Irans geistliches Oberhaupt greift USA trotz Atom-Deal an

Irans geistliches Oberhaupt Ajatollah Ali Chamenei sieht in dem historischen Atomabkommen keine Entspannung in den Beziehungen mit den USA. An der iranischen Haltung werde sich nichts ändern, sagte Chamenei.

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Trotz Atomabkommen: Chamenei wettert weiter gegen USA

1:11 min, aus Tagesschau vom 18.7.2015

In einer Rede zum Ende des muslimischen Fastenmonats Ramadan relativierte Ajatollah Ali Chamenei sein Ja zum Atom-Deal: Der Iran werde in der Nahost-Politik weiterhin im Konflikt mit den USA stehen und auch in Fragen der Weltpolitik nicht mit der Regierung in Washington verhandeln, der er Arroganz vorwarf.

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Einschätzung von ZDF-Korrespondent Walpot

3:03 min, aus Tagesschau vom 18.7.2015

Die Gespräche über das Atomprogramm seien eine Ausnahme gewesen. Der Iran werde die Unterstützung für seine Freunde in der Region wie die Palästinenser und die Menschen im Jemen, Irak, Libanon, in Syrien und Bahrain niemals stoppen.

Wie ZDF-Korrepondent Luc Waldpot in der Tagesschau erklärte, stehe Chamenei hinter dem Deal. Er müsse aber Rücksicht nehmen auf Teile der Gesellschaft, die ihm sehr nahe stehen würden – die Hardliner. Und diese würden vom Deal nichts wissen wollen.

Die Vorgeschichte

Der Iran hatte sich am Dienstag mit den fünf Uno-Vetomächten und Deutschland nach jahrelangen Verhandlungen darauf verständigt, sein umstrittenes Atomprogramm zurückzufahren.

Im Gegenzug sollen die Sanktionen schrittweise gelockert werden. Mit der Vereinbarung soll verhindert werden, dass der Iran Atomwaffen bauen kann. Die Islamische Republik hat eine solche Absicht stets bestritten.

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • Trotz Atomabkommen: Chamenei wettert weiter gegen USA

    Aus Tagesschau vom 18.7.2015

    Der Streit um das Atomprogramm ist beigelegt. Weiterhin kritisch gegenüber den USA bleibt aber das geistliche Oberhaupt Irans, Ajatollah Ali Chamenei. Die Vereinbarung von Wien sei kein Grund, den Widerstand gegen die «Arroganz der Amerikaner» einzustellen.

  • Der Graben zwischen Tradition und Moderne

    Aus 10vor10 vom 14.7.2015

    Die historische Einigung im Atomstreit bedeutet voraussichtlich, dass die Kräfte im Iran, die mehr Freiheit und wirtschaftlichen Fortschritt fordern, Aufschwung erhalten. In der bereits zwischen Tradition und Moderne gespaltenen Gesellschaft bedeutet dies eine weitere Vertiefung der Gräben.

  • Historische Einigung im Atomstreit mit Iran

    Aus Tagesschau vom 14.7.2015

    Der Streit um das iranische Atomprogramm ist Geschichte. Iran hat sich in der Nacht mit den fünf Uno-Vetomächten und Deutschland geeinigt. Die Reaktionen in Washington und Teheran sind positiv, jene aus Israel überhaupt nicht. Zudem schätzt ein Experte der ETH Zürich die Bedeutung des Abkommens ein. Mit Einschätzungen von SRF-Korrespondenten Peter Düggeli in Washington und Ben Huwyler in Tel Aviv