«Hungersnöte sind Folgen des Scheiterns der Politik»

In nicht mal zwei Jahren sind in Somalia 258‘000 Menschen gestorben – weil sie nicht genug zu essen hatten. Schuld daran ist nicht etwa die Natur, sondern die Politiker, sagt der Direktor einer Hilfsorganisation.

Somalier stehen im Jahr 2011 vor einem kleinen Bündel Stoff, vermutlich liegt darin ein totes Kind.

Bildlegende: Sterben vor Hunger: Realität in Somalia. Keystone

«Hungersnöte sind keine Naturphänomene, sondern Folgen von katastrophalem Scheitern der Politik», betonte Senait Gebregziabher. Er ist Direktor der britischen Hilfsorganisation Oxfam im kenianischen Nairobi.

Das Ergebnis des Scheiterns der Politik: Etwa 258‘000 Hungertote – und das in nicht mal zwei Jahren, nämlich von Oktober 2010 bis April 2012.

Fast die Hälfte der Opfer seien Kinder unter fünf Jahren gewesen, sagte der UNO-Nothilfe-Koordinator für Somalia, Philippe Lazzarini in Nairobi. Er bezog sich auf Berichte der UNO-Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation sowie der Organisation Famine Early Warning Systems Network. Die Zahl der Toten sei mehr als doppelt so hoch wie zuvor geschätzt.

Dürre und Bürgerkriege

Die UNO hatte am 20. Juli 2011 offiziell eine Hungersnot für einige Regionen Somalias ausgerufen. «Wir hätten schon vor der Erklärung einer Hungersnot mehr tun sollen», sagte Lazzarini. Wie andere Länder am Horn von Afrika litt Somalia unter einer extremen Dürre. Über 13 Millionen Menschen waren davon betroffen.

Im Februar erklärte die UNO die Hungersnot offiziell für beendet, Hunger und Dürre dauerten an. Somalia leidet seit vielen Jahren unter Dürren und einem blutigen Bürgerkrieg.