Zum Inhalt springen

Hoffnung im Bürgerkriegsland In Syriens Schutzzonen schweigen die Waffen – bisher

Legende: Video Vereinbarung über Schutzzonen in Syrien abspielen. Laufzeit 0:23 Minuten.
Aus Tagesschau Nacht vom 04.05.2017.

Schutzzonen in Syrien sollen der Bevölkerung nach sechs Jahren Bürgerkrieg Zuflucht bieten – so der Plan, den Russland, die Türkei und der Iran verkündet haben. Nun ist das Abkommen in Kraft.

Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte, deren Angaben nur schwer verifiziert werden können, meldete in der Nacht, nach Monaten der Eskalation mit Tausenden Opfern herrsche in den Gebieten der Feuerpause Ruhe.

Lediglich in Teir Malla nördlich von Homs sei eine halbe Stunde nach Inkrafttreten der Feuerpause eine Explosion zu hören gewesen. Aktivisten zufolge war von einer Stellung der Regierungstruppen aus eine Rakete auf das von Rebellen kontrollierte Gebiet abgefeuert worden.

Die russische Luftwaffe habe seit dem 1. Mai keine Angriffe mehr in diesen Gebieten geflogen, sagte Vize-Generalstabschef Sergej Rudskoi.

Die Schutzzonen

Dem Memorandum zufolge sollen die Schutzzonen in der Provinz Idlib, nördlich der Stadt Homs, östlich von Damaskus und im Süden Syriens eingerichtet werden. Dort müssten die syrische Regierung und ihre Gegner «den Gebrauch jeder Art von Waffen, auch aus der Luft, einstellen». Die genauen Grenzen der Gebiete sollen bis 4. Juni festgelegt werden.
Allerdings sollen der IS und andere Terrorgruppen weiter bekämpft werden. In den Gebieten ist die Al-Kaida-nahe Extremistengruppe Tahrir al-Scham stark. Deshalb hat Moskau keinen völligen Verzicht auf Luftangriffe in den Schutzzonen verkündet. Auch für die syrische Luftwaffe gab Lawrentjew keine vollständige Garantie ab.

Gleichwohl gibt es neben Hoffnungen, aber auch grosse Zweifel. Das von Russland, der Türkei und dem Iran vereinbarte Abkommen über die Schutzzonen im Bürgerkriegsland Syrien benennt vier Zufluchtszonen, in den die Waffen schweigen sollen. Die Einigung, unterzeichnet am Donnerstag in Astana, sei mit 27 verschiedenen Rebellengruppen abgesprochen worden.

Anti-Terror-Kampf geht weiter

Rudskoi bekräftigte aber auch, dass der Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) und andere Terrorgruppen in Syrien weitergehe. Kurz vor Inkrafttreten der Waffenruhe hatten die USA deutlich gemacht, dass ihr Einsatz gegen den IS durch das Abkommen nicht beeinträchtig wird.

Die Zonen erstreckten sich nicht auf Gebiete, in denen die Terrormiliz aktiv sei, sagte Pentagon-Sprecher Jeff Davis in Washington. «Unsere Operationen fokussieren sich auf den IS, der weiter östlich ist», erklärte er. «Wir haben unsere Mission in keiner Weise geändert.»

Russland erklärte, über den Gebieten keine Kampfjets der USA und ihrer Verbündeten dulden zu wollen. Die USA und ihre Verbündeten sollten ihre Angriffe auf die IS-Miliz in Al-Rakka, Dair as-Saur und im Euphrat-Gebiet beschränken.

Hilfsorganisationen skeptisch

Hilfsorganisationen zeigten sich skeptisch. Bereits im vergangenen Jahr hatte es mehrere Anläufe zu einer Waffenruhe gegeben, die jedoch alle scheiterten. Zuletzt setzten Russland und die Türkei Ende Dezember eine Feuerpause durch. Trotzdem kam es in den vergangenen Wochen zunehmend zu Gewalt. Aktivisten meldeten vor allem eine Zunahme von Luftangriffen auf Krankenhäuser in Rebellengebieten.

9 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Cherubina Müller (Fabrikarbeiterin)
    Die Feuerpause wird immer wieder auch von den "Rebellen" verletzt, wie gestern Morgen in Khirbet Ghazaleh (Daraa Provinz). Trotz solchen Scharmützeln werden die Schutzzonen von der syrischen Bevölkerung begrüsst. In Süd-Damaskus hat die Regierung ein Abkommen mit den "Rebellen" geschlossen und auch der IS soll eingewilligt haben das dortige Yarmouk-Camp zu räumen. Ausländische Staaten werden leider weiterhin das Bekenntnis einer grossen syrischen Bevölkerungsmehrheit zum Frieden ignorieren.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Kerzenmacher Boris (zombie1969)
    Dies sollte für die jungen kräftigen Syrer hier in den Sozialsystemen Europas doch das willkommene Startsignal dafür sein, nachhause zurückzukehren um ihren Familien beim Wiederaufbau des eigenen Landes zu helfen.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Stanic Drago (Putinversteher)
    Asthana Gespräche waren Erfolg.Türkei wird Islamisten in Idlib in Griff halten können. Nach letzte Misserfolge haben sie keine Kräfte um neue Ofensive zu starten. Deswegen hat schon vorgestern, SAA ihre Elitten Einheiten an Palmira Front verlegt. Es wird Operation Levante in kurzem beginnen um Deir ez Zoir zu deblokieren. In Ost Ghuta bekämpfen sich Islamisten gegenseitig und sind von jeden Nachschub abgeschnitten. Es ist traurig, dass Rojawa nicht in Plan einbezogen ist.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Beat Reuteler (br)
      Die Astana Gespräche sind insofern eine Farce, als die Syrische Regierung und die Russen einseitig festlegen, welches "Terrorgruppen" sind, die in diesen Gebieten weiter bekämpft werden sollen. Ok, bei IS und Al Quaida-nahen Org. ist man sich wohl einig, aber dann hört es bald auf. Ausserdem wird der IS die Schutzzonen nicht respektieren, d.h. sobald IS in eines der Gebiete eindringt geht es wieder los. Ausserdem vermindert gerade das Verbot des Waffengebrauchs den Schutz vor dem IS.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    2. Antwort von Beat Reuteler (br)
      Übrigens: Die Türkei hat gar nichts im Griff in Idlib. Die Türkei hat bis jetzt nur gerade das getan was im ureigenen Interesse ist: Nämlich die Kurden im Norden von Idlib gtrennt zu halten von denen um Manbji. Gegen die Islamisten haben sie bis jetzt nichts unternommen, ausser es hat diesem Ziel gedient.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    3. Antwort von Stanic Drago (Putinversteher)
      Und in welch Schutzzonne gibt es IS Einheiten? Keine. Von wo bekommen Islamisten in Idlib ihre TOWs und GRAD Rakette? Aus Türkei. Wenn Türkei Grenze schlisst, dann haben Islamisten keine Waffe um Krieg zu führen. Jedes mal, wenn Türkei gegen syrische Regierung spricht fängt Ofensive in Hama an. Und jedes mal wenn sie an verlieren sind, schaltet sich Türkei in Friedens Prozess ein.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen