Indien: Wachstum und Klimaschutz – ein heikler Balanceakt

In Sachen Klimaschutz sind die Fronten zwischen den Schwellenländern und dem Westen verhärtet. Allen voran: Indien. Das Land lehnt verbindliche Klimaziele zur CO2-Reduktion – ab trotz steigendem Energiebedarf. Das Argument: Der Westen sei Schuld am bisherigen Klimawandel.

Klimawandel in Indien

Indien sei ein Spielverderber, ein Blockierer in den Klimaverhandlungen, heisst es seit Jahren bei den Klimaverhandlungen. Denn Indien lehnte genauso wie das Schwellenland China verbindliche Ziele zur Senkung seines Treibhausgas-Ausstosses ab.

Das Argument: Der Westen sei massgeblich für den bisherigen Klimawandel verantwortlich, deshalb müsse er auch beim Klimaschutz vorangehen. Das Wachstum der Schwellenländer und damit die Armutsbekämpfung dürfe nicht durch verbindliche Ziele gebremst werden.

China ist Klimasünder Nummer 1

An diesem Standpunkt hat sich auch vor dem Klimagipfel in Lima im kommenden Dezember nichts verändert. Im August erklärten Vertreter der BASIC-Staaten (Brasilien, Südafrika, Indien und China): Jene Staaten – die historisch für den Ausstoss von Treibhausgas verantwortlich seien – müssten die Führung übernehmen und den Schwellenländern mit Geld und Technologie zur Seite stehen.

Die wirtschaftliche Entwicklung hat dazu geführt, dass China zum grössten CO2-Emittenten aufgestiegen ist, gefolgt von den USA. Dahinter ist das Schwellenland Indien heute der drittgrösste Verursacher von Treibhausgasen.

Im Pro-Kopf-Vergleich liegt Indien jedoch weit hinten – vor allem weil Millionen von Indern noch immer nicht ans Stromnetz angeschlossen sind. Ein Chinese stösst demnach viermal mehr CO2 aus als ein Inder, ein Amerikaner gar zehnmal mehr – vor allem weil ungefähr 400 Millionen Inder noch immer nicht am Stromnetz angeschlossen sind.

Ambitiöse Ziele

Die Regierung von Narendra Modi will das ändern. Sie hat zwar ambitiöse Ziele für erneuerbare Energie-Projekte, vor allem im Solar-Bereich. Trotzdem setzt sie weiterhin vor allem auf Kohlekraftwerke, aus denen 60 Prozent aller Energie herkommt.

Indien ist jedoch nicht nur ein grosser Verschmutzer, sondern genauso wie andere asiatische Staaten einer der grössten Verlierer im Klimawandel. Bereits heute gehören Wirbelstürme, ein unberechenbarer Monsun und die damit verbundenen Dürren und Fluten zum Alltag in Indien. Laut einem Bericht der Asiatischen Entwicklungsbank (ADB) wird der Klimawandel das Wachstum südasiatischer Länder negativ beeinflussen.

Indien lanciert CO2-Plan

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) von sechs Ländern – Bangladesch, Bhutan, Indien, die Malediven, Nepal und Sri Lanka – werde infolge des Klimawandels im Schnitt bis 2050 um 1,8 Prozent jährlich schrumpfen und bis Ende des Jahrhunderts um 8,8 Prozent einbrechen, falls sich die Erdatmosphäre um mehr als zwei Grad oder mehr erwärmt. Bis 2080 könnte die Reisproduktion in Nepal um 16 Prozent wachsen, während sie in Bangladesch, Bhutan, Indien und Sri Lanka jährlich 23 Prozent sinken könnte.

2008 lancierte die indische Regierung deshalb India’s National Action Plan on Climate Change (NAPCC), um Wege der Anpassung und Reduktion von CO2-Gasen zu finden. Zum Plan gehören Programme zu Solarenergie, Wasserkonservierung, Energiesparmassnahmen und angepasstem Saatgut.

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