Indonesien wählt ein neues Parlament

Die Wahl von 560 Volksvertretern in Indonesien gilt als Stimmungsbarometer für die Präsidentenwahlen im Sommer. Ein Kenner des Landes spricht über die Bedeutung dieses Urnengangs und über ihren Favoriten.

Ein Freiwilliger erklärt Wahlberechtigen den Wahlzettel

Bildlegende: Ein Freiwilliger erklärt Wahlberechtigen den Wahlzettel der Parlamentswahlen. Keystone

Indonesien hat am Mittwoch ein neues Parlament gewählt. Chancen auf einen Sieg kann sich die Opposition ausrechnen: Die Oppositionspartei «Demokratische Partei des Kampfes» lag in Umfragen vorn und könnte bis zu 25 Prozent der Stimmen erhalten. Die Beliebtheitswerte der Partei waren in den vergangenen Wochen stark gestiegen, nachdem sie den populären Gouverneur von Jakarta, Joko Widodo, zum Spitzenkandidaten für die Präsidentenwahlen im Juni ernannt hatte. «Widodo verkörpert eine neue Generation von Politikern, die eben nicht mit Suhartos Herrschaft in Verbindung gebracht werden. Er hat sich als integrer Politiker einen Namen gemacht», sagt Marco Kauffmann-Bossart. Er ist Korrespondent für die Neue Zürcher Zeitung in Südostasien.

Widodo zeige sich nicht nur vor den Wahlen in den Slums, sagt Kaufmann-Bossart. Er nehme die Alltagsprobleme der Bevölkerung ernst. «Unter Widodo wurde zum Beispiel eine Krankenkasse für die Armen lanciert oder lange verzögerte Infrastrukturprojekte vorangegtrieben.»

Zur Abstimmung aufgerufen waren in dem Land mit der grössten muslimischen Bevölkerung der Welt rund 186 Millionen Wähler, die über die Vergabe von 560 Sitzen entscheiden. 15 Parteien traten an, insgesamt mit 20'000 Kandidaten. Die Behörden erwarteten eine Wahlbeteiligung von etwa 80 Prozent.

Urnen nicht rechtzeitig angekommen

In einigen Regionen der Provinz Papua muss der Wahlgang aufgrund von Transportproblemen der Wahlzettelw wohl auf Freitag verschoben werden. Die 500'000 Wahllokale sind auf die insgesamt 17'000 Inseln Indonesiens verteilt.

Es ist die vierte freie Wahl in dem Land seit dem Sturz des Diktators Suharto im Jahr 1998. Parteienloyalität ist in Indonesien wenig ausgeprägt, es geht mehr um Personen. Eine Reihe von ungewöhnlichen Kandidaten – vom Model bis zum Softporno-Star – wollen Sitze im Parlament für sich gewinnen. «Zum ersten Mal seit zehn Jahren steht ein Machtwechsel an. Dieser entscheidet sich zwar erst im Juli.» Doch es lasse sich an den Parlamentswahlen ablesen, welche Partei dafür gute Karten habe, sagt Kaufmann-Bossart.

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel

  • Indonesien wählt Parlament

    Aus Tagesschau vom 9.4.2014

    In Indonesien wird ein neues Parlament gewählt. Dies ist auch im Hinblick auf die im Juli anstehenden Präsidentschaftswahlen wichtig. Denn nur Parteien, welche mindestens 20 Prozent der Sitze, oder 25 Prozent der Stimmen erringen, dürfen Präsidentschaftskandidaten zur Wahl stellen. Für die demokratische Partei von Amtsinhaber Yudhoyono könnte es ein Schlappe absetzen. Sie ist durch Korruptionsskandale angeschlagen.