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Ein Mann mit einem Maschinengewehr bewacht betende Muslime.
Legende: «Die Angriffe während des Ramadans werden zunehmen», sagt eine Irak-Kennerin über Isis. Keystone
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International «Isis könnte Al-Kaida als Terrorgruppe übertrumpfen»

Die Terrorgruppe Isis will Fakten schaffen und hat in den Gebieten, die er im Irak und in Syrien beherrscht, einen islamistischen Staat ausgerufen. Das steht in einer Erklärung, die am Sonntag veröffentlicht wurde. Irak-Kennerin Inga Rogg sagt, was dieses Kalifat bedeutet.

SRF: Was bedeutet die Ausrufung eines Kalifats, eines islamistischen Staats, überhaupt?

Inga Rogg: Es bedeutet, dass der Isis eine enorme Macht beansprucht. Er behauptet, dass er das Kalifat, einen islamistischen Staat, wie es zurzeit nach dem Tod des Propheten Mohammed existierte, wiederhergestellt habe. Damit beansprucht die Gruppe die Führung in der islamischen Welt, ja die Führung aller Muslime.

Ist das nicht einfach Propaganda? Oder kontrolliert der Isis die Gebiete im Nordirak und in Syrien tatsächlich so stark, dass er einen Staat ausrufen kann?

Da ist natürlich unglaublich viel Propaganda dabei. Die geht hauptsächlich an die Adresse anderer Dschihadistengruppen. Die Botschaft lautet: ‹Jetzt übernehmen wir die Führung. Wir haben diesen Staat, nach dem die Muslime streben.› Der Isis kontrolliert einzelne Gebiete, zum Beispiel bei Raka im Norden Syriens. Aber im Irak ist die Kontrolle bei Weitem noch nicht so gefestigt wie in Raka. Da muss diese Gruppierung erst einmal beweisen, dass sie in der Lage ist, dieses Kalifat in der Praxis zu realisieren.

In der Erklärung des Isis heisst es, der Anführer Abu Bakr al-Bagdadi sei nun der Imam und Kalif aller Muslime. Hat er die nötige Autorität, damit die Sunniten ihm folgen werden?

Unter der Mehrheit der Muslime hat er die sicher nicht. Die Extremisten repräsentieren insgesamt gesehen nur eine Minderheit der Muslime. Aber die grosse Frage ist, ob es Bagdadi, nun als sogenannter Kalif, gelingt, die anderen Dschihadistengruppen zu übertrumpfen? Im Sinne von: Ich habe vollbracht, was niemand anderes bisher konnte. Es gibt bereits einzelne Gruppierungen von Südasien bis nach Westafrika, die Bagdadi ihre Gefolgschaft angekündigt haben. Wenn es ihm gelingen sollte mit dieser Erklärung einen neuen Schub auszulösen, könnte er tatsächlich die Al-Kaida, die bisher führende Terror- und Extremistengruppe, in den Schatten stellen.

Die Ausrufung des Kalifats hat Isis auf den Anfang des Fastenmonats Ramadan gesetzt. Was heisst das für den Konflikt im Irak, dass jetzt Ramadan ist?

Der Ramadan ist ein heiliger Monat. Er ist auch der Monat des Friedens. Während des Ramadans wurden sehr oft Waffenstillstände geschlossen. Auf der anderen Seite sehen die Extremisten den Ramadan aber vor allem als Monat, in dem man den Dschihad, den heiligen Krieg, intensiviert, in dem er besonders gesegnet ist. Die Extremisten hatten angekündigt, dass sie bis zum Ende des Ramadans Bagdad einnehmen werden. Insofern muss man davon ausgehen, dass Anschläge in der kommenden Zeit also eher zunehmen werden.

In Tikrit haben sich die irakische Armee und der Isis heftige Kämpfe geliefert. Tikrit ist eine strategisch wichtige Stadt. Kommt die irakische Armee bei ihrem Kampf gegen Isis voran?

Soviel ich weiss, ist sie nicht sehr weit vorangekommen. Laut meinen Quellen steht die Armee jetzt etwa 20 Kilometer vor Tikrit. Das ist für die Armee peinlich. Denn die Regierung hat schon vor zwei Tagen behauptet, sie habe Tikrit eingenommen. Nun musste sie einräumen, dass sie auf erbitterten Widerstand stösst. Wenn es der irakischen Regierung nicht gelingt, Tikrit schnell unter Kontrolle zu bringen, sondern sich in einen lange dauernden Kampf verwickelt, dann dürfte das eher den Isis als die Regierung stärken.

