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Inferno in Kalifornien Gefangene im Feuerwehr-Einsatz

Häftlinge in Feuerwehrausrüstung 2014
Legende: «Preisgünstige Möglichkeit für präventive Brandschutzmassnahmen»: Häftlinge bei einem früheren Einsatz in Kalifornien. Reuters
  • Es sind die schlimmsten Waldbrände in der jüngeren Geschichte Kaliforniens: Seit Oktober wurden über 110'000 Hektar Land zerstört – eine Fläche, die ungefähr dem Kanton Uri entspricht.
  • Über Weihnachten ist es gelungen, das Feuer grösstenteils unter Kontrolle zu bringen. Auch dank der Hilfe von Häftlingen aus kalifornischen Gefängnissen – denn der US-Bundesstaat setzt Strafgefangene als Feuerwehrhelfer ein.

Tausende Gefangene sind bei den letzten Mega-Feuern in Kalifornien in sogenannten Fire- oder Conservation-Camps untergebracht gewesen, erklärt SRF-Mitarbeiter Arndt Peltner. «Eine relativ preisgünstige Möglichkeit, auch präventive Brandschutzmassnahmen durchzuführen», ergänzt er.

Die Häftlinge kämen aber auch bei der direkten Feuerbekämpfung zum Einsatz. Abrufbar waren in den letzten Wochen etwa 3800 Häftlinge.

1700 an der vordersten Brandlinie

Die Gefängnisinsassen würden sich «freiwillig für eine solche Aufgabe» melden, fährt Peltner fort. Sie würden dann von der Feuerwehr geschult. Die Männer schlafen in kleinen Teams «in der Wildnis». Sie halten die Wege für die Feuerwehr frei, schneiden Unterholz und «sind dann eben auch im Brandfall einsatzbereit», schildert Peltner.

Bei den grossen Feuern der letzten Zeit seien etwa 1700 Häftlinge an der vordersten Brandlinie dabei gewesen. Die übrigen Männer hätten zugearbeitet, indem sie die Einsatztruppen an der vordersten Feuerfront unterstützten.

Pro Tag und Stunde einen Dollar

Pro Tag erhalten die Gefangenen einen Dollar und für jede Einsatzstunde nochmals einen weiteren Dollar. Für die Häftlinge seien diese Einsätze auch ein willkommener Anlass, um dem Gefängnisalltag zu entfliehen, betont Peltner. Zudem würden sie auch «in Teamfähigkeit und Führungsqualitäten» geschult.

Unter den Gefangenen, die im Rahmen der Brandbekämpfung zum Einsatz kommen, seien keine Schwerverbrecher. Die Feuerwehr-Helfer auf Zeit würden auch bewacht. Strafvollzugsbeamte seien in den Häftlingscamps vor Ort mit dabei.

Häftlinge sind wichtige Helfer

Gerade bei den Grossbränden in jüngster Zeit seien die Häftlingscrews wichtige Helfer für die hauptamtlichen Feuerwehren geworden, so Peltner weiter. Denn oftmals gehen die an verschiedenen Orten gleichzeitig auftretenden Mega-Feuer an die Kapazitätsgrenzen der Einsatzkräfte.

Trotz der vermehrt auftretenden Grossfeuer in Kalifornien gebe es zwar noch keine «konkreten Pläne für eine Ausweitung der Einsätze von Gefangenen», sagt Peltner. Aber jüngste Äusserungen von Feuerwehrkräften vor Ort als auch von Politikern deuten nach seiner Einschätzung darauf hin, dass man über eine Aufstockung des Budgets nachdenke.

Darunter würden dann auch diese Einsatzkräfte aus den Gefängnissen fallen. Man könne davon ausgehen, dass die Programme zum Einsatz von Häftlingen bei der Brandbekämpfung «wirklich ausgeweitet werden», sagt der SRF-Mitarbeiter.

Die Folgen des «Thomas»-Feuers

Das sogenannte «Thomas Fire» nördlich von Los Angeles ist der schlimmste Brand in der jüngeren Geschichte des US-Bundesstaats. Mehr als 110'000 Hektar Land seien seit Ausbruch der Flammen am 4. Dezember zerstört worden, teilte die kalifornische Brandschutzbehörde Cal Fire mit. 1063 Gebäude seien dem Feuer zum Opfer gefallen, der Schaden summiere sich auf mehr als 177 Millionen Dollar, hiess es.

Die Folgen sind damit noch verheerender als beim «Cedar Fire» 2003, das bislang die Liste der schlimmsten Brände in Kalifornien seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1932 anführte. 2800 hauptamtliche Feuerwehrleute waren bis vor einigen Tagen im Einsatz gegen das «Thomas»-Feuer, das inzwischen zu 65 Prozent unter Kontrolle sein soll.
Zehntausende Menschen mussten vor den Flammen in Sicherheit gebracht werden. Ein Feuerwehrmann starb am 14. Dezember bei Löscharbeiten im Bezirk Ventura. Zuvor war bereits eine 70-jährige Frau ums Leben gekommen. Sie wurde bei einem Verkehrsunfall auf der Flucht vor den Flammen getötet.

Arndt Peltner

Arndt Peltner
Legende: zvg

Der freischaffende USA-Korrespondent ist für mehrere deutschsprachige Zeitungen und Radiostationen tätig, unter anderem auch für SRF. Der gebürtige Nürnberger lebt in der Nähe von San Francisco.

7 Kommentare

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  • Kommentar von Christa Wüstner (Saleve2)
    und wie lange dauert die Schulung der Häftlinge? Bis es nichts mehr zu löschen gibt ?
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  • Kommentar von antigone kunz (antigonekunz)
    Diese Menschen bräuchten keine Resozialisierung, weil die meisten von Ihnen gar nicht in Gefangenschaft kämen. Vielen ist die amerikanische Haftsituation nicht vertraut Herr Boesiger ... Und der Begriff der Schuld überlasse ich gerne der Religion. Wenn es um etwas geht, dann um die Verantwortlichkeit, die die amerikanische Zivilgesellschaft nicht mehr dem Amerika der Konzerne und der Privatinteressen überlassen darf Also unterstellen Sie mir bitte keine Schuldzuweisungen.
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  • Kommentar von antigone kunz (antigonekunz)
    Dass Menschen, die in Haft sind, etwas Nützliches tun können, statt zu versauern, das ist gut. Doch so wie ich die 'privaten' Haftanstalten und deren Korpokraten kenne, ist es eine Smartvariante von Sklavenarbeit. Das heisst der Druck noch mehr Kids, Jugendliche Hauptsache nonwhite Menschen zu verknasten wird noch grösser. Das Geschäft lukrativer mit dem Einbuchten. Kapitalismus gepaart mit alter Tradition mit Sklaven, sich dann noch philanthropisch gebend. Fast schon ein Brechmittel.
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    1. Antwort von Werner Boesiger (P.Werner Boesiger)
      @Frau Antigone: Gott findet selbst in den besten Taten des Menschen Schuld. So finden auch Sie hier eine Verkommerzialisierung und Profitgier, doch sie irren sich in diesem Falle sehr. Wenn es naemlich um mich herum brennt, und ich kann mit meinem Einsatz Menschen, Tiere und Haeuser retten, dann lasse ich einmal das Politisieren und Philosophieren und lege Hand an. Sie irren sich darum, weil die Haeftlinge in einem Notfall, das heisst nicht systematisch, und zudem freiwillig mithelfen duerfen.
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