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International In der Ostukraine ist der Frieden in weite Ferne gerückt

Neue Kämpfe und geplatzte Friedensgespräche: Die Hoffnungen auf ein Ende des Konflikts in der Ostukraine sind erneut zerschlagen. Offenbar ist ein geplantes Treffen zwischen den Kriegsparteien gescheitert.

Zwei OSZE-Fahrzeuge mit Logo, Fotograf im Hintergrund
Legende: Im September 2014 hatte die OSZE eine Lösung des Konflikts präsentiert. Der Plan wurde nie umgesetzt. Reuters

In der weissrussischen Hauptstadt Minsk erklärten Separatisten das international geforderte Treffen der Ukraine-Kontaktgruppe für gescheitert. Derweil dauerten im Krisengebiet Donezk den ganzen Tag über Gefechte an, vor allem am umkämpften Flughafen. Insgesamt sprachen die Konfliktparteien von elf Toten.

Teilmobilmachung in der Ukraine

Es handle sich um die grössten Gewaltexzesse seit dem Sommer, meinte der Separatistenführer Denis Puschilin im Gespräch mit der Agentur Interfax. Die von Russland unterstützten Aufständischen werfen dem ukrainischen Militär vor, einen Grossangriff zu planen. Der ukrainische Sicherheitsrat in Kiew hatte wiederholt angekündigt, die Regionen Donzek und Lugansk zu «befreien».

Der von der EU und den USA unterstützte Präsident Petro Poroschenko kündigte in Kiew eine Truppenverstärkung im Krisengebiet Ostukraine an. «In den vergangenen vier Monaten ist die ukrainische Armee bedeutend gestärkt worden», sagte er. Ab kommender Woche sollen bei einer Teilmobilmachung zusätzliche 50‘000 Ukrainer bewaffnet werden.

Die ukrainischen Pläne «verletzen Geist und Buchstaben der Minsker Vereinbarungen», kritisierte der russische Aussenminister Sergej Lawrow. «Hoffen wir, dass diese Vorbereitungen nicht zu einem erneuten Abgleiten in einen bewaffneten Konflikt führen.»

Kein neuer Termin in Sicht

Es gebe keine Fortschritte, beklagten die Aufständischen. Der Separatistenführer Puschilin machte die ukrainische Regierung für das Scheitern der Gespräche verantwortlich. «Wir sind bereit zur Fortsetzung des friedlichen Dialogs», sagte Puschilin. «Wenn es nötig ist, dann gehen wir zum Gegenangriff über.»

Die Vertreter der nicht anerkannten «Volksrepubliken» Donezk und Lugansk verliessen nach eigener Darstellung die Stadt Minsk. Ein neues Datum für Friedensgespräche der Kontaktgruppe ist nicht in Sicht.

Plan nicht umgesetzt

Zu der Kontaktgruppe gehören neben der Ukraine auch die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) und Russland. Die OSZE hatte zu dem neuen Treffen eingeladen. Das Gremium hatte sich im September auf Schritte für eine Lösung des Konflikts geeinigt. Der Plan wurde bisher aber nicht umgesetzt. Es war der erste Versuch, wieder ins Gespräch zu kommen, nachdem eine Verhandlungsrunde Ende Dezember gescheitert war. Seit April starben mehr als 4700 Menschen bei den Kämpfen.

Der ukrainische Staatschef Poroschenko hatte nach Angaben seines Büros auch mit Kanzlerin Angela Merkel telefoniert und dabei die Bereitschaft zu Friedensgesprächen betont. Russland dagegen wirft Poroschenko vor, «keine echte Macht» zu haben und den Frieden nur zu versprechen, um vom Westen Finanzhilfen zu erhalten. In Kiew gibt es einflussreiche Kräfte, die eine militärische Lösung des Konflikts fordern.

Am Abgrund

Die WHO warnt vor drohenden Infektionskrankheiten in den ostukrainischen Kriegsgebieten.Genannt wrden Polio, Masern und Tuberkulose. Es fehle an Impfstoffen und anderen Medikamenten, sagte die WHO-Beauftragte in der Ukraine. Insgesamt seien 5,1 Millionen Menschen von der Krise betroffen, 1,4 Millionen seien bereits akut gefährdet.

25 Kommentare

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  • Kommentar von M.Krebser, BE
    Die ukra-faschistischen Truppen beschiessen heute alle Wohviertel der Metropole Donezk.Das ist ein offen geführter Genozid,direkt vor unserer Haustür und die Medien schweigen! Was muss das für ein Gefühl sein für die armen Menschen dort in Donbass:abgeschlachtet zu werden und ganz genau zu wissen,dass man in den westlichen Ländern auch noch als "die bösen" dargestellt wird und keine Hilfe zu erwarten hat. Die westliche Politiker unterstützen diese Kriegsverbrechen auch noch.Stoppt den WAHNSINN!
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  • Kommentar von S. Meier, Adliswil
    Letzte Nachrichte aus Donezk und Gorlovka: Die ukrainischen Streitkräfte fliegen Luftangriffe auf Gorlovka (Cluster Bombs) und beschiessen Donezk mit allem Verfügbaren. Es gibt viele Tote in den Strassen.
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    1. Antwort von E. Waeden, Kt. Zürich
      Einfach nur noch grässlich & abscheulich, was diese Regierung macht! Und grässlich & auf Schärfste zu verurteilen, dass die EU ihr noch die Mittel dafür gibt! Pfui Teufel!
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    2. Antwort von Marcel Chauvet, Neustadt
      @Meier & Waeden: Angreifer können sich natürlich auch darüber beklagen weil die Verteidiger zurückschlagen und dabei sogar, man merke auf, zurückschießen. Der Ignoranz können anscheinend keine Grenzen gesetzt werden. Die leidgeprüften Ostukrainern würden es bestimmt begrüßen, wenn die aufständischen Terroristen heim in Putins Reich abziehen würden.
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  • Kommentar von David Neuhaus, Winterthur
    @Werner Christmann, betr. Brzezinski denke ich das dies evtl. zur Strategie passt wenn Europa mitvernichtet wird? Und wegen D.Gorfer u.ä., lese viele Kommentare von Leuten die anscheinend nur die Schlagzeilen lesen und offensichtlich keine Ahnung haben was vorgefallen ist aber sich trotzdem anmassen zu kommentieren was Sache ist. Traurig & Beängstigend zu sehen wie manipulierbar ein grosser Teil der Menschen ist.
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