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Sozialisten-Vorwahl Frankreich «Ihr grösstes Handicap ist Hollande»

Die sozialistischen Bewerber für das Elysée stehen im Schatten Hollandes und mussten sich im ersten Fernsehduell unbequeme Fragen zu seiner Bilanz gefallen lassen. Profiliert habe sich dabei keiner von ihnen, sagt Korrespondent Rudolf Balmer.

Legende: Video Linke auf der Suche nach Kandidaten abspielen. Laufzeit 1:54 Minuten.
Aus Tagesschau vom 13.01.2017.

SRF News: In anderthalb Wochen finden die Vorwahlen der Sozialisten und ihrer Verbündeten statt. Gestern Abend war das erste Fernsehduell ihrer Kandidaten. Wer hat sich am besten geschlagen?

Rudolf Balmer: Es ist schwierig, bereits einen Sieger festzustellen. Die Medien in Frankreich waren der Meinung, alle sieben Kandidierenden hätten Mühe gehabt, sich zu profilieren. Wenn es einen Sieger gibt, dann am ehesten noch den früheren Premier Manuel Valls. Er hatte einen schweren Stand, da er als ehemaliger Regierungschef für die gegenwärtige Politik mitverantwortlich ist. Valls zog sich aber gut aus der Affäre und bestätigte damit seinen Favoritenstatus bei den Vorwahlen der Sozialisten.

Wie ist die Ausgangslage der sieben Kandidierenden?

Fünf von ihnen waren Minister unter François Hollande und sind damit eng mit der Bilanz des aktuellen Präsidenten verbunden. Das erschwert es ihnen, sich voneinander abzugrenzen. In der ersten TV-Debatte hatte man den Eindruck, dass sie sehr vorsichtig waren und nicht mit gegenseitigen Angriffen den Eindruck erwecken wollten, dass sie nur auf diese Gelegenheit gewartet hätten, um aufeinander herumzuhacken. Beim Thema Terrorismus und Sicherheit stellten sie sich einhellig hinter die Politik Hollandes.

Wenn es einen Sieger gibt, dann am ehesten noch den früheren Premier Manuel Valls

Was tun die sieben Kandidaten, um aus dessen Schatten zu treten?

Sie können auf jeden Fall nicht über diesen Schatten springen. Hollandes Bilanz war in den Fragen der drei angriffigen Journalisten ein Hauptthema. Alle sieben Kandidaten versuchten, sich mehr oder weniger deutlich davon abzugrenzen. Arnaud Montebourg und Benoît Hamont kritisierten vor allem die Arbeitsrechtsreform. Manuel Valls, der bis vor anderthalb Monaten noch Premier war, distanzierte sich am wenigsten von Hollande. Er ist ganz klar der Kandidat der Kontinuität.

Das grosse Handicap bleibt für die Bewerber die Bilanz von Präsident François Hollande.

An den bürgerlichen Vorwahlen im November haben sich über vier Millionen Menschen beteiligt. Werden die Vorwahlen der Sozialisten am 22. Januar denselben Anklang finden?

Das ist zu bezweifeln. Die gegenwärtigen Meinungsumfragen lassen darauf schliessen, dass die Sozialisten zu den Verlieren der Präsidentenwahl gehören werden. Das mindert natürlich das Interesse der breiteren Öffentlichkeit. Und die gestrige Debatte, in der weder neue programmatische Versprechen noch neue Vorschläge gemacht wurden, hat das Interesse an den Vorwahlen wohl auch nicht steigern können. Der künftige Kandidat der Sozialisten gilt heute als Ferner-liefen-Kandidat der Präsidentenwahl und ist auch auf der linken Seite bereits mit Konkurrenten wie Jean-Luc Mélenchon von der Linkspartei und dem unabhängigen Sozialliberalen Ex-Minister Emmanuel Macron konfrontiert. Das grosse Handicap bleibt für die Bewerber jedoch die Bilanz von Präsident François Hollande. Darum kommen alle sieben Kandidaten einfach nicht herum.

Rudolf Balmer

Rudolf Balmer

Der Journalist Rudolf Balmer berichtet für deutschsprachige Medien aus Paris über französische Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Darunter auch für SRF.

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6 Kommentare

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  • Kommentar von m. mitulla (m.mitulla)
    Hollande ist wahrscheinlich sogar einer der meistgehassten Personen in Frankreich. Der Grund ist seine freundschaftliche Nähe zu Frau Merkel - und der damit verbundene Zustrom von Armutsmigranten. Viele Franzosen machen dafür Merkel und Hollande verantwortlich.
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  • Kommentar von Christian Szabo (C. Szabo)
    Endlich einmal ein Titel, der die Situation knapp und prägnant beschreibt. Den Sozialisten bleibt höchstwahrscheinlich nur noch der Part, die Republikaner zu unterstützen, damit sie im 2. Wahlgang gewählt werden.
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  • Kommentar von Cherubina Müller (Fabrikarbeiterin)
    Hollande steuerte mit seinen Landsmännern europaweit am meisten IS-Kämpfer bei; ob gewollt, unfreiwillig oder duldend, spielt dabei keine Rolle, es zählen die Fakten. Ausserdem gelangten Frankreichs Waffenlieferungen nach Syrien in die Hände der Terrorgruppe Jabhat al-Nusra. Wer sich hinter diese Politik der Unterstützung religiös-konservativer Strömungen und Gruppen stellt, welche dann zurück nach Europa kommen um auch hier Terror zu verbreiten, kann unmöglich ein Sozialist sein...
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