Interpol muss sich auf globale Bedrohungen einstellen

Vor 100 Jahren fand auf dem Felsen von Monaco der erste internationale Polizeikongress statt. Er gilt als Geburtsstunde der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit. Ab heute treffen sich die Vertreter der 190 Interpol-Mitgliedsländer erneut im Fürstentum. Doch zum Feiern bleibt keine Zeit.

Wenn sich die Spitzenvertreter der Polizei, die Justiz- und Innenminister aus 190 Ländern treffen, wird auch beim polizeilichen Begleitschutz mit der grossen Kelle angerichtet, mit Flotten von Polizeiautos- und Motorrädern als Geleitschutz, Scharen von Uniformierten schon am Flughafen von Nizza und erst recht in Monaco selber.

Interpol-Logo, der Schatten eines Mannes davor.

Bildlegende: 100 Jahre vernetzte Polizeiarbeit: Die Interpol tagt in Monaco. Reuters

Terroristen böte das Treffen diese Woche eine symbolträchtige Zielscheibe. Denn Interpol ist gerade in der Terrorismusbekämpfung zu einem ernstzunehmenden Akteur geworden. Ronald Noble, der die Weltpolizeibehörde seit fast 15 Jahren führt, fürchtet Tausende von Dschihadisten, die in den Westen zurückkehren und zuschlagen könnten, wenn die Polizeikräfte nicht weltumspannend zusammenarbeiteten.

Behörde von Diktatoren missbraucht

Terrorismusbekämpfung ist keine Aufgabe für Armeen. Das sah man nach dem Scheitern des «War on Terror», des Krieges gegen den Terror, ein. Es ist Polizeiarbeit – weltweit vernetzte Polizeiarbeit. Wichtige Instrumente dabei sind die Interpol-Datenbank über verlorene und gestohlene Pässe mit 43 Millionen Daten und die neue DNA-Datenbank.

Lange hatte Interpol einen schlechten Ruf. Im Zweiten Weltkrieg wurde die Organisation de facto von den Nazis gekapert. Später galt die Behörde als schwerfällig und bürokratisch. Ihr völkerrechtlicher Status war wackelig. Sie wurde sogar von Diktatoren missbraucht, um über internationale Fahndungsaufrufe Oppositionelle aufzuspüren.


100 Jahre Interpol

2:42 min, aus SRF 4 News aktuell vom 03.11.2014

Kriminalität stoppt nicht an Grenzen

Die «Polizisten ohne Grenzen» schreckten deshalb zunächst vor einer Schlüsselrolle bei der Terrorismusbekämpfung zurück, weil das politisch als zu heikel galt. Diese Zeiten sind vorbei. Für Generalsekretär Noble kann Polizeiarbeit heute nicht mehr national sein, egal um welche Verbrechen es geht; ob um Terrorismus, Cyber-, Drogen-, Waffen-, Medikamenten-, Finanz- oder Umweltkriminalität. Die Länder, die Polizeiorgane, aber auch die Unternehmen hätten endlich erkannt, dass ohne enge Kooperation nichts gehe.

Der Deutsche Jürgen Stock, der diese Woche auf der Interpol-Generalversammlung zum neuen Chef gewählt werden und Noble ablösen dürfte, sagt es so: «Verbrecher sind den Verbrechensbekämpfern stets einen Schritt voraus.» Die Polizei muss also weltweit darum kämpfen, den Anschluss nicht zu verlieren.