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International Isis-Kämpfer rücken auf Bagdad vor

Die Terrorgruppe Isis hat ihre Kämpfer mobilisiert. Der Vormarsch im Osten und im Norden des Iraks geht weiter: Nach Mossul kontrollieren sie nun auch die Stadt Tikrit. Die Dschihadisten nähern sich Bagdad. Die türkische Regierung prüft derweil einen Militäreinsatz.

Legende: Video Islamisten im Irak auf dem Vormarsch abspielen. Laufzeit 1:59 Minuten.
Aus Tagesschau am Mittag vom 12.06.2014.

Bestürzt und überfordert: Die internationale Diplomatie hat den Vormarsch der radikalen Islamisten im Irak nicht erwartet. Sie reagiert entsprechend hilflos.

UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon rief am Mittwochabend vage zu Einheit und internationaler Solidarität auf. Die USA versprachen der irakischen Regierung militärische Unterstützung im Kampf gegen die Isis, die Terrorgruppe Islamlischer Staat im Irak und in Syrien. Konkret wurde die US-Regierung dabei aber nicht.

Isis-Kämpfer rücken vor

Unterdessen sind die aufständischen Dschihadisten am Donnerstag bis auf 60 Kilometer an die Hauptstadt Bagdad herangerückt. Die Kämpfer der sunnitischen Gruppe Islamischer Staat im Irak und Syrien (Isis) eroberten die Stadt Dhuluijah, nördlich von Bagdad.

Das berichteten übereinstimmend ein Stadtrat, die Polizei und Augenzeugen. Isis-Sprecher Abu Mohammed al-Adnani kündigte an, die Isis-Einheiten würden weiter auf Kerbela und nach Bagdad vorrücken.

Die Isis-Einheiten umgingen bei ihrem Vormarsch am Donnerstag die Stadt Samarra, nachdem sie am Mittwoch mit dem Versuch gescheitert waren, die Stadt zu erobern. Bei ihrer Blitzoffensive hatten die Dschihadisten in den vergangenen Tagen die Millionenstadt Mossul und Tikrit eingenommen. Hunderttausende Iraker flohen vor den Kämpfen. Isis kämpft auch gegen die Regierung im benachbarten Syrien und will die eroberten Gebiete über die Grenze hinweg zu einem islamischen Staat verschmelzen.

Wie stark ist die irakische Armee?

In Bagdad trat das Parlament derweil zu einer Krisensitzung zusammen. Die Abgeordneten wollten über einen Antrag von Ministerpräsident Nuri al-Maliki beraten, den Ausnahmezustand auszurufen.

Al-Maliki beschwört unterdessen die kampfbereitschaft seiner Armee. Er spricht vom baldigen Sieg seiner Truppen. In der Realität sieht es anders aus: Die irakische Armee hat den Dschihadisten wenig entgegenzusetzen. Mossul und Tikrit werden von der Isis kontrolliert. Nicht klar ist die Lage in Baidschi, wo die grösste Ölraffinerie des Landes steht. Kurdische Peshmergas sollen sich bereit erklärt haben, an der Seite der irakischen Armee gegen die Dschihadisten zu kämpfen, melden Nachrichtenagenturen.

Ein Mann mit Frau und Kind, Plastiktüte in der Hand und Handy am Ohr, geht an zwei Soldaten vorbei.
Legende: Die Politik scheint machtlos: Eine halbe Million Menschen sind auf der Flucht, Dutzende Geiseln sitzen fest. Keystone

Kurdischen Angaben zufolge hat die irakische Armee die Öl-Stadt Kirkuk im Norden des Landes aufgegeben. Kurdische Sicherheitskräfte hätten die Stadt unter ihre Kontrolle gebracht, teilte einer ihrer Sprecher mit. Die irakische Regierung hatte angekündigt, zusammen mit der Regionalregierung in Kurdistan die Rebellen zu bekämpfen.

Türkei prüft Militäreinsatz

Nach der Geiselnahme von 80 türkischen Staatsbürgern durch Islamisten im Irak prüft die Regierung in Ankara die rechtlichen Voraussetzungen für einen Militäreinsatz im Nachbarland. «Die Diskussion dreht sich unter anderem um die Frage, ob das bisherige Mandat ausreicht oder ob ein neues Mandat benötigt wird», sagte Justizminister Bekir Bozdag. Derzeit arbeite die Regierung aber nicht an einem neuen Mandat.

