Abschlussbericht liegt vor Hunderte Missbrauchsopfer bei Regensburger Domspatzen

  • Mindestens 547 Chorsänger der Regensburger Domspatzen sind Opfer von körperlicher und sexueller Gewalt geworden.
  • Vor allem in der Vorschule, aber auch im Gymnasium der Domspatzen im weltberühmten bayerischen Knabenchor sei es zu Gewalt gegen Schüler gekommen
  • Die Betroffenen sollen mit jeweils bis zu 20'000 Euro entschädigt werden.

Mindestens 547 Chorsänger der Regensburger Domspatzen sind Opfer von körperlicher und sexueller Gewalt geworden. Das geht aus dem Abschlussbericht zum Missbrauchsskandal in dem weltberühmten deutschen Knabenchor hervor. Vor allem in der Vorschule, aber auch im Gymnasium der Domspatzen im bayerischen Regensburg sei es zu Gewalt gegen Schüler gekommen, sagte der mit der Aufklärung beauftragte Rechtsanwalt Ulrich Weber.

Mann mit Bericht in der Hand vor Mikrifonen

Bildlegende: Ulrich Weber präsentiert den Abschlussbericht zu den Missbrauchsfällen. Keystone

Traditionsgemäss bilden den Regensburger Domchor Knaben- und Männerstimmen, die das hauseigene Musikgymnasium besuchen. Betroffene hätten ihre Schulzeit als «Gefängnis, Hölle und Konzentrationslager» bezeichnet. Viele schilderten die Jahre als «schlimmste Zeit ihres Lebens, geprägt von Angst, Gewalt und Hilflosigkeit». Die Untersuchung umfasst Fälle zwischen 1945 und Anfang der 1990er-Jahre.

Die Betroffenen sollen mit jeweils bis zu 20'000 Euro entschädigt werden. Bekanntgeworden waren die ersten Fälle im Jahr 2010. Viele der Opfer hoffen, mit dem Abschlussbericht einen Strich unter das Kapitel ziehen zu können.

Amtierender Bischof trieb Aufklärung voran

Bischof Rudolf Voderholzer hat seit Beginn seiner Amtszeit in Regensburg Anfang 2013 die Aufklärung des Skandals massgeblich vorangetrieben. «Ich kann es nicht ungeschehen machen und die Opfer nur um Vergebung bitten», sagte er im vergangenen Herbst.

Voderholzers Vorgänger als Bischof von Regensburg, Kardinal Gerhard Ludwig Müller, war wiederholt vorgeworfen worden, die Aufklärungsarbeit behindert zu haben. Nach Bekanntwerden des Skandals hatte er gesagt, der Missbrauch durch Priester sei von Medien aufgebauscht worden. Müller wehrte sich gegen den Verdacht, der Aufklärung entgegengestanden zu haben. Anfang Juli war er von Papst Franziskus als Leiter der Glaubenskongregation im Vatikan mit dem Ende seiner fünfjährigen Amtszeit entlassen worden.