegend aus Mali stammenden – Afrikaner mit Triumphgesängen zum Aufnahmelager. Das für weniger als 500 Flüchtlinge angelegte Camp beherbergt nach Angaben der Behörden nun etwa 1900 Menschen. Zur Unterbringung der Neuankömmlinge wurden Zelte aufgestellt.

«Das kann nicht so weitergehen», sagte der Chef der Stadtregierung von Melilla, Juan José Imbroda. «Es müssen drastische Entscheidungen getroffen werden. Beim Anblick der einströmenden Afrikaner hatte man den Eindruck, eine Armee ziehe in die Stadt ein.»

Spanien wendet sich an die EU

Der bislang grösste Flüchtlingsansturm auf Melilla war im Oktober 2005 registriert worden. Damals waren 350 Afrikaner in die Stadt gelangt. Spanien liess damals die Befestigungen an der Grenze zu Marokko ausbauen und die Grenzzäune erhöhen.

Nach dem jüngsten Ansturm kündigte Madrid eine Verstärkung der Polizeikräfte in Melilla an. Innenminister Jorge Fernández Díaz forderte die EU auf, sich verstärkt am Kampf gegen die illegale Immigration zu beteiligen. Spanien könne das Problem, das auf die grossen Unterschiede im Lebensstandard zwischen Afrika und Europa zurückgehe, nicht allein bewältigen.

Zehntausende Afrikaner warten auf Chance

Die Massenanstürme auf die spanischen Exklaven Ceuta und Melilla hatten in den vergangenen Monaten deutlich zugenommen. In den ersten zweieinhalb Monaten dieses Jahres überwanden mehr als 1000 Flüchtlinge aus Ländern südlich der Sahara die Grenzzäune von Melilla. Das sind nach Erhebungen der Zeitung «El País» etwa ebenso viele wie im gesamten Jahr 2013.

Nach Informationen des Ministers warten in Marokko und Mauretanien etwa 80'000 Afrikaner auf eine Gelegenheit, nach Spanien zu gelangen. Hilfsorganisationen bezeichneten diese Zahl als übertrieben.

Ein Stück Spanien vor Afrika

Melilla ist eine spanische Stadt, die auf einer Halbinsel an der nordafrikanischen Küste liegt. Sie grenzt an Marokko und an das Mittelmeer und bildet somit eine Exklave. Die Stadt ist von bis zu 6 Meter hohen Grenzbefestigungen umgeben.

5 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Heiri Schnüriger, Muotathal
    @anni: ihr zynismus ist wohl kaum zu toppen. schämen sie sich! @Bluemer/limacher: Spanien war einst Kolonisationsmacht in diesem Raum (u.a. gesamte Westsahara, die heute zu 2/3 von Marokko durch eine minenverseuchte 2700km (!) lange Mauer geschützt ist (damals unterstützt durch Spanien), obwohl 1976 in die Unabhängigkeit entlassen). Meine Frage: Ich sehe nur Männer, wo sind die Frauen und Kinder? Und warum "Afrikaner"? Fast schon hegemoniell anmutende Undifferenziertheit, diese Ausdrucksweise.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von h. anni, zürich
    Ganz einfach Malilla an die Afrikanischen Länder zurückgeben, die spanischen Einwohner, falls erwünscht, nach Spanien zurückholen und es braucht keine Zäune mehr. Problem erledigt.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von F. Limacher, Zürisee
    Genau !Doiese Frage ist mehr als nur berechtigt !
    Ablehnen den Kommentar ablehnen