In Passau sinken die Pegel

Das Hochwasser hält tausende Menschen im Osten und Süden Deutschlands weiter in Atem. In einigen Flutgebieten zeigen sich nun auch Hoffnungsschimmer.

Altstadt von Passau unter Wasser

Bildlegende: Die Altstadt von Passau unter Wasser: Endlich geht der Pegel zurück. Keystone

Weite Landstriche im Süden und Osten Deutschlands sind weiterhin von Hochwasser bedeckt. Überlaufende Flüsse fluteten ganze Regionen. Besonders stark betroffen ist Passau. In der Dreiflüssestadt in Bayern erreichte die Donau den höchsten Wasserstand seit mehr als 500 Jahren. Die Bewohner mussten ohne Trinkwasser, Strom und Festnetz-Telefon auskommen, die Stadt war grossflächig überflutet.

Einen kleinen Hoffnungsschimmer gab es in der niederbayerischen Stadt jedoch: Ein Sprecher des Krisenstabs sagte, der Pegelstand des Inns sei am späten Abend leicht gesunken. «Aber es geht sehr, sehr langsam.» Und neue Wassermassen kommen aus der Donau auf die Stadt zu. Der Fluss stieg am späten Abend auf mehr als 12,80 Meter und übertraf damit deutlich das Hochwasser von 1954 mit 12,20 Metern.

Kein Rückgang des Wassers in Sachsen

In Regensburg verschärfte sich die Lage am Montagabend weiter. Man erwarte einen Pegelstand von 6,70 Meter, teilte eine Sprecherin der Stadt mit. In der Nacht drohte die Überflutung mehrerer Strassen, die vorsorglich gesperrt wurden. In einer Schule im Stadtgebiet stand ein Notlager mit 365 Feldbetten zur Verfügung.

Angespannt blieb die Lage auch in Sachsen. In Grimma stand das Wasser meterhoch in der Altstadt, die nur noch mit Schlauchbooten befahrbar war. Im Landkreis Leipzig wurden rund 6000 Menschen in Sicherheit gebracht. Sorge bereitete den Behörden die Elbe, die unvermindert anschwoll. In Dresden wurde bereits die erste Elbbrücke für Autos gesperrt. Kurz vor Mitternacht hatte der Fluss einen Pegelstand von 7,08 Metern. An der Elbe werde in den kommenden Tagen ein maximaler Pegelstand von neun Metern erwartet. 2002 waren es 9,40 Meter.

Rückgang in Oberbayern

In den oberbayerischen Hochwassergebieten beruhigte sich die Lage langsam. Die Pegelstände im Landkreis Rosenheim seien weiter gefallen, die Hilfskräfte rüsteten sich nun für die anstehende Aufräumarbeiten, sagte ein Sprecher des Landratsamtes.

Hochwasser in Passau

Bildlegende: Passau versinkt in den Fluten – so schlimm wie seit über 500 Jahren nicht mehr. Reuters

Die Nacht hindurch sollten Pumpen in Betrieb bleiben, um das Wasser aus den Häusern zu pumpen. Voraussichtlich am Dienstag könne der Katastrophenalarm für den Landkreis aufgehoben werden. Am Ufer des Flusses Mangfall hatten knapp 4000 Menschen ihre Häuser verlassen müssen, sie konnten am Montag wieder zurückkehren.

Halten die Deiche?

Auch in den Thüringer Hochwassergebieten entspannte sich die Lage zusehends. An neun Messstellen galt in der Nacht noch die höchste Alarmstufe drei. Das Hochwasser hatte Teile Ostthüringens in ein Katastrophengebiet verwandelt. An der Bleilochtalsperre, einer der grössten Saaletalsperren, wurde kontrolliert Wasser abgelassen. Ob die Talsperre das ankommende Wasser fassen kann, ist unklar.

Noch mehr Wasser als 2002

In Sachsen-Anhalt schauten die Menschen in der Nacht mit bangem Blick auf die Saale. Nach offiziellen Einschätzungen droht dem Bundesland ein noch schlimmeres Hochwasser als bei der Jahrhundertflut 2002. Halle befürchtet sogar das schlimmste Hochwasser seit 70 Jahren. In einem Wettlauf mit der Zeit wurden in der Stadt Deiche mit Sandsäcken und einem mobilen System verstärkt.