Irland holt sich finanzielle Souveränität zurück

Der einstige «Keltische Tiger» will schon bald nicht mehr auf die EU-Hilfe angewiesen sein. Ministerpräsident Enda Kenny hat angekündigt, dass sein Land ab Mitte Dezember auf die Unterstützung verzichten will. Das wäre die erste Erfolgsgeschichte der Euro-Rettung.

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Irisches Sparprogramm zeigt Wirkung

0:24 min, aus Tagesschau vom 13.10.2013

Irland will Mitte Dezember als erstes Land den Euro-Rettungsschirm verlassen und dabei auch ohne einen vorsorglichen Kredit auskommen. Ministerpräsident Enda Kenny erklärte auf einem Parteitag vor jubelnden Mitgliedern seiner Fine Gael, die «wirtschaftliche Katastrophe» werde am 15. Dezember beendet sein.

Das bedeute aber nicht, dass die finanziellen Schwierigkeiten vorüber seien. «Wir haben noch einen langen Weg vor uns», betonte Kenny. Dem Land stünden noch unsichere Zeiten bevor. Die «grossen Opfer» hätten sich aber ausgezahlt, so Kenny.

Zuvor hatte Finanzminister Michael Noonan angekündigt, das irische Haushaltsdefizit werde im kommenden Jahr auf 4,8 Prozent der Wirtschaftsleistung sinken. Damit hätte das Land einen Puffer im Fall von Marktturbulenzen.

Opposition äussert sich kritisch

Irland war im November 2010 als zweiter Euro-Staat nach Griechenland mit Hilfen von 85 Milliarden Euro vor der Pleite bewahrt worden. Er habe vor zwei Jahren dem irischen Volk angekündigt, dass er dem Land die wirtschaftliche Souveränität und Unabhängigkeit wiedergeben wolle, rief Kenny seinen Parteifreunden zu. «Dieses Ziel ist nun zum Greifen nah.»

Die Opposition nannte die Freude verfrüht. Kenny solle versuchen, den angeblichen Erfolg des Sparprogramms den Iren nahe zu bringen, die ihre Häuser verlieren könnten, hiess es in einer Stellungnahme von Sinn-Fein-Chef Gerry Adams. Er verwies auf die 415'000 Arbeitslosen im Land und die 300'000 Iren, die ausgewandert seien.