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International IKRK-Mitarbeiter vor Ort: «Wir fordern Zugang zum Camp»

Die Zustände im Flüchtlingslager Jarmuk in Damaskus übersteigen alle Vorstellungen. Das von der Terrormiliz IS kontrollierte Gebiet gilt als «Todeslager». Das IKRK hat derzeit keinen Zugang. Ein Mitarbeiter vor Ort fordert alle Parteien auf, den Helfern ungehinderten Zugang zu verschaffen.

Legende: Video «Die Lage verschlechtert sich Stunde um Stunde» abspielen. Laufzeit 4:32 Minuten.
Aus 10vor10 vom 10.04.2015.

Das palästinensische Flüchtlingslager Jarmuk ist seit dem Sommer 2013 in einem Belagerungszustand. Verantwortlich dafür ist seit langem das syrische Regime, nachdem militante Gruppen eingedrungen waren. Dazu kamen vor geraumer Zeit weitere bewaffnete Milizen, darunter die Terrororganisation Islamischer Staat (IS).

Die Menschen in Jarmuk seien gefangen und ohne Wasser und Lebensmittel, berichtet Chris Gunness, Sprecher des UNO-Hilfswerks für Palästinenser (UNWRA). Zu gross sei die Angst, die Häuser zu verlassen, um sich mit dem Allernotwendigsten zu versorgen: «Es gibt Berichte über Bombardements und auch in den Strassen wird gekämpft.»

Kein Zutritt für Helfer und Journalisten

Häuser-Ruinen, Schutt.
Legende: Flüchtlingslager Jarmuk: Nach zweijährigen Angriffen des Assad-Regimes herrscht jetzt die Terrormiliiz IS. Keystone

«Die Lage ist jenseits unserer Vorstellung», unterstreicht Gunness die Worte von UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon, der Stunden zuvor von einem drohenden Massaker an den Zivilisten sprach.

Umar Phiri ist Mitarbeiter beim Internationalen Komitee vom Roten Kreuz (IKRK). Er befindet sich derzeit in Damaskus, wenige Kilometer vom Lager entfernt. Selbst die Helfer des IKRK haben derzeit keinen Zutritt.

Im Interview mit SRF sagt er: «Wir fordern sofortigen Zugang zum Camp, weil dort Menschenleben auf dem Spiel stehen und die Bevölkerung dringend Hilfe braucht. Stunde um Stunde verschlechtert sich ihre Lage. Es ist wichtig, dass dort endlich Hilfsgüter und Medikamente ankommen.» Alle beteiligten Parteien müssten ihre Zustimmung geben, damit die Helfer den eingeschlossenen Flüchtlingen rasch und ohne Gefahr helfen könnten, so der IKRK-Mitarbeiter.

Ruf nach sofortiger Waffenpause

Wie es im Lager genau ausschaut, kann man nur mutmassen. Die einzigen Bilder aus dem Camp stammen von der dem IS nahestehenden Agentur Amaq News. Sie zeigen Kämpfer des IS im Zentrum von Jarmuk. Die Echtheit lässt sich aber nicht überprüfen. Berichte, wonach die IS-Terrormiliz den grössten Teil des Lagers kontrolliere, hält Chris Gunness für möglich. Unter den 18'000 Eingeschlossenen seien auch 3500 Kinder.

«Diese Schwächsten und Verwundbarsten wie auch alle Zivilisten müssen so schnell wie möglich gerettet werden», fordert Gunness. Dazu brauche es eine sofortige Waffenpause und einen Zugang für die UNWRA, um die Menschen mit Medikamenten und Lebensmitteln zu versorgen. Wer das Lager verlassen wolle, müsse gehen können. «Man hat dem Drama schon viel zu lange zugeschaut», stellte Gunness fest.

Mit diesem Appell war UNWRA-Chef Pierre Krähenbühl kürzlich im UNO-Sicherheitsrat vorgestossen. Sein Aufruf richtete sich an alle beteiligten Parteien, die auf das Geschehen in Jarmuk Einfluss haben. Dies gelte insbesondere auch für die Geldgeber und Sponsoren der jeweiligen Milizen wie auch des syrischen Regimes.

11 Kommentare

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  • Kommentar von B. Kerzenmacher, Frauenfeld
    In Syrien, Jemen und auch bei PKK vs Türkei begehen alle Parteien Gräueltaten. Es gibt hier keinen Akteur mehr der als Partner für internationale Institutionen in Frage kommt. Es herrscht dort eine Kultur kompromisslosen Kampfes jeder gegen eden. Immer sind die anderen schuld und man selbst kann alles machen was man will. Wie soll da irgendjemand ausser Gott, der sich aber nie blicken lässt, eingreifen? Wenn man nicht selbst auf die Idee kommt, dass es so nicht geht, dann ist alles vergebens.
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    1. Antwort von B. Kerzenmacher, Frauenfeld
      Teil 2) Es ist ein seltsamer Denkfehler dort aber auch hier, den Westen als allmächtig zu betrachten, der nur wollen muss, um alle Probleme zu lösen. Das ist aber nicht so. Irgendetwas in der Sozialisation der Menschen im Mittleren Osten läuft schon lange schief. Es gibt keinen Respekt für andere Gruppen, keine Einsicht in das was man Kompromiss nennt.
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  • Kommentar von C. Szabo, Thal
    Der Aufbau neuer Truppenkonzepte ist eine Warnung an die Gegner der USA. Die NATO will gegen innen und aussen Zusammengehörigkeit demonstrieren und sich auf eine neue Kriegsführung vorbereiten. Moderne Waffentechnik, IT-Störmanöver, Propaganda etc. werden in der Zukunft noch wichtiger als früher. Die grossflächige Zerstörung der Infrastruktur des Gegners könnte verkleinert werden und so der Schaden für den Wiederaufbau minimiert werden. Gut für Wirtschaft und Gewinn: Ziel jeder Weltmacht!!
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  • Kommentar von P.Fetz, Zürich
    Die ganze Welt schaut nur zu, keiner hilft! Warum gibt es kein Oel unter dem Lager, dann würde der Westen mit den neusten Waffen die IS schlagen!
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