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Eine ägyptische Militärpatrouille im Sinai
Legende: Eine ägyptische Militärpatrouille im Sinai. Keystone/Archiv
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International IS-Vormarsch: «Sinai wurde von Ägypten gezielt vernachlässigt»

Dschihadisten haben gestern Militärposten auf der Sinai-Halbinsel angegriffen. Man habe die Lage aber unter Kontrolle gebracht, behauptet die Armee. Die Journalistin Astrid Frefel zweifelt allerdings an diesen Aussagen. Die Unterdrückung der Islamisten sei ein Misserfolg, sagt sie.

SRF news: Weiss man inzwischen, was im Sinai gestern genau passiert ist?

Astrid Frefel: Ereignisse auf dem Sinai sind immer sehr schwer einzuordnen, weil es keine unabhängigen Informationsquellen gibt. Gestern sind mehrere Dutzend Dschihadisten mit schweren Waffen über militärische Einrichtungen hergefallen. Am Abend erklärte die Armee dann, sie habe die Kontrolle über das Gebiet wieder erlangt. Es gab aber auch Militärexperten, die von Lücken in der Bereitschaft der Armee sprachen.

Das Militär behauptet, es habe die Situation im Griff. Kann man ihm glauben?

Es ist schwierig, weil es wie gesagt keine unabhängigen Informationen gibt. Auch sagt das Militär schon seit längerer Zeit immer wieder, man habe die Situation im Griff. Es werden jeweils hohe Zahlen von Opfern, Verhafteten und ausgehobenen Stellungen genannt. Dennoch flammen die Kämpfe regelmässig wieder auf.

Seit dem Sturz des ägyptischen Präsidenten Mohammed Mursi versucht die Regierung, die Islamisten auf der Sinai-Halbinsel zurückzuschlagen. Warum gelingt es ihr nicht?

Seit der Entmachtung der Islamisten im Jahr 2013 haben die Dschihadisten ihre Anschläge gegen Einrichtungen des neuen Regimes massiv ausgeweitet. Auch haben sie weiteren Zulauf erhalten. Die Wurzeln des Sinai-Konflikts liegen aber Jahrzehnte zurück. Nach der Rückgewinnung des Gebietes von Israel wurde die Region gezielt vernachlässigt, weil man den lokalen Beduinen die Loyalität zum ägyptischen Staat abgesprochen hat.

Armut, Unterdrückung und das Gefühl, Bürger zweiter Klasse zu sein, waren das Resultat. Das ist natürlich ein fruchtbarer Boden für die Rekrutierung von Terrororganisationen. In den letzten Jahren kamen forcierte Umsiedlungen an der Grenze und Ausgangssperren dazu. Diese Massnahmen haben den Hass auf die Regierung in Kairo weiter verstärkt.

Gestern Abend hat nun das ägyptische Regierungskabinett einer Verschärfung des Anti-Terrorgesetztes zugestimmt. Was für Folgen könnte diese Gesetzesänderung haben?

Das neue Anti-Terrorgesetz hat vor allem eine ausufernde Definition von Terror.

Das neue Anti-Terrorgesetz hat vor allem eine ausufernde Definition von Terror. Alles, was die öffentliche Ordnung stört oder irgendjemandem schadet, ist Terrorismus. Hinzu kommen drastisch verschärfte Strafen. Präsident Abdel Fattah al-Sisi hat bei der Beerdigung des ermordeten Staatsanwaltes gefordert, dss die Vollstreckung der Todesurteile beschleunigt werde. Gestern wurde nun offenbar auch die Strafprozessordnung angepasst: Es gibt nur noch eine Rekursmöglichkeit. Damit werden die Verfahren beschleunigt. Das könnte auch für die Muslimbrüder gelten, die in erster Instanz zum Tode verurteilt wurden.

Wie der frühere ägyptische Präsident Mubarak setzt Präsident Sisi also bei den Islamisten auf Unterdrückung durch Militär und Justiz. Kann er mit dieser Strategie Erfolg haben?

Die Entwicklung in den letzten beiden Jahren mit der grossen Unterdrückung der Islamisten ist ein klarer Misserfolg. Die radikalen und gewaltbereiten Elemente vor allem unter den Jugendlichen werden immer stärker. Gleichzeitig ist aber mit der Ermordung des Generalstaatsanwaltes und dem Tod von Dutzenden Soldaten in breiten Kreisen der Bevölkerung viel Hass und Wut neu aufgeflammt.

Sisi muss nun also wieder Härte zeigen. Die Vollstreckung von Todesurteilen gegen Muslimbrüder könnte ein Mittel dafür sein. Stimmen, die von diesem Teufelskreis warnen und politische Lösungen einfordern, gehen völlig unter.

Das Gespräch führte Tina Herren.

Mehr zum Thema:

Bei einer Anschlagsserie auf der Sinai-Halbinsel sind am Mittwoch mindestens 100 Menschen getötet worden. Zu den Taten bekannte sich der ägyptische Ableger der radikalen IS-Miliz, die Sinai-Provinz. Es handelt sich um den schwersten Gewaltausbruch im Sina seit 2003. Mehr erfahren Sie hier.

Astrid Frefel

Portrait von Astrid Frefel

Die Journalistin lebt und arbeitet seit Ende der Neunzigerjahre in Kairo. Davor war die Ökonomin aus Basel Wirtschaftsjournalistin für verschiedene Zeitungen und berichtete als Korrespondentin für den «Tages-Anzeiger» aus Wien und Istanbul.

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6 Kommentare

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  • Kommentar von B. Kerzenmacher, Frauenfeld
    Der Islamische Staat hat jetzt auch noch eine Rechtsabteilung bekommen, da wissen die Spender in Europa für welche Zwecke ihr Geld eingesetzt wird. Auf die freundlichen Waffen- und Geldlieferungen von KSA über den Irak können die Islamisten ebenfalls weiterhin voll vertrauen. Das ist der "regime change" durch die Hintertür, schmutzig und brutal, so wie man es im Westen nicht erst seit Jugoslawien kennt. Immerhin meckert jetzt keiner wie bei Irak und Afghanistan.
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  • Kommentar von E. Jenni, Ottikon
    Die Journalistin Astrid Frefel ist sehr umstritten, da sie seit Jahren sehr linkslastig und einseitig anti-israelisch berichtet, notabene aus Kairo und nicht aus Jerusalem, wenn es um Handlungen in Israel ging. Dies sagt schon einiges aus über ihre Haltung. Auch in diesem Bericht erwähnt sie mit keinem Wort, dass der Sinai Anfang der 80er Jahre in einem Friedensabkommen mit Ägypten, von Israel zurückgegeben wurde! Auch die gewaltsame Vertreibung der Hamas durch die ägypt. Armee wird nie erwähnt!
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  • Kommentar von christian strahm, aarau
    Sisi braucht keine Härte zu zeigen. Er sollte sich besser Lektionen in bürgerfreundlicher Politik nehmen und sich ein Beispiel nehmen am ersten demokratisch gewählten Präsidenten Ägpytens. Die Medienschelten an Mursi sind legendär, während Sisi seltsamerweise noch leer ausgeht.
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    1. Antwort von Dieter Mattmüller, Zürich
      Den Minderheiten (z.B. den Christen) geht es unter Sisi bedeutend besser. Unter Mursi erlebten Christen noch mehr Willkür als vorher - soll man sich daran ein Beispiel nehmen?
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