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International In Chinas Jerusalem fallen die Kreuze

Die chinesische Verfassung garantiert die freie Religions-Ausübung. Trotzdem werden in der Volksrepublik Christen verfolgt. In der Drei-Millionen­-Stadt Wenzhou lässt die Regierung Kirchen und Kreuze abreissen. Die rasant wachsende Zahl der Gläubigen macht die kommunistische Partei nervös.

Legende: Video China fürchtet sich vor Christen abspielen. Laufzeit 02:03 Minuten.
Aus Tagesschau vom 11.10.2015.

Die Gläubigen von Wenzhou erzählen die folgende Geschichte: Als der Provinz-
Gouverneur letztes Jahr zu Besuch war und mit seiner Delegation auf einen nahen
Aussichtsberg stieg, sah er ein Meer von Kreuzen über Wenzhou. Sie überragten alle anderen Gebäude. Kurz darauf flatterten den Kirchen Abrissbefehle ins Haus.

Ob das Gerücht stimmt, weiss niemand. Aber Wenzhou gilt als das «Jerusalem von China». Nach offiziellen Zahlen sind elf Prozent der Bewohner der Drei-Millionen­-Stadt an der Küste des Ostchinesischen Meers Christen. In der Realität dürften es mehr sein: In der Stadt fällt die Präsenz des Christentums sofort auf. Alle hundert Meter steht eine Kirche. Nur etwas fehlt: die Kreuze.

Zahl der Christen steigt rasant

Der 39-­jährige Liu Jiabao (Name geändert) ist Mitglied der Wuxi Christian Church in Wenzhou. Er hat das Kreuz auf der Kirche wieder aufgerichtet, nachdem die Regierung es zuletzt abgerissen hat. «Hunderte von Leuten haben damals die Kirche umzingelt», sagt er, «ich sagte allen Polizisten dass ich der einzige war, der das Kreuz aufgebaut hat und dass sie mich verhaften sollen!» Sein Name will er nicht Preis geben.

Karte von China- die Städte Peking und Wenuhou sind eingezeichnet,
Legende: Die Stadt Wenzhou in der Provinz Zhejiang ist eine Millionenstadt an der Küste südlich von Peking. SRF

Sein Vater, so erzählt er, sei im Jahr 1993 beim Predigen des Evangeliums 1993
gestorben: «Er hatte mir immer gesagt dass ich mutig sein und das Kreuz vor der
Regierung beschützen soll.» Darum habe er es wieder aufgebaut, obwohl er denke, dass er bald festgenommen werde. «Sie sagten, wenn wir das Kreuz selber abreissen, werden sie die Kirche stehen lassen, aber wir werden das Kreuz niemals selbst runternehmen», sagt er.

Noch immer prangt das rote Kreuz auf der weiss getünchten Kirche. Wie lange noch, weiss niemand. Im Jahr 1949, als Mao Zedong die kommunistische Volksrepublik China gründete, zählte die christliche Gemeinde eine Million Christen. Im Jahr 2010 waren es 58 Millionen. Die Zahl steigt weiter an. Der chinesische Staat, basierend auf einer Mischung zwischen Kommunismus und Kapitalismus, hinterlässt für viele Menschen ein spirituelles Vakuum.

Soziologie-­Professor Yang Fenggang sagte der britischen Zeitung «Telegraph», dass die Zahl der Christen in China bis zum Jahr 2025 bis auf 160 Millionen ansteigen könnte. China wäre dann das Land mit der höchsten Zahl von Christen der Welt. Bereits heute suchen nach einer Studie Leute im Internet weitaus mehr nach «Gott» als «Mao Zedong» und «Kirchengemeinde» als «kommunistische Partei».

«Drei Reformen, ein Abriss»­-Strategie

Das macht die kommunistische Partei nervös, die alle Institutionen ausserhalb des
Systems nervös beäugt. Manchmal zielgerichtet, manchmal wahllos kerkert sie Gläubige wie Fan Liangan, ebenfalls ein Gläubiger der Wuxi Christian Church, ein.

«Sie holten mich um 11 Uhr morgens ab und sperrten mich bis zum nächsten Tag um 5 Uhr morgens ein», sagt Wang Guoqiang (Name geändert), auch er ein betroffenere Gläubiger. «Ich musste die ganze Nacht auf der Polizeistation verbringen.» Sie hätten mit ihm reden wollen, aber er wisse nicht, wieso. «Das Kreuz ist das Zeichen der Erlösung, sie können es nicht runternehmen. Ich glaube an Jesus Christus und das ewige Leben. Ich habe keine Angst.»

Der Abriss der Kreuze und Kirchen in Wenzhou ist aber nicht unbedingt eine Kampagne gegen Christen. Die Provinz-­Regierung stellt die Abrissbefehle unter dem Deckmantel der sogenannten «Drei Reformen, ein Abriss»­-Strategie aus. Offiziell sollen damit existierende Gebäude mit dem offiziellen Zonenplan in Übereinstimmung gebracht werden.

Inoffiziell, so sagen Gläubige und Beobachter, erhalten die Behörden damit ein Mittel um unerwünschte Kirchen zu entfernen. Es ist auch ein Streit zwischen lokalen und provinziellen Behörden. Oftmals haben lokale Behörden, die auch mit der lokalen Bevölkerung und Gläubigen verwurzelt sind, Bewilligungen ausgestellt. Später werden diese auf provinzieller Ebene rückgängig gemacht.

Weder Wang Guoqiang noch Liu Jiabao wissen, wie lange sie ihr Kreuz noch behalten können. Aber beide sind sicher, dass sie es sofort wieder aufbauen würden.

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6 Kommentare

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  • Kommentar von John Newton (John Newton)
    Wie kann man so einen Mist schreiben? Die Kirchen in China sind so "gefährlich", weil die Bibel klipp und klar sagt, dass Gott keine Unterschiede unter den Menschen macht ("es haben alle gesündigt"). Christen werden dadurch selbstbewusster und sind daher eine Gefahr für die Staatsautoritäten! That's it.
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  • Kommentar von Christian Szabo (C. Szabo)
    China hat ziemlich schlimme Erfahrungen mit "christlichen" Missionaren gemacht. Solange Gläubige sich in CN ruhig verhalten und sich dem Staat unterordnen, dürften sie ihren Glauben ausleben. In China ist die Trennung von Kirche und Staat bereits weiter vorgeschritten als in Europa. In Europa haben einige kirchliche Organisationen noch viel Dreck am Stecken. Diese kriminellen Machenschaften werden erst langsam aufgedeckt. Die Kirchen haben mit dem Staat teilweise unheilige Allianzen.
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    1. Antwort von Franz Huber (Raffi)
      Die kriminellen Machenschaften laufen in China auch ohne zu tun der Kirche sehr gut. Wieso auch teilen wenn man nicht muss. Und das ist doch das Schöne bei uns, dass immer wieder mal etwas aufgedeckt wird. Da haben viele, auch China, einiges an Nachholbedarf.
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  • Kommentar von Michael Geissbühler (M.Geissbühler)
    Danke SRF für diesen Bericht
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