Israelische Armee mobilisiert 16'000 neue Reservisten

Die Armee ist nach eigenen Angaben nur noch «einige Tage» vom Ziel entfernt, das Tunnelsystem der Hamas zu zerstören. Sie will ihre Offensive ausweiten. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu will nur eine Waffenruhe, wenn die Armee die Tunnelanlagen weiter demolieren darf.

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Israel macht weiter mobil

1:32 min, aus Tagesschau vom 31.7.2014

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Israel rüstet auf

1:01 min, aus Tagesschau am Mittag vom 31.7.2014

Zwei Wochen nach Kriegsbeginn mobilisiert die israelische Armee 16‘000 weitere Reservisten. Diese sollen zur Entlastung der kämpfenden Truppen eingesetzt werden, meldete der israelische Rundfunk. Damit beläuft sich die Zahl der einberufenen Reservisten auf insgesamt 86‘000. Am Mittwoch habe das Sicherheitskabinett die Armee angewiesen, den Militäreinsatz im Gazastreifen auszuweiten.

Am selben Tag waren beim Beschuss einer UNO-Schule im Flüchtlingslager Dschabalija zwei Klassenräume von Panzergranaten verwüstet worden. Dort hatten mehr als 3'000 obdachlose Menschen Zuflucht gesucht. 16 Menschen starben, darunter auch Mitarbeiter der UNO. UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon und die USA verurteilten den Beschuss der Einrichtung scharf.

Nur wenige Stunden nach dem Angriff haben die USA Israel mit neuer Munition versorgt. Ein Teil der Munition stammt jedoch aus einem Zwischenlager der US-Armee auf israelischem Boden und steht den israelischen Streitkräften bei Bedarf zur Verfügung.

«Einige Tage vom Ziel entfernt»

Aus israelischen Militärkreisen hiess es, man sei nur noch «einige Tage» vom Ziel entfernt, das Tunnelsystem der Hamas zu zerstören. Bisher seien 32 dieser geheimen Durchgänge nach Israel entdeckt und die Hälfte davon zerstört worden.

Soldat schläft auf Trage

Bildlegende: Israel: 16‘000 weitere Reservisten zur Entlastung der kämpfenden Truppen. Keystone

Indessen hat Palästinenserpräsident Mahmoud Abbas das Gebiet angesichts der Totenzahl von rund 1‘300 Menschen und der verheerenden Zerstörung im Gazastreifen zum «humanitären Katastrophengebiet» erklärt.

Doch militante Hamas-Kämpfer feuern immer wieder Raketen auf Israel ab. Nach Angaben der israelischen Armee wurden seit Beginn der Offensive rund 2'700 Raketen abgeschossen.

Weitere Bemühungen um Waffenruhe

Israel begründet die längste Offensive seit dem Libanon-Krieg 2006 mit dem anhaltenden Raketenbeschuss radikaler Palästinenser. Bisher sind 56 Soldaten und drei israelische Zivilisten ums Leben gekommen. In Krankenhäusern werden mehr als 100 verwundete Soldaten noch behandelt.

Derweil gehen in der ägyptischen Hauptstadt Kairo offenbar Bemühungen um eine Waffenruhe weiter. Israelische Medien berichteten, eine israelische Delegation habe am Vortag stundenlang mit Vertretern Ägyptens in Kairo über eine Feuerpause beraten.

Die israelische Regierung berät heute bei einer Sondersitzung ebenfalls über das weitere Vorgehen. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hatte zu Beginn der Sitzung gesagt, Vorschläge für eine Waffenruhe seien nur dann akzeptabel, wenn sie Israel die weitere Zerstörung der Hamas-Tunnelanlagen erlauben.

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • 20 Tote und mehr als 100 Verletzte im Gazastreifen

    Aus Tagesschau vom 30.7.2014

    Die Menschen im Gazastreifen haben blutige Stunden hinter sich. Die israelische Armee startete Dutzende von Angriffen: auf einzelne Häuser, einen belebten Markt und eine Schule, die von der Uno betrieben wird.

  • Israelische Soldaten im Gazastreifen.

    Israels Soldaten in Gaza - die Angst einer Schwester

    Aus Rendez-vous vom 30.7.2014

    Die grosse Mehrheit der israelischen Bevölkerung unterstützt die Militäroffensive im Gazastreifen. In den drei Wochen des Gazakrieges haben über 50 israelische Soldaten den Tod gefunden.

    Während über 50 Familien trauern, hoffen die Angehörigen anderer Soldaten, von einer Todesnachricht verschont zu bleiben.

    Iren Meier