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International «Im syrischen Horror ist Jarmuk die tiefste Hölle»

Mit drastischen Worten hat UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon die Lage im Flüchtlingslager Jarmuk beschrieben. Der von Exil-Palästinensern bewohnte Stadtteil von Damaskus wird zurzeit von der Terrormiliz IS kontrolliert. Palästinensische Milizen und die syrische Armee holen zum Gegenschlag aus.

Das von der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) unter Kontrolle gebrachte Flüchtlingslager Jarmuk im Süden der syrischen Hauptstadt Damaskus entwickelt sich laut UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon zu einem «Todeslager»: «Im syrischen Horror ist das Flüchtlingslager Jarmuk die tiefste Hölle», sagte Ban mit ungewöhnlich drastischen Worten vor Journalisten in New York.

Wir können nicht einfach dastehen und zusehen, wie sich ein Massaker zuträgt. Wir dürfen die Menschen in Jarmuk nicht aufgeben.
Autor: UNO-Generalsekretär Ban

Die rund 16'000 Menschen in dem Lager, darunter rund 3500 Kinder, würden als «menschliche Schutzschilde» missbraucht, sagte Ban weiter. Das Ganze sei eine «humanitäre Katastrophe von epischem Ausmass». Die Situation in dem Lager müsse dringend stabilisiert werden, forderte Ban. «Wir können nicht einfach dastehen und zusehen, wie sich ein Massaker zuträgt. Wir dürfen die Menschen in Jarmuk nicht aufgeben.»

Schwere Kämpfe und Artilleriebeschuss

Seit einigen Tagen kontrolliert die Terrormiliz IS das palästinensische Flüchtlingslager. Die Palästinenser leisten Widerstand. Nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte haben sich Palästinensische Milizen im Flüchtlingslager Jarmuk am südlichen Stadtrand von Damaskus schwere Kämpfe mit der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) geliefert. Syrische Regimekräfte hätten die islamistischen Extremisten zugleich mit Artillerie beschossen.

Ein Menschenstrom inmitten zerstörter Häuser
Legende: Tausende Menschen warten auf Hilfslieferungen der UN. Im Bild eine Aufnahme von Ende Januar. Keystone

IKRK schliesst sich Appell an

In einem dringenden Appell hat auch das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) humanitäre Hilfe für Jarmuk gefordert. Mit dem Ausbruch der neuesten Kämpfe habe sich die Lage weiter verschlechtert, erklärte das IKRK. Die Menschen bräuchten sofort Hilfe. Sie litten seit Monaten an einem Mangel an Wasser, Nahrung und medizinischer Versorgung.

Die Menschen sind weitgehend von der Aussenwelt abgeschnitten. Nur sehr wenige Lieferungen könnten das Lager erreichen, sagte der Leiter der Hilfsorganisation Jafra Foundation. Die syrische Regierung hatte die Blockade des Lagers 2013 begonnen, nachdem dort Rebellen Fuss gefasst hatten. Dutzende Menschen starben seitdem laut Menschenrechtlern an Hunger und Durst.

In dem Lager im Süden von Damaskus leben noch rund 16'000 von einst etwa 150'000 Palästinensern. Dabei handelt es sich um Flüchtlinge aus dem arabisch-israelischen Krieg 1948 und um deren Nachkommen.

18 Kommentare

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  • Kommentar von C. Szabo, Thal
    Die Struktur und das effektive Vorgehen der IS deutet auf eine höchst professionelle "Ausbildung" der Kämpfer. Dazu sind wenige Staaten fähig, ohne dass die USA das merken würden. Da sowohl RU, CN, IN nicht in Frage kommen, bleiben nur noch westlich Orientierte. Und wer ist "the winner" ? Finanzierer des Ganzen könnten sunnitische Oel-Staaten gewesen sein. Die Operationen der IS verselbstständigten sich wegen ihres Erfolgs. Assad konnte trotz des brutalen Vergehens nicht gestürzt werden.
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  • Kommentar von Erwin Jenni, Ottikon
    Ja, da wundert man sich über die Kommentarschreiber hier auf SRF-Online, welche beim Vorgehen Israels im Gazastreifen dauernd scharfe Kritik übten, (Kinder als Schutzschilde der Hamas) hier sich nicht genauso stark gegen das Vorgehen der IS beschweren? Merken wir denn nicht, dass wenn wir Israel dauernd dafür kritisieren, weil sie gegen mörderische und skrupellose Islamisten kämpfen, uns hier im Westen nicht selber schaden?
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  • Kommentar von e. Röthlisberger, Gerolfingen
    Die UNO verurteilt wie immer aufs SCHÄRFSTE. Wo sind die Taten? Ausser Spesen nichts gewesen.
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    1. Antwort von Christa wüstner, Reinach
      Herr Röthlisberger genau diese Worte gebrauchte ich in einen der letzten Artikel. Und das ist einfach Tatsache und Ban Ki Moon kann Entscheidungen nur bringen , wenn die gesamte UNO hinter ihm steht. Es werden von gewiss. Staaten ständig Vetos eingelegt. Ein etwas trauriger Haufen diese UNO.
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