Im Training mit U.S. Marines: Bei Teufelshunden und Ledernacken

Sie gelten als härteste Militärtruppe der Welt: Die U.S. Marines sind vor allem dort, wo gekämpft und geschossen wird, also meistens dort, wo es um Leben und Tod geht. Sie zählen zu den Eliteeinheiten und werden in einem strapaziösen Training ausgebildet.

Im Trainingslager der Marines-Schule im US-Bundesstaat Virginia fällt etwas sofort auf: Hier dominieren die Superlative. In Quantico, mitten im Grünen am Flussufer des Potomac, ist alles nur vom Feinsten. «Es ist Amerikas beste Schule, geführt von den Besten, um die beste Kampftruppe der Welt zu formen», schwärmt der kommandierende Offizier, Oberst Christian Wortman.

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Marines trainieren an Artilleriekanone (Kamera: Emil Moldoveanu)

0:14 min, vom 3.8.2015

1800 junge Männer und Frauen werden hier jährlich in sieben Kompanien zu Marines gemacht. Zuerst in einem zehnwöchigen Auswahlverfahren, danach im sechs Monate dauernden Training. Jedes Jahr nehmen auch etwa 25 Ausländer daran teil. Die Amerikaner werden danach als frischgebackene Marines an die Spezialschulen geschickt, um zum Beispiel Flieger zu werden oder zur Artillerie zu gehen.

Die saubere Bedienung der Kriegsartillerie

Auf dem idyllisch gelegenen Gelände der Militärschule knallt und raucht es manchmal mächtig. An drei Kanonen üben Rekruten die saubere Bedienung der Kriegsartillerie.

In der Grundausbildung lernen sie aber nicht nur den Umgang mit Maschinengewehren und Raketenabschussgeräten. Wichtig in der Ausbildung ist auch die mentale und physische Fitness. Das heisst, sich einem strengen Kommando unterwerfen, körperlich und geistig über die Grenzen hinaus gehen und dazu immer hohe Werte vertreten. Das hat auch David Soler gereizt. Der schmächtige Rekrut hatte seinen Bürojob satt und möchte richtig gefordert werden. Zwar will er nicht unbedingt in den Krieg ziehen, «aber falls ich geschickt werde, muss ich gehen, das ist Teil des Vertrags.»

Den Feind schlagen

Marines werden auch als «Devil Dogs», Teufelshunde, oder «Leathernecks», Ledernacken, bezeichnet. Sie müssen mehr leisten als andere Militäreinheiten, betont Christian Blundell, einer der Instruktoren. Er ist erst 22 Jahre alt, hat aber bereits in Afghanistan gekämpft und war in Dschibuti und Uganda stationiert, dazu in Spanien und Italien. «Die Marines ziehen Leute an, die den Feind vernichten wollen», sagt der Gefreite Blundell. Dafür gibt es einen Durchschnittslohn von etwa 3300 Dollar nach Abzug der Steuern.

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Marines geben ihre Nahkampftechniken zum Besten

0:22 min, vom 3.8.2015

Wer Angst kennt, lernt hier, wie man diese verdrängt. «Der Feind ist keine Person, er ist eine Zielscheibe», so umschreibt es Michael Tumlinson. «Das stellt sicher, dass wir wieder nach Hause kommen.» Der vierfache Vater sieht aus, als könnte er keiner Fliege etwas zuleide tun. Michael Tumlinson gibt auch unumwunden zu, dass er selber sogar vor Bienen Angst hat.

Kampfkunst verändert

Mentale Stärke: Darum kümmert sich die junge Lawanda Ruiz. Sie ist eine der etwa 14'000 Frauen im 200'000-köpfigen U.S. Marine Corps und trainiert die Rekruten in einer Kampfkunst, die Einflüsse von asiatischen Kampfsportarten wie Taekwondo oder Kung Fu zeigt. «Damit kann man Charaktere verändern», ist sie überzeugt.

Das Risiko auf dem Schlachtfeld zu sterben, nimmt jeder Marine in Kauf. So auch Ruiz‘ Kollege Jeffrey Bentley. Als er im Irak war, wurden er und seine Kameraden dauernd beschossen. Dies führte bei ihm zu einer post-traumatischen Belastungsstörung. Ein paar Monate lang sei er auch zu Hause beim kleinsten nächtlichen Geräusch sofort hellwach gewesen. Doch Bentley konnte sein Trauma überwinden. Warum ist er überhaupt zu den Marines gegangen? Seine Antwort: «Ich will einer höheren Sache dienen, die grösser und besser ist als ich.»

(Radio SRF 1, 04.08., 15:15 Uhr)