Das türkische Parlament hat die Regierung dazu ermächtigt, das Militär gegen kurdische Rebellen im irakischen Grenzgebiet einzusetzen. Dieses Mandat läuft im Oktober aus.

Isis nimmt türkische Geiseln

Die 80 Türken waren in den vergangenen Tagen von Kämpfern der Islamistengruppe Isil verschleppt worden. Bei einem Angriff auf das türkische Konsulat in Mossul wurden am Mittwoch 49 Menschen verschleppt, darunter der Konsul mit seiner Familie sowie Spezialeinsatzkräfte der Armee. Bereits am Dienstag hatten die Islamisten 31 türkische Lastwagenfahrer in der zweitgrössten irakischen Stadt entführt. Die Terroristen hätten die Männer wieder freigelassen, berichteten türkische Medien am Donnerstag. Außenminister Ahmet Davutoglu drohte mit Vergeltung, sollte den Geiseln etwas zustoßen.

Das nur 120 Kilometer von der türkischen Grenze entfernte Mossul ist für die Türkei historisch und politisch von grosser Bedeutung: Die Türkei versteht sich als Schutzmacht der turkmenischen Minderheit dort. 500'000 Einwohner sind seit der Eroberung durch die Isis am Dienstag aus Mossul geflohen.

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19 Kommentare

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  • Kommentar von tom Rosen, erlenbach
    Was geht uns das irakische, libysche oder syrische Volk an? Was würden diese Völker gegen Despoten in Europa tun? Sie sind nicht schlechter oder besser, die Menschen dort haben das gleiche Recht auf ein würdiges Leben. Aber auch wir brauchten viele hundert Jahre, um unsere Despoten gegen Politiker zu tauschen (und ist das besser?). Fragt mal die Iraker und Libyer heute, was sie lieber hätten. Despoten und "Frieden" oder Dschihadisten und Krieg.
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  • Kommentar von Michael Hunziker, 4456 Tenniken
    Irgendwann wird der letzte Friedensapostel in diesem Land begreifen, dass es immer noch Gruppen gibt, die sich einen Dreck um Menschenrechte (nach unserer Definition) scheren und Gesprächsangebote als Zeichen der Schwäche betrachten. Diese Gruppierungen, die zurzeit vor allem im islamischen Kulturkreis auftreten, zeigen nur Respekt, wenn sie physischen Widerstand spüren. Konkret, der Westen muss sich mit seinen Waffen Respekt verschaffen, sonst geben die keine Ruhe.
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    1. Antwort von Martin Lopez, Zürich
      Herr Hunziker, sie sollten sich einmal ein wenig mit dem Thema "Blowback" befassen. Wer bitte hat das Land unter Vorhaltung falscher Vorwürfe angegriffen und destabilisiert? War dies mit den Menschenrechten nach unseren Definitionen kompatibel? Das humanitäre Desaster welches im Irak und anderen Ländern angerichtet wurde, hat zur Folge, das sich die Menschen radikalisieren lassen. Gutheissen tue ich es nicht. Aber wir müssen anerkennen, das unser Westen hier Mitschuld trägt.
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  • Kommentar von A. Flury, Luterbach
    Immer diese Ami-Hass-Hetzerei in den Kommentaren. Bin auch mit nicht mit deren Politik einig, finde aber dass hier mal gebremst werden müsste, oder dass wenigstens nach einer Behauptung, ein Beweis in Form einer Quellenangabe folgen müsste. Woher wisst ihr denn, was andere offenbar nicht wissen? Weitergeben von Halb-Wissen kann sehr gefährlich sein!
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    1. Antwort von Meier H, Zürich
      Ich bin USA Freund, aber was die Kriegstreiberei angeht, NICHT. Seit dem 2.WK sind die USA ohne Unterbruch im Krieg. Diese Feststellung hindert niemanden daran die USA zu lieben, aber sicher nicht wegen der Kriegstreiberei! wenn sie schon nicht vor ein Kriegsverbrecher Tribunal gestellt werden können, dann wenigstens aktive Friedenspolitik betreiben.
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    2. Antwort von Alois Wutz, Gerlafingen
      Da muss man differenzieren zwischen dem Volk einerseits und der Regierung andererseits. Kriegstreiber sind vor allem jene, die davon profitieren und die findet man vor allem in der Politik. Meiner Meinung nach repräsentiert die Classe politique der USA keinesfalls das amerikanische Volk.
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