Das Interview führte Marc Allemann.

Inga Rogg

Inga Rogg

Inga Rogg ist NZZ-Journalistin und lebt zeitweise im Irak. Seit 2003 berichtet sie für die NZZ und die «NZZ am Sonntag» aus dem Irak, seit 2009 ist sie auch für SRF im Einsatz.

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7 Kommentare

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  • Kommentar von F. Zuber , Solothurn
    Das sind bei Weitem keine Muslime. In den vier heiligen Monat des islamischen Mondkalenders sind jedwede Kriegshandlungen untersagt. So viel dazu, dass der ISIS aus Muslimen besteht. Das sind nur psychisch kranke Mörder, die auf barbarische Weise Unschuldige exekutieren.
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    1. Antwort von Björn Christen , Bern
      ISIS mögen kranke Mörder sein, aber letztendlich sind sie nichts anderes als die Manifestation des puren Ur-Islams, wie ihn der sog. Prophet Mohammed vor 1400 Jahren vorlebte. Er überzog mit seiner Jihad-Armee die arabische Halbinsel und brachte Terror und Schrecken (man lese Sahih al-Bukhari 4.52.220) und veranstaltete ähnliche Gräuel, inkl. Kopf abschneiden, wie man sie von ISIS auch kennt.
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    2. Antwort von Sandro Müller , Zürich
      Björn Christen / Ich habe einige Ihrer Beiträge gelesen. Es ist sehr offensichtlich, dass Sie ein Problem mit dem Islam haben und deshalb ständig immer dasselbe Hetzspielchen spielen. Sie bringen ständig Behauptungen ohne irgendeine Form einer authentischen Quelle. Bringen Sie doch beispielsweise die Quellenangabe von Sahih al-Bukhari 4.52.220. Und woher nehmen sie diese Informationen bezüglich des Kopf Abschneidens?
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    3. Antwort von F. Zuber , Solothurn
      Herr Christen, bitte lesen Sie doch die Biographie vom Propheten Mohammed, geschrieben von Martin Lings. Zählt zu den besten. Kann ich nur empfehlen. Dann sprechen Sie nicht mehr so in 08/15-Islamophobie und 9/11-Propaganda.
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  • Kommentar von peter müller , zürich
    Die komplette Ueberschätzung des ISIS. Die haben keine relevanten Waffen, weder Panzer noch nicht mal gepanzerte Fahrzeuge noch Schutzwesten. Der ISIS hat viel Geld aus Saudiarabien dem Staat der Terrorfinanzierung. Sobald die Irakische Armee endlich ernst macht mit Ihrer Ausrüstung werden Sie den ISIS in deren Einzelteile zerlegen. Der Anfang ist nun mit den SU 25 gemacht. Tikrit hat gerade mal 250'00 Einwohner bei über 30 Mio. Iraker - so relevant kann diese Stadt nicht sein.
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    1. Antwort von Christoph Brunner , Uri
      Nein es geht nicht um eine Überschätzung der ISIS, sondern um Massen-Manipulation und um Angst zu schüren. "Der ISIS hat viel Geld aus Saudiarabien dem Staat der Terrorfinanzierung" woher willst du das wissen? "den ISIS in deren Einzelteile zerlegen" das bedeutet, obwohl du absolut nichts ausser dem, was in den Medien über diese Personen berichtet wird, dir wünschst, dass die irakische Armee diese Menschen in deren Einzelteile zerlegt? Einfach nur krank.
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  • Kommentar von Eric Boule , Amsterdam
    Schwierige Situation f Natolaender USA,UK,FR,DE,NL+Israel die in Syrien diese Rebellen unterstuetzt haben i/d Hoffnung Assad zusturzen.Jetzt stellt sich heraus dass man etwas geschafft hat das die ganze Region bedroht inkl. Israel+EU.Wieder einmal=bewiesen das Plaene v/d US-NatoExperten zum Untergang fuehren+das Nato schnellstens in eine EU-Organisation veraendert werden muss nur f EU-Belange
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