IS bekennt sich zu Anschlag auf Touristen in Tunis

Die Terrormiliz Islamischer Staat hat sich zum blutigen Anschlag auf ausländische Touristen in Tunis bekannt. Neun Verdächtige wurden unterdessen festgenommen.

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Tunesien verschärft Sicherheitsmassnahmen

1:30 min, aus Tagesschau vom 19.3.2015

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Bildlegende: Spezialeinheiten der Polizei suchten am Mittwoch mit Hunden nach den Attentätern. Reuters

Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) übernimmt die Verantwortung für den blutigen Anschlag auf ausländische Touristen in Tunis. In einer am im Internet verbreiteten Audiobotschaft wurden die Angreifer als «Ritter des Islamischen Staates» bezeichnet. Zudem war die Rede von einer «geheiligten Invasion in einen Unterschlupf der Ungläubigen und des Lasters im muslimischen Tunesien».

Seit dem Anschlag auf auf das Nationalmuseum am MIttwoch sind nach offiziellen Angaben neun Verdächtige festgenommen worden. Vier von ihnen stehen laut der Regierung «in direkter Verbindung» mit dem Attentat vom Vortag. Fünf weitere werden verdächtigt, mit der verantwortlichen «Zelle» in Verbindung zu stehen.

Soldaten in allen grösseren Städten

Auf Anweisung von Präsident Bedschi Caid Essebsi wurden ausserdem Soldaten in die grösseren Städte des Landes verlegt. Sie sollen dort die Sicherheit gewährleisten. Die Entscheidung sei nach Beratungen mit der Armeeführung gefallen, erklärte das Präsidialamt.

Inzwischen hat sich die Zahl der Todesopfer nach Angaben des Gesundheitsministeriums weiter erhöht. Insgesamt 25 Menschen seien bei dem Angriff getötet worden, darunter 20 Urlauber, teilte das Ministerium mit. Zuvor war von 17 getöteten Touristen gesprochen worden.

Keine Schweizer betroffen

Die Herkunft der Touristen ist noch nicht eindeutig geklärt, jedoch sind laut den Informationen des Eidgenössischen Departements für Auswärtige Angelegenheiten (EDA) weder Schweizer unter den Todesopfern noch unter den Verletzten.

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Einschätzung von Philip Zahn, SRF-Korrespondent

1:48 min, aus Tagesschau vom 19.3.2015

Nach Angaben der Regierungen in Rom, London, Tokio und Warschau starben vier Italiener, eine Britin, drei Japaner und zwei Polen. Tunesischen Angaben zufolge kamen ausserdem Touristen aus Deutschland, Frankreich, Spanien, Kolumbien, Australien sowie drei Tunesier ums Leben.

Bei zwei Toten handele es sich um von Spezialeinheiten getötete Extremisten, beides Tunesier. Einer sei den Behörden bereits bekannt gewesen. Die Zahl der Verletzten stieg auf 47 an.

Schwerster Anschlag seit der Revolution

Aufatmen konnten Angehörige eines spanischen Paares. Gemeinsam mit einem Tunesier harrte das Paar nach dem Angriff die gesamte Nacht im Museum aus. Sie seien erst am Donnerstag aus ihrem Versteck gekommen, berichtete der tunesische Radiosender Mosaique. Die Spanierin sei im vierten Monat schwanger.

Laut Regierungschef Habib Essid waren die Angreifer in Militäruniformen gekleidet und mit Kalaschnikows bewaffnet. Sie eröffneten demnach das Feuer auf die Touristen, während diese aus ihren Bussen stiegen, und jagten ihnen dann in das Innere des Gebäudes hinterher. Dieses liegt direkt neben dem Parlament.

Das Attentat war der schwerste Terroranschlag in Tunesien seit Beginn des arabischen Aufstands vor mehr als vier Jahren. Das Land ist der einzige arabische Staat, der seitdem den Übergang in die Demokratie geschafft hat. Gleichzeitig kämpft Tunesien mit Extremisten. Im Land kommt es immer wieder zu Gewalt zwischen radikalen Gruppen und Sicherheitskräften, vor allem in den Grenzgebieten. Bislang hat sich keine Terrorgruppe zu dem Anschlag bekannt.

Was bisher bekannt ist

Was bisher bekannt ist

Nach dem Anschlag in Tunis sind noch viele Fragen offen. Hier eine Übersicht über die bisher bekannten Fakten und einige Mutmassungen. Mehr.

Weitere Informationen

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • Tunesiens Touristen werden wiederkommen

    Aus 10vor10 vom 19.3.2015

    Der gestrige Terroranschlag auf das tunesische Nationalmuseum hat 23 Tote und mindestens 44 Verletzte gefordert. Heute hat sich ein angeblicher Sprecher der Terrororganisation IS zum Attentat bekannt. Durch die unsichere Lage wird ein Einbruch der Touristenzahlen befürchtet. Doch wie Recherchen von «10vor10» zeigen, kehren die Touristenströme meist überraschend schnell wieder zurück.

  • Tunis nach dem Anschlag

    Aus Tagesschau vom 19.3.2015

    In der Hauptstadt Tunesiens ist ein Tag nach dem Anschlag das Sicherheitsaufgebot massiv aufgestockt worden. Sämtliche Touristen-Attraktionen und Strassen werden streng bewacht. Eindrücke von SRF-Sonderkorrespondent Philipp Zahn in Tunis.

  • Viele Menschen haben am Mittwochabend ihre Solidarität mit den Opfern des Attentats in Tunis bekundet. Auf den Plakaten steht: «Nein zu Terroristen».

    Tunesien nach dem Attentat

    Aus Rendez-vous vom 19.3.2015

    Das Entsetzen nach dem Terroranschlag im berühmten Bardo-Nationalmuseum in Tunis ist weltweit gross. Tunesien kämpft schon seit einiger Zeit gegen radikale Islamisten. 500 Kämpfer aus den Reihen des «Islamischen Staats» sollen in letzter Zeit nach Tunesien zurückgekehrt sein.

    Wie gross ist die Gefahr, die von ihnen ausgeht?

    Daniel Voll

  • FOKUS: Terror in Tunis

    Aus 10vor10 vom 18.3.2015

    Bei einem Terroranschlag in Tunesien sind heute mindestens 17 Touristen umgekommen. Ausgerechnet in Tunesien, das als das stabilste Land gilt seit dem Ausbruch des arabischen Frühlings. Einschätzungen von Maghreb-Kenner Beat Stauffer im Studio und von SRF-Korrespondent Philipp Zahn in Tunis.

  • FOKUS: Dschihadismus-Problem in Tunesien

    Aus 10vor10 vom 18.3.2015

    Der Anschlag soll also von Dschihadisten begangen worden sein. Der Dschihadismus ist in Tunesien schon lange ein Problem. Ein Problem, das die tunesische Armee seit langem bekämpft, allerdings nur wenige Erfolge erzielt hat. Mit Einschätzungen von Maghreb-Kenner Beat Stauffer im Studio.