Irans neuer Präsident kommt bei der UNO gut an

Mit seiner Rede vor der UNO-Generalversammlung setzt der neue iranische Präsident Rohani den vorläufigen Höhepunkt seiner Charmeoffensive. Es war eine versöhnliche Rede, allerdings auch eine ohne konkrete Zugeständnisse.

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Ruhani: «Iran ist keine Gefahr für die Welt» (engl. Übersetzung)

0:49 min, vom 25.9.2013

Bei Reden ist auch wichtig, was nicht gesagt wird: Der neue iranische Präsident Hassan Rohani hatte kein Wort der Unterstützung für seinen syrischen Verbündeten Baschar al-Assad übrig. Und mit keinem Wort leugnete er den Holocaust – ja, er sagte gar nichts gegen Israel in seiner ersten Rede vor der UNO-Vollversammlung. Stattdessen bekannte sich Rohani zur Chemiewaffenvernichtung in Syrien.

Rohani verspricht volle Transparenz

Auch zum umstrittenen iranischen Atomprogramm wurde der Präsident deutlich. Atomwaffen spielten auch künftig keinerlei Rolle in der iranischen Verteidigungsdoktrin, versicherte er. Zwar beharrte Rohani darauf, dass sein Land das Recht habe, Uran anzureichern. Teheran sei aber zu sofortigen Gesprächen über sein Atomprogramm bereit und wolle dabei alle Unsicherheiten mit «völliger Transparenz» ausräumen.

Rohani machte klar, dass es ihm dabei in erster Linie darum geht, die Sanktionen gegen sein Land loszuwerden, die er als brutal bezeichnete. Er habe der Rede von US-Präsident Barack Obama in der UNO-Generaldebatte sehr genau zugehört. Daher sei er überzeugt, man könne mit den USA ins Gespräch kommen – falls sich dort am Ende nicht doch die Kriegshetzer durchsetzten.

Die UNO-Reden von Rohanis Vorgänger, Mahmud Ahmadinedschad, hatten vor Provokationen gestrotzt. Viele Delegationen verliessen jeweils den Saal. Diesmal war auch das anders. Am Ende erntete der neue iranische Präsident Applaus.

Wiederaufnahme der Atomverhandlungen

Trotz Teherans Charmeoffensive wachsen indes die Bäume nicht in den Himmel. Zwar wäre Obama bereit gewesen, Rohani in New York direkt zu treffen – samt einem symbolträchtigen Händedruck. Doch die Iraner lehnten ab. Die Zeit sei nicht reif. Begegnen sollen sich immerhin die Aussenminister. Auch das ist eine Premiere seit über dreissig Jahren. Und nach langer Funkstille werden die Atomverhandlungen wieder aufgenommen – diese Woche in New York, im Oktober dann in Genf.

(aebn;eglc; zila)

Kritik aus Israel

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu warnte vor einem Täuschungsmanöver der iranischen Führung. «Rohanis Rede enthielt nicht einen einzigen echten Vorschlag, das Atomprogramm zu stoppen und es gab auch keine Zusage, Resolutionen des Sicherheitsrates zu befolgen.»

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • Mässigende Worte

    Aus Tagesschau vom 25.9.2013

    Gestern Nacht trat der neue iranische Präsident Hassan Rohani zum ersten Mal vor den Vereinten Nationen in New York auf - er ist erst seit Juni im Amt. Seine Rede: Ein Signal der Entspannung. Rohani bekräftigte seine Bereitschaft zu einer friedlichen Lösung im Atomkonflikt.

  • UNO-Vollversammlung

    Aus 10vor10 vom 24.9.2013

    Staatschefs von der ganzen Welt treffen sich heute zur 68. UNO-Vollversammlung in New York. Im Mittelpunkt vieler Reden stehen der Konflikt in Syrien und das Tauwetter im Atomstreit mit dem Iran. Auch Bundespräsident Ueli Maurer hat in New York einen Auftritt.

  • Grosse Erwartungen an Rohani

    Aus 10vor10 vom 24.9.2013

    Auch Hassan Rohani wird an der UNO-Vollversammlung zu den anderen Staatschefs sprechen. Der Westen setzt grosse Hoffnungen in den neuen iranischen Präsidenten. Doch ist er – im Gegensatz zu seinem Vorgänger Ahmadinedschad - tatsächlich bereit, die verhärteten Fronten im Atom-Streit aufzuweichen?

  • US-Präsident Obama während seiner Rede vor der Uno-Generalversammlung in New York.

    Barack Obama an der Uno-Generalversammlung in New York

    Aus Echo der Zeit vom 24.9.2013

    Mehr als 130 Staatsoberhäupter treffen sich in New York zur Uno-Generalversammlung. Syrien und Iran sthen zwar nicht auf der offiziellen Agenda, dominieren aber das jährliche Treffen. Die USA spielen dabei eine Schlüsselrolle; deshalb war man gespannt auf die Grundsatzrede des US-Präsidenten.

    Fredy Gsteiger