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International «Israel geht es im Moment nur um die Tunnels»

Nun hat Israel also seine Bodenoffensive im Gazastreifen gestartet. Ziel der Armee sei es, den Schmuggel von Waffen durch Tunnels und damit den Beschuss Israels mit Raketen zu unterbinden, sagt der israelische General Amidror im Interview.

Israelische Panzer in voller Fahrt.
Legende: Israels Armee ist mit Panzern in den Gazastreifen vorgerückt. Keystone

SRF: Israel hat gestern eine überraschende Bodenoffensive im Gazastreifen gestartet, heute wurde sie ausgeweitet. Warum geht Israel so schnell vor?

Yakoov Amidror: Es handelt sich nicht um die grosse Bodenoffensive, sondern um eine sehr beschränkte Operation. Es geht nur um die Dutzenden Tunnels, durch welche immer wieder Hamas-Leute heimlich nach Israel eingedrungen sind. Dies kann Israel nie tolerieren. Mit der laufenden Operation sollen diese Tunnels gefunden und zerstört werden.

Was heisst, die israelischen Truppen dringen nicht bis Gaza-Stadt vor?

Das ist im Moment nicht geplant, aber das kann sich natürlich ändern. Im Moment geht's nur um die Tunnels.

Der Gazastreifen ist eine dicht bevölkerte Region und es gibt schon viele palästinensische Todesopfer...

Klar, einige der Tunnel sind in bevölkertem Gebiet. Die Hamas hat die Tunneleingänge ja bewusst in Wohngebieten gebaut. Deshalb haben wir uns an internationale Vorschriften gehalten und die Bevölkerung rechtzeitig mit Flugblättern aufgefordert, das Gebiet zu verlassen. Die Menschen hatten 48 Stunden Zeit, sich nach Gaza-Stadt oder an die Küste zu begeben.

Was bedeutet die Invasion des Gazastreifens militärisch? Ist dies ein Haus-zu-Haus-Kampf wie vor sechs Jahren?

Nein. Die Einsätze erfolgen vor allem in der Pufferzone zwischen dem Grenzzaun und den Siedlungen. Dieser Streifen wird landwirtschaftlich genutzt. Nur die Eingänge zu den Tunnels hat die Hamas bewusst in Häusern versteckt, die schwierig zu finden sind. Die maximal zwei Kilometer langen Tunnels enden also an den Rändern der Siedlungen.

Es ist vollkommen normal, dass Israel versucht, den Raketenbeschuss zu stoppen.

Warum hat es das israelische Militär eigentlich nicht schon lange geschafft, die Raketenlieferungen an die Hamas zu stoppen?

Das lag lange daran, dass Ägypten nicht gewillt war, konsequent dagegen vorzugehen. So konnte die Hamas ein Arsenal von rund 10'000 Raketen aufbauen. Nicht nur durch Schmuggel von Waffen, sondern auch von Maschinen, mit denen diese weitreichenden Geschosse im Gazastreifen produziert werden konnten. Die Geschosse, die jetzt gegen uns abgefeuert werden stammen also sowohl aus Schmuggel wie auch aus Eigenproduktion.

Die Hamas führt einen asymmetrischen Krieg mit billigen und unpräzisen Waffen. Die israelische Raketenabwehr fängt mit hochentwickelter Technologie die meisten Geschosse ab. Warum konzentriert sich Israel nicht einfach auf die Verteidigung?

Erstens erreichen die Geschosse mittlerweile fast die Stadt Haifa im Norden Israels. Zudem würde es kein Land der Erde einfach so hinnehmen, wenn eine Terrororganisation von der Grenze aus hunderte, ja tausende von Raketen auf seine Städte abfeuert. Es ist vollkommen normal, dass Israel versucht dies zu stoppen und die Terroristen zu bestrafen. Ich sehe keine wichtigere moralische Verpflichtung für mein Land, als die eigene Bevölkerung zu beschützen. Und dies ist nur möglich, indem wir gegen die Hamas vorgehen. Reine Verteidigung reicht da nicht.

Es gibt Stimmen, die sagen, Israel wolle den Konflikt mit der Hamas absichtlich verlängern, damit eine Zwei-Staaten Lösung nachhaltig untergraben wird. Wie sehen Sie das?

Das stimmt überhaupt nicht. Die israelische Regierung und der israelische Ministerpräsident haben sich klar zur Zwei-Staaten-Lösung bekannt. Es ist die einzige Lösung, die Israel etwas bringt. Dass die Verhandlungen in den letzten Monaten nicht gelungen sind, kann sicherlich nicht Israel angelastet werden. Wir wollen ein Abkommen mit den Plästinensern für zwei Staaten: Ein jüdisches Heimatland für die jüdischen Menschen und einen palästinensischen Staat für die Palästinenser.

Das Interview führte Isabelle Jacobi.

Yakoov Amidror

Yakoov Amidror
Legende: Reuters Archiv

Der 66-jährige Yakoov Amidror ist General der israelischen Armee. Er war bis letztes Jahr Sicherheitsberater von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu. Amidror gilt in Israel als Hardliner gegenüber den Palästinensern.

Viele zivile Opfer

Die Palästinenser im Gazastreifen werfen Israel vor, mit ihrer Militäraktion vor allem Zivilisten zu treffen. Hören Sie hier den Radiobeitrag aus dem «Echo der Zeit».

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5 Kommentare

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  • Kommentar von A. Zimmermann, Zürich
    Und wie viele Kinder und Frauen haben die Israelis wohl heute wieder geschlachtet?
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    1. Antwort von E. Waeden, Kt. Zürich
      Und wie viele die Hamas? Und wie viele die Palästinenser? Und bitte vergessen wir nicht, dass Israel die volle "moralische" Unterstützung der EU hat! Die Merkel kürzlich dazu: "Wenn ein Land angegriffen wird, hat es das Recht sich zu verteidigen." Und u. a wurde durch diese Tunnels Israel eben auch angegriffen. Doch eines ist ganz gewiss: "Krieg zu führen ist immer ein Verbrechen!"
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    2. Antwort von Bernhard Graf, 8884 Oberterzen
      Zimmermann: Gerade so viel, wie die Hamas durch ihr Handeln leichtfertig preisgibt und bereit ist zu opfern. Leider. Israel ist nichts anzulasten, sonst trifft es ihre Bevölkerung.
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    3. Antwort von Eddy Dreier, Burgdorf
      Naja, der Gaza wurde aber auch angegriffen. Also hat auch der Gaza das Recht, sich zu verteidigen und in Israel ein zu marschieren. Und jeden Toten mit dem 10fachen zu rächen. Warum sprechen Sie dieses Recht auf Verteidigung nur Israel zu? Wo doch eindeutig Israel in der Offensive ist! Es sähe anders aus, wenn in Tel Aviv welche Kinder von palästinensischen Soldaten erschossen würden. Dann wäre es Verteidigung...
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    4. Antwort von A. Zimmermann, Zürich
      @E. Waeden, Kt. Zürich: Na ja, dass wie Sie sagen, insbesondere die Deutschen ein Recht auf Kinder und Frauen Morde rechtfertigen, ist nun wirklich nichts neues.
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