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International «Israel feuert in hoher Frequenz Raketen auf Gaza ab»

Der Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern hat in zwei Wochen schon mehr als 500 Menschenleben gefordert – und der Konflikt geht unvermindert weiter. Ban Ki Moon rief bislang vergebens zu Zurückhaltung auf: SRF-Korrespondent Pascal Weber berichtet von heftigem Artilleriefeuer auf Gaza.

Legende: Video «Kämpfe in Gaza gehen weiter» abspielen. Laufzeit 16:00 Minuten.
Aus Tagesschau vom 21.07.2014.

Der Gaza-Krieg hat in zwei Wochen schon mehr als 500 Menschenleben gefordert, darunter nahezu 100 Kinder. Und der Konflikt droht noch blutiger zu werden. Die israelische Bodenoffensive gegen militante Palästinenser im Gazastreifen entwickelt sich immer mehr zu einem verlustreichen Häuserkampf.

Legende: Video «Ban Ki Moon fordert Zwei-Staaten-Lösung» abspielen. Laufzeit 1:27 Minuten.
Aus Tagesschau vom 21.07.2014.

Der UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon reiste angesichts der dramatischen Lage in die Region. Er forderte einen sofortigen Waffenstillstand im Gazastreifen. Und er fand ungewohnt deutliche Worte, gerichtet an Israel: «Israel muss Zivilisten viel besser schützen», monierte Ban.

Auch US-Aussenminister John Kerry flog nach Kairo, um zunächst mit Regierungsvertretern in Kairo zu beraten. Ägypten hat mehrfach erfolgreich zwischen Israel und der Hamas vermittelt.

Legende: Video «SRF-Korrespondent Weber: Israelis stehen hinter ihrer Regierung» abspielen. Laufzeit 1:57 Minuten.
Aus Tagesschau vom 21.07.2014.

Eine Entspannung der Lage ist jedoch nicht in Sicht. Es könnten noch schwere Tage bevorstehen, kündigte der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu eine Ausweitung der Offensive an. «Wir werden so lange weitermachen wie nötig», sagte er.

Palästinenserpräsident Mahmud Abbas und Hamas-Führer Chaled Maschaal forderten bei einem Treffen in Katars Hauptstadt Doha ein Ende der «israelischen Aggression» und eine Aufhebung der Blockade des Gazastreifens. Sie vereinbarten zudem, die Gespräche über eine Waffenruhe mit den verschiedenen palästinensischen Gruppen und den internationalen Partnern fortzuführen.

SRF-Korrespondent Pascal Weber glaubt nicht an einen schnellen Erfolg der aktuellen Friedensbemühungen, wie er in der Tagesschau sagte. Auf Twitter meldete Weber, dass heftiges Artilleriefeuer in hoher Frequenz auf Gaza niederprassle.

Spital unter Beschuss

Israel nahm mittlerweile selbst Spitäler ins Visier. Bei israelischem Artilleriebeschuss einer Klinik kamen nach palästinensischen Angaben vier Menschen ums Leben und etwa 50 wurden verletzt. Ein Grossteil der Opfer gehörten zum medizinischen Personal der Klinik in Dir el Balah.

Bei einem israelischen Luftangriff auf ein Haus im Zentrum der Stadt Gaza wurden nach palästinensischen Angaben acht Menschen getötet. Die Hälfte davon seien Kinder gewesen, teilten die örtlichen Rettungsdienste mit. Bei einem israelischen Luftangriff in Rafah wurden neun Mitglieder einer Familie getötet, darunter vier Minderjährige.

Raketenalarm in Israel

Radikale Palästinenser feuerten weiter Raketen auf Israel ab – am Montag heulten erstmals seit drei Tagen wieder die Sirenen in Tel Aviv. Nach Angaben der israelischen Armee wurden zwei Raketen über Tel Aviv und drei Raketen über Aschdod abgeschossen. Die Hamas teilte mit, sie habe vier Raketen des Typs M-75 auf Tel Aviv abgefeuert.

In Gaza wurden allein im dicht bewohnten Viertel Sadschaija bei Gefechten in der Nacht zehn Hamas-Kämpfer getötet, wie ein israelische Militärsprecher mitteilte. Mindestens zehn weitere bewaffnete Palästinenser wurden demnach bei einem versuchten Anschlag getötet. Sie waren durch Tunnel aus dem nördlichen Gazastreifen nach Israel vorgedrungen, wie es hiess.

In Sadschaija sind laut Israels Militärsprecher mehrere Tunnel gefunden worden. Die Tunnel führen unterirdisch auf israelisches Gebiet und sollen für Anschläge und Entführungen genutzt werden. Seit Beginn des Bodeneinsatzes am Donnerstag nahm die Armee nach eigenen Angaben 20 Palästinenser fest.

Hoher Blutzoll

Mehr als 3300 Menschen wurden beim jüngsten Gaza-Krieg bereits verletzt. Bis zu 200'000 Menschen sind nach palästinensischen Angaben in dem abgeriegelten Küstenstreifen auf der Flucht.

