IS bekennt sich erstmals zu Anschlag in Afghanistan

Bei einem Anschlag in Dschalalabad sterben mehr als 30 Menschen. Die Terrormiliz IS bekennt sich in einem Bekennerschreiben zu der Tat. Es wäre der erste in Afghanistan. Weitet sich sein Terror nun aus?

Der Anschlag ereignete sich im Osten des Landes.

Bildlegende: Der Anschlag ereignete sich im Osten des Landes. SRF

Ein Selbstmordattentäter hat im Osten Afghanistans mindestens 33 Menschen getötet. Nach Angaben der Polizei sprengte sich der Mann vor einer Bank in Dschalalabad in die Luft. Mehr als 100 Menschen seien verletzt worden. Zum Zeitpunkt der Explosion warteten nach Polizeiangaben Staatsbedienstete vor der Bank auf die Auszahlung ihrer Gehälter.

Taliban dementieren

Zu dem Anschlag bekannte sich inzwischen die Terrormiliz IS. «Der Angriff wurde von Abu Mohammed verübt, der zu uns gehört», sagte ein Kommandeur des pakistanischen Ablegers der Terrormiliz. Die Tat habe sich gegen Mitarbeiter der Regierung gerichtet.

«Terror bleibt Terror»

Es ist der erste Anschlag des IS in Afghanistan. Was würde es nun für das Land bedeuten, wenn die Terrormiliz nun neben den Taliban an Macht gewinnen würde?

«Ich würde da keinen grossen Unterschied machen», so SRF-Korrespondentin Karin Wenger. Beide Milizen unterschieden sich zwar in ihrer Ausrichtung: «Die Taliban sind eine nationale Bewegung, die für ein islamisches Emirat nur in Afghanistan kämpft. Der IS spricht von internationalem Dschihad. «Aber am Ende», so Wenger, «bleibt Terror Terror.»

Zu befürchten sei nun, dass sich dieser Terror noch ausweite. «Bislang litt die Bevölkerung unter den Gefechten zwischen Taliban und Regierungstruppen», so die Korrespondentin. Gewinne der IS nun an Macht, dürften künftig auch konkurrierende Taliban-Gruppen und die IS-Miliz gegeneinander kämpfen.

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Blutiger Selbstmordanschlag in Afghanistan

1:07 min, aus Tagesschau vom 18.4.2015

Enthauptung von Kämpfern

Auch andere Regionen des Landes wurden am Samstag von Gewalt erschüttert. Im Südosten des Landes verschleppten mutmassliche islamistische Kämpfer fünf Mitglieder der Hasara-Minderheit und enthaupteten sie. Ihre Leichen wurden im Distrikt Malistan in der Unruheprovinz Ghasni gefunden.

Distriktgouverneur Ramin Ali Hedajat vermutete Aufständische mit Verbindungen zur Terormiliz Islamischer Staat (IS) hinter der Tat. Der Vizegouverneur von Ghasni, Mohammed Ali Ahmadi, machte hingegen die Taliban verantwortlich.

Diese hätten versucht, inhaftierte Kämpfer ihrer Organisation freizupressen, doch ihre Forderung sei nicht erfüllt worden. Daraufhin hätten sie ihre Geiseln geköpft, sagte Ahmadi. Bisher hat sich noch niemand zu den Enthauptungen bekannt.