Israel erneut unter Beschuss

Die Gefechte zwischen Israel und den palästinensischen Extremisten werden immer heftiger. Rufe nach einer Feuerpause verhallen ungehört. Ein israelisches Kommando greift die Hamas erstmals am Boden an.

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Punktuelle Bodenoffensive in Gaza

0:51 min, aus Tagesschau am Mittag vom 13.7.2014

Auch am Sonntagmorgen gab es wieder Raketenangriffe militanter Palästinenser, unter anderem auf den internationalen Flughafen Ben Gurion bei Tel Aviv. Die Raketenabwehr fing die Geschosse ab, andere landeten auf unbewohntem Gebiet.

Eine Kommandoeinheit der israelischen Marine war in der Nacht an der Küste des Gazastreifens gelandet. Sie seien dort gegen Abschussrampen vorgegangen, von denen Raketen mit längerer Reichweite auf Israel abgefeuert worden seien, sagte ein Militärsprecher. Die Abschussanlage sei zerstört worden und die Operation beendet.

Schusswechsel am Strand

Im israelischen Militärradio hiess es, die Bodentruppen seien in der Nähe von Gaza-Stadt eingesetzt worden. Vier israelische Soldaten seien bei der ersten Kampfhandlung mit Hamas-Kämpfern am Boden seit Beginn der Militäraktion leicht verletzt worden, schrieb die Zeitung «Times of Israel».

Laut Palästinensern wurden drei Hamas-Kämpfer getötet. Der Schusswechsel habe an einem Strand im nördlichen Gazastreifen stattgefunden.

In Vorbereitung grösserer Angriffe rief Israels Armee am Sonntag die Einwohner des nördlichen Gazastreifens über Flugblätter dazu auf, ihre Wohngebiete bis zum Mittag zu räumen.

Die meisten Raketen auf Israel würden aus dieser Gegend um Beit Lahia abgefeuert, erklärte ein israelischer Militärsprecher.

Schlimmster Luftschlag

Bei einem israelischen Luftangriff in der Stadt Gaza starben am Samstagabend 18 Menschen und rund 50 weitere wurden verletzt. Unter den Toten war nach Angaben von Sanitätern auch der Polizeikommandeur des Gazastreifens, Taisir al-Batsch. Der Leiter der Rettungskräfte im Gazastreifen erklärte später jedoch, der Polizeichef lebe noch, sei aber schwer verletzt. Es sei der schlimmste Angriff auf das Palästinensergebiet seit Beginn der israelischen Luftoffensive gewesen.

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Luftangriff auf den Gazastreifen

1:09 min, vom 12.7.2014

Augenzeugen berichteten, Israels Luftwaffe habe zunächst eine Warnrakete abgefeuert. Dann sei das Haus von Al-Batsch von zwei Raketen zerstört worden. In einer benachbarten Moschee seien zahlreiche Menschen getötet und verletzt worden, die dort beteten.

Raketentreffer in Israel

Hamas-Kämpfer im Gazastreifen feuerten am Samstagabend erneut mehrere Raketen auf Tel Aviv und andere Ziele in Israel ab. In der Grossstadt heulten die Alarmsirenen, viele Bürger begaben sich in Schutzräume und andere gesicherte Zonen. Eine Armeesprecherin berichtete, dass die Raketenabwehr drei der Geschosse abgefangen habe.

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Iron Dome fängt Rakete ab (storyful/Timothey Sleptsov/unkomm.)

0:32 min, vom 12.7.2014

In Tel Aviv waren mehrere Detonationen zu hören – offenbar die Abschussgeräusche des Abwehrsystems «Eisenkuppel». Auch in Jerusalem und anderen Teilen Israels heulten am Abend und in der Nacht erneut die Sirenen.

Angriffs-SMS von Hamas

Die Kassam-Brigade, der militärische Arm der Hamas, hatte die Angriffswelle zuvor über SMS-Botschaften und via Twitter angekündigt. Damit sollte der Tod eines Neffen des Gaza-Ministerpräsidenten Ismail Hanija vergolten werden, der am Samstag bei einem israelischen Luftangriff ums Leben gekommen war.

Am Samstagabend wurden laut Armee zudem erneut auch zwei Raketen vom Libanon aus auf Israel abgeschossen. Sie landeten nördlich der Stadt Naharija auf freiem Feld. Berichte über Schäden oder Verletzte gab zunächst nicht.

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Der «Iron Dome» im Einsatz

0:44 min, vom 10.7.2014

«Lange Tage des Kämpfens»

Der israelische Verteidigungsminister Mosche Jaalon sagte nach Medienberichten, Israel bereite sich auf weitere «lange Tage des Kämpfens» vor. Israel will nach den Worten von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu solange weiter die Hamas-Kämpfer und ihre Stellungen im Gazastreifen angreifen, bis die Islamisten keine Raketen mehr Richtung Israel abfeuern.

Am sechsten Tag der israelischen Luftangriffe stieg die Zahl der Toten auf 163.

Prosteste in Deutschland

Tausende von Menschen haben in deutschen Städten gegen die Besatzungspolitik Israels und die Angriffe auf den Gazastreifen demonstriert. In Frankfurt gingen am Samstag laut der Polizei rund 2000 Menschen auf die Strasse, in Berlin 1500 und in München etwa 1100. In Frankfurt und Berlin kam es zu Zusammenstössen mit der Polizei.

Krisendiplomatie im Gang

Am Sonntag treffen die Aussenminister von Deutschland, USA, Grossbritannien und Frankreich am Rand der Atomgespräche in Wien zusammen, um Möglichkeiten für eine Waffenruhe zu erkunden. Die Arabische Liga berief für Montag ebenfalls eine Krisensitzung in Kairo ein.

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • Keine Entspannung in Nahost

    Aus Tagesschau vom 12.7.2014

    Israels Luftwaffe ist in der Nacht erneut Angriffe auf Ziele im Gazastreifen geflogen. Laut palästinensischen Angaben kamen dabei mehrere Menschen ums Leben. Insgesamt sei die Opferzahl auf Seite der Palästinenser auf über 120 gestiegen.

  • Obama bietet Israel Unterstützung an

    Aus Tagesschau vom 11.7.2014

    US-Präsident Obama hat in der Nacht mit dem israelischen Ministerpräsidenten Netanjahu telefoniert und hat ihm angeboten, bei der Vermittlung eines Waffenstillstands zu helfen. Seit Anfang Woche haben palästinensische Militante über 500 Raketen aus dem Gaza-Streifen nach Israel abgeschossen, sagt die israelische Armee. Bei einem Raketen-Einschlag in Süd-Israel wurde gemäss israelischen Medienberichten eine Person schwer verletzt.

  • Überlebende suchen nach Verschütteten nach einem israelischen Luftangriff in Rafah im südlichen Gazastreifen am 11. Juli 2014.

    Gaza: Wut in der Zivilbevölkerung wächst

    Aus Rendez-vous vom 11.7.2014

    Israel und die Hamas versuchen sich gegenseitig mit Raketen in die Knie zu zwingen. Dazwischen steht die Zivilbevölkerung. In Gaza leben die Menschen seit Tagen praktisch unter Dauerbeschuss. Dabei sterben auch Unbeteiligte. Das schürt die Wut. Stimmen aus dem Gazastreifen.

    Philipp Scholkmann