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International Hunderttausende zum Gedenkmarsch in Paris erwartet

Eine ausserordentliche Krise erfordert ein aussergewöhnliches Zeichen: Am Sonntag werden zum Gedenkmarsch für die Opfer der Terroranschläge in Frankreich eine Millionen Menschen erwartet. Ganz Europa steht zusammen: Präsidenten, Premiers und Hunderttausende Menschen haben sich angemeldet.

Der Schock über die drei Tage des Terrors sitzt nicht nur in Frankreich tief. Ganz Europa ist erschüttert. Doch die Menschen ziehen sich nicht zurück – sie strömen zu Hunderttausenden auf die Strassen des Kontinents und sagen immer wieder: «Je suis Charlie, nous sommes Charlie» (Ich bin Charlie, wir sind Charlie).

Die Menschen wollen sich durch die brutale Gewalt der islamistischen Attentäter nicht unterkriegen lassen. Geeint stehen sie für eine freiheitliche Gesellschaft mit Meinungs- und Pressefreiheit ein.

Tausende demonstrieren bereits am Samstag

In Frankreich sind am Tag vor dem grossen Gedenktag für die Opfer des Terrors wieder 700'000 Menschen auf die Strasse gegangen.

Auch in der deutschen Stadt Dresden haben heute 35‘000 Menschen demonstriert. Diesmal nicht unter der Flagge der Pegida. Im Gegenteil: Die Menschen haben für Weltoffenheit und Mitmenschlichkeit demonstriert. Sie wollten aber auch ein Zeichen gegen die islamkritische Pegida-Bewegung setzen.

Im Norden Deutschlands, in der Hansestadt Lübeck, haben ebenfalls Hunderte Menschen demonstriert. Auch dort hielten die Teilnehmer Schilder mit der Aufschrift «Je suis Charlie» in den Händen. Zu sehen war auch in Lübeck der Slogan «Ich bin Charlie, aber nicht Pegida».

Welle der Solidarität – europaweit

Betroffen sich auch die Menschen hierzulande. Viele Menschen solidarisieren sich mit den Franzosen, wollen für die freie Meinungsäusserung einstehen, die Presse, den Humor und das Recht, karikieren zu dürfen. Auch sie sind Charlie.

Getragen von dieser Welle internationaler Solidarität gedenkt Frankreich an diesem Sonntag mit einem «Marche Républicaine» (republikanischen Marsch) der 17 Opfer der islamistischen Anschläge von Paris. Eine Million Menschen werden erwartet. Denn bei aussergewöhnlichen Krisen sind aussergewöhnliche Zeichen gefragt.

Viele Regierungschefs, unter ihnen Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga, die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel und Grossbritanniens Premier David Cameron sowie der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu und Palästinenserpräsident Mahmud Abbas, werden sich in Paris einfinden. Aber auch der ukrainische Präsident Petro Poroschenko und der russische Aussenminister Sergej Lawrow sollen am Sonntag nach Paris reisen. Insgesamt reisen Spitzenpolitiker aus über 20 Staaten an.

Denn der Schock über die tagelangen, bürgerkriegsähnlichen Szenen im Grossraum Paris sitzen den Europäern tief in den Knochen. Sie stehen in dieser Krise auch deshalb zusammen, weil sie wissen, dass sie den Kampf gegen islamistische Terroristen allein nicht gewinnen können. Experten schätzen, dass 3000 bis 5000 Kämpfer in Syrien, Irak und anderen Krisenregionen aus Europa stammen. Vor extrem gewaltbereiten Rückkehrern wird schon seit längerem gewarnt.

Route zwischen Place de la République und Place de la Nation

Der Solidaritätsmarsch soll nach vorläufigen Planungen am Nachmittag zwischen dem Platz der Republik und dem Platz der Nation im Osten der französischen Hauptstadt über mindestens zwei Strecken führen. Die Strecke ist etwa dreieinhalb Kilometer lang.

Damit laufen die Teilnehmer nur zwei Blocks entfernt vom Ort des Attentats auf die Redaktion von «Charlie Hebdo» vorbei. Innenminister Bernard Cazeneuve kündigte für die Veranstaltung höchste Sicherheitsmassnahmen an.

Tage des Terrors

Das Drama beginnt am Mittwoch mit dem Anschlag auf «Charlie Hebdo» in Paris. Danach gilt für den Raum Paris die höchste Terrorwarnstufe. 88'000 Polizisten suchen die Täter, kesseln sie ein. Am Freitag dann überschlagen sich die Ereignisse. Eine Zusammenfassung der dramatischen Geschehnisse finden Sie hier.

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38 Kommentare

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  • Kommentar von Christa wüstner, Reinach
    Ob die Demonstration ein Zeichen setzt ist abzuwarten. Was für mich im Vordergrund steht, ist das Risiko welches eingegangen wird. Wie will man so viele Menschen schützen.? Die Verantwortung kann keiner übernehmen, dass nichts passiert. Ich jedenfalls sehen einen grossen Gefahrenherd dabei.
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  • Kommentar von Franz NANNI, Nelspruit SA
    Last Worten Taten folgen!!!! BitteBitteBitte! Ich fuerchte, man geht zu einem Trauer- und Protest-Marsch, und anschliessend nach Hause, man hat sich gezeigt, aber getan wird weiter NICHTS... wetten...!!!
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  • Kommentar von M. Roe, Gwatt
    Ich würde sagen, dass so ein Treffen doch eher "blauäugig" ist. Müssen denn wirklich all die wichtigen Politiker nach Paris reisen. Unsere resp. deren tiefe Trauer und das Mitgefühl hätte auch in anderer Form gezeigt werden können. Wenn hier oder sonst wo einem Teilnehmer etwas passiert würde dies die fahrlässige Islamergebenheit all dieser Länder widerspiegeln. Ein solches Risiko darf nicht einmal ein wichtiger Konzern eingehen.
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