Auf israelischer Seite übersteigt die Zahl der Toten bereits die Verluste bei der Operation «Gegossenes Blei», die im Januar 2009 endete. Damals waren zehn Soldaten und drei Zivilisten getötet worden, heute sind es bereits 18 Soldaten und zwei Zivilisten.

Die Zahl der getöteten Palästinenser wurde am Nachmittag mit etwa 550 angegeben, darunter nahezu 100 Kinder. Im Gazastreifen leben rund 1,8 Millionen Menschen.

45 Kommentare

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  • Kommentar von W. Balmer, Busswil
    Wenn du wirtschaftlich nicht mehr weiterkommst, fängst du einen Krieg an und flüchtest ins gelobte Land Europa. Würde mich nicht wundern, wenn wir in nächster Zeit Palästinensische Flüchtlingsströme richtung Europa feststellen werden. Ich frage mich schon lange, wie das Bundesamt für Migration (Hamas und andere kriminelle) die mit der Masse in unser Land einreisen, mit ihren Abklärungen erkennen kann. Die Infiltration geht munter weiter.
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    1. Antwort von Fritz Bluter, Zürich
      Palästina ist ein schönes Land, Jerusalem, Haifa, Jaffa weshalb sollte sich jemand freiwillig zu einem Flüchtling machen wollen?
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  • Kommentar von D. Schmidel, St. Gallen
    Um das Hitlerdeutschland und Hitler selbst in die Knie zu zwingen, mussten damals über 2 Mio Deutsche durch Flächenbombardements auf fast alle deutschen Städte ihr Leben lassen. Einen anderen Weg gab es nicht. Um die Kriegswütige Hamas in die Knie zu zwingen sind bis jetzt weniger als 1000 Menschen gestorben. Die Hamas hat bereits fast 2000 Rakenten Richtung Israel abgefeuert. Wir verlieren langsam das reale Verhältnisdenken.
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    1. Antwort von Alex Bauert, Bern
      Heute weiss man, dass die Flächenbombardierungen den Kriegsverlauf kaum beeinflusst haben, genauso wenig wie die deutschen Bomben auf GB. Die Deutschen hätten systematisch Hafenanlagen oder eine andere Art Infrastruktur bombardieren müssen - genauso umgkehrt. Dafür sind täglich viele junge, kaum ausgebildete «Piloten», v.a. der USA ums Leben gekommen und 10'000e von Deutschen. Schade, Israel sollte Hamas bekämpfen und sonst Medikamente, Nahrung, Blut liefern, Menschlichkeit zeigen!
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    2. Antwort von Otto Würz, Winterthur
      @D. Schmidel: es herrscht unter Historikern weitgehend Konsens, dass die Bombardierung deutscher Städte in militärischer Hinsicht sinnlos bis kontraproduktiv war. Damit wurde der Wehrwille noch mehr angefacht. - Was Israel betrifft: Sie vergleichen die Zahl der Raketen, ich vergleiche die Zahl der Toten. Wer hat wohl das 'reale Verhältnisdenken' verloren?
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    3. Antwort von Edi Steinlin, Zürich
      Wir nicht Herr Schmidel, aber die linken Gutmenschen, die Muslime und arabisch stämmigen Antisemiten. Es bleibt den Israeli gar nichts anderes übrig als dieser Angriff. Die Hamas will nur eines, die Vernichtung Israels.
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    4. Antwort von D. Schmidel, St. Gallen
      @Otto Würz - Sie liegen völlig falsch, es gibt heute viele Historiker die sich politisch zu neuzeitlichen Kriegsauseinandersetzungen äussern. Einige von ihnen haben sich auch den Friedensbewegungen angeschlossen. Der Wehrwille ist nur bei Hitler und Nazis gestiegen. Die Deutschen mussten sehen, dass die Allmacht ihres Führers Grenzen hat. Für Hitler waren die Mütter der wichtigste Rüstungsproduzent.
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    5. Antwort von S. Bolliger, Kirchleerau
      @Bauert: Israel zeigt Menschlichkeit!! Nebst Warnungen vor den Angriffen auf die Hamas Hochburgen inmitten der Zivilbevölkerung, wurden zig LKWs mit Nahrungs- und anderen Hilfsmitteln in Gaza hineingeschickt! Zudem ist am Erez Übergang ein Feldlazarett zur Behandlung verletzter Palästinenser aufgebaut worden.
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  • Kommentar von Franz NANNI, Nelspruit SA
    Wer Wind saet wird Sturm ernten... und genau DAS passiert nun den Gazabewohnern!
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    1. Antwort von Simon Meyer, 8001 Zürich
      Ich denke nicht dass die Bevölkerung den Wind effeketiv gesät hat, dies haben uns auch zahlreiche Bewohner in Tel Aviv noch vor 2 Wochen bestätigt. Die Hamas will den Konflikt und will die Toten und will Ihr eigenes Volk nicht beschützen. Ich denke dies ist das Hauptproblem und es wäre schön der Israelische Staat findet ein Mittel die Hamms so zu bekämpfen, dass nicht viele Zivilisten sterben müssen. Den jeder unschuldige Tote wird die Rekrutierung der Hamas fördern.
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