Irakische Armee steht 20 Kilometer vor Mossul

Die irakische Armee hat auf ihrem Vormarsch auf die IS-Hochburg Mossul die Terrormiliz aus weiteren Orten vertrieben. Am Samstag eroberte sie die früher vor allem von Christen bewohnte Stadt Karakosch zurück.

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Reportage aus dem Irak

1:52 min, vom 22.10.2016

Die irakische Armee ist bei der Offensive gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) weiter in Richtung Mossul vorgerückt. Nach Angaben des Staatsfernsehens haben die Truppen einen gross angelegten Angriff gestartet, um die früher vor allem von Christen bewohnte Stadt Karakosch zurückzuerobern.

Kämpfer hätten im Stadtzentrum die irakische Flagge gehisst. Die Armee hatte die Stadt, die rund 20 Kilometer süd-östlich von Mossul liegt, bereits am Donnerstag für befreit erklärt, musste sich aber nach Beschuss durch Heckenschützen wieder zurückziehen.

Irakische Spezialeinheiten in Gefährten

Bildlegende: Irakische Armee und Peschmerga-Kämpfer rücken weiter auf Mossul vor. Keystone

Seit Beginn der Offensive am Montag seien rund 50 Dörfer vom IS zurückerobert worden, erklärte die irakische Armee. In Karakosch vermutet das US-Militär, das die Iraker zusammen mit einer internationalen Allianz unterstützt, noch mehrere Hundert IS-Anhänger.

IS aus Kirkuk vertrieben

Das irakische Militär meldete zudem, die ebenfalls im Nordirak gelegene Ölstadt Kirkuk wieder ganz unter Kontrolle zu haben. Eine seit Freitagmorgen geltende örtliche Ausgangssperre sei gelockert worden.

Die Extremisten hatten vorübergehend ein Kraftwerk, Polizeiwachen und weitere öffentliche Gebäude eingenommen. Zuletzt verschanzten sich einige noch in einer Moschee und einem verlassenen Hotel. Ölanlagen waren bei dem Vorstoss nicht beschädigt worden.

«Die Situation in Kirkuk stabilisiert sich immer zunehmend», sagte ein Polizeisprecher. Bei den Kämpfen waren am Freitag mindestens 47 irakische Soldaten und 39 Terroristen gestorben.

Bis zu 6000 Kämpfer in Mossul

Bei der Offensive gegen die IS-Hochburg wird mit so schweren Kämpfen gerechnet, wie es sie im Irak seit der US-geführten Invasion 2003 gegen den damaligen Machthaber Saddam Hussein nicht mehr gegeben hat. In Mossul sollen sich bis zu 6000 IS-Kämpfer verschanzt halten.

Die Stadt ist die letzte Bastion der Terrormiliz im Irak. Die Millionenstadt steht seit Juni 2014 unter Kontrolle der Extremisten. Sollte die Stadt befreit werden, wäre der IS im Irak militärisch weitestgehend besiegt. Im Nachbarland Syrien beherrscht die sunnitische Terrormiliz allerdings noch immer grosse Gebiete.

Ashton Carter in Bagdad

Das US-Militär lobte die Fortschritte zum Auftakt der Mossul-Offensive. «Wir sehen die Entwicklung positiv, zumal dieser Vorstoss kompliziert ist», sagte ein US-Vertreter. Am Samstag traf US-Verteidigungsminister Ashton Carter zu einem Überraschungsbesuch in Bagdad ein, um sich ein Bild vom Verlauf der Offensive zu machen.

Auf Carters Programm in Bagdad standen unter anderem Gespräche mit dem irakischen Ministerpräsidenten Haider al-Abadi und dem Chef der Anti-IS-Militärkoalition, US-General Stephen Townsend. Den ihn begleitenden Journalisten sagte Carter, nach der Einnahme Mossuls gehe es darum, die Stadt «wiederaufzubauen und zu stabilisieren».

Gaswolke bei Mossul

In der Nähe von Mossul hat eine Schwefelgaswolke bei fast 1000 Menschen Atemprobleme ausgelöst. Die giftigen Gase seien von einer brennenden Fabrik hinübergeweht worden, so ein Mediziner. Das US-Militär geht davon aus, dass der IS die Schwefelfabrik auf ihrem Rückzug angezündet hat.