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International Ist bald Schluss mit der gähnenden Leere an Ägyptens Stränden?

Ägyptens Tourismusminister Yehida Rashed will seiner Branche innerhalb von sechs Monaten wieder auf die Beine helfen. Keine einfache Mission in Zeiten, in denen Hotels, Strände und Souvenirläden leer bleiben. Sein 6-Punkte-Plan werde daran wenig ändern, sagt Journalistin Astrid Frefel in Kairo.

SRF News: Was sieht der 6-Punkte-Plan vor?

Astrid Frefel: Der Tourismusminister will den Tourismus mit Billigfluggesellschaften fördern, die neue Destinationen anfliegen. Auch will er die Infrastruktur sowie die Qualität der Angebote verbessern, letzteres beispielsweise mit neuen ökologischen Offerten.

Die Flugsicherheit ist seit dem Absturz des russischen Ferienfliegers im vergangenen Oktober nahe von Sharm El Sheikh das Hauptproblem.

Der Plan erwähnt das Problem der Sicherheitsbedenken vieler Reisenden mit keinem Wort. Dies, obwohl beispielsweise russische und britische Airlines deswegen ihre Flüge nach Ägypten eingestellt haben.

In der Tat ist die Flugsicherheit seit dem Absturz des russischen Ferienfliegers im vergangenen Oktober nahe von Sharm El Sheikh das Hauptproblem. Allerdings liegt hierfür die Zuständigkeit eher bei anderen staatlichen Organen als dem Tourismusminister. Noch ist völlig offen, wann die Fluggesellschaften wieder fliegen werden. Erst am Sonntag traf eine russische Delegation in Ägypten ein, um Abklärungen bezüglich Flugsicherheit vorzunehmen.

Ein Drittel der Badegäste kommt aus Russland, zehn Prozent sind Engländer. Wenn diese Touristen wegbleiben, ist der 6-Punkte-Plan dann nicht sowieso wirkungslos?

Nein. Der Plan kann langfristig wirken. Für die Tourismusbranche ist es wichtig, gut für die Zukunft aufgestellt zu sein. In den letzten Jahren wurde die Auslastung teils mit massiven Preisnachlässen erkauft. Die damit einhergehenden Qualitätseinbussen sind riesig. Der Plan muss nun dafür sorgen, dass sich die Branche mit Qualitäts- und Ausbildungsfragen befasst und den Standard wieder hebt.

Wer kann die Ausfälle im Tourismussektor kurzfristig auffangen?

Im Moment sind das die Ägypter selbst. Auch locken spezielle Programme arabische Gäste an. Diese Touristen sind sehr attraktiv, weil sie viel mehr Geld ausgeben als andere Gäste. Mit China, Brasilien und Südafrika hat Ägypten zudem neue Märkte im Visier. Das Loch lässt sich aber trotz allem nicht stopfen: Seit dem Rekordjahr 2010 sind im Tourismus und den damit verbundenen Branchen 900'000 Arbeitsplätze verlorengegangen.

Seit dem Rekordjahr 2010 sind im Tourismus und den damit verbundenen Branchen 900'000 Arbeitsplätze verlorengegangen.

Das ist doch eine politische Zeitbombe: Könnte der Unmut der Bevölkerung für die Regierung in Kairo nicht zur Bedrohung werden?

Auch wenn der Einbruch im Moment noch krasser ist, hat sich die Bevölkerung bereits etwas an die Krise im Tourismus gewöhnt, die bereits seit der Revolution von 2011 andauert. Sie ist Teil der allgemeinen Wirtschaftskrise, die das Land plagt. Und hier ist der Druck auf das Regime deutlich zu spüren. Der Unmut über steigende Lebensmittelpreise, über höhere staatliche Abgaben und über immer mehr Arbeitslose ist präsent.

Sie sind nicht sehr zuversichtlich, dass der 6-Punkte-Plan des Tourismusministers eine rasche Wende bringen wird. Was müsste passieren, damit sich die Branche schneller erholt?

Kurzfristig erwarte ich tatsächlich keine Trendwende. Die Krisen und Kriege in der Region tragen das Ihre dazu bei. Ägypten müsste vor allem sein Image- und Vertrauensproblem angehen: Probleme eingestehen und an Lösungen arbeiten statt zu vertuschen oder gar zu lügen. Denn an touristischem Potenzial mangelt es dem Land mit ganzjährigem Sonnenschein, mit Taucherparadiesen und mit Kulturschätzen aus mehreren Epochen in naher Flugdistanz zu Europa nicht. Längerfristig werden diese Vorteile wieder zum Tragen kommen.

Das Gespräch führte Philippe Chappuis.

Das ist der 6-Punkte Plan von Yehida Rashed:

  • Neue Partnerschaften: Durch die Zusammenarbeit mit neuen internationalen Tourismuspartnern soll der Erfolg wiederhergestellt werden.
  • Bessere Erschliessung Ägyptens: In Kooperation mit Ägyptens National-Airline Egypt Air sollen neue touristische Destinationen erschlossen werden. Zudem sollen Charterflüge sowie günstige Fluganbieter den Tourismus zusätzlich fördern.
  • Innovation und Investition: Die touristische Infrastruktur Ägyptens soll durch die Unterstützung von Investoren und durch neue Ideen verbessert werden.
  • Anheben der Standards: Durch die Verbesserung von Produkten und dem Service in den Tourismuseinrichtungen sollen höhere Standards erreicht werden.
  • Internationale Investoren anziehen: Die Bemühungen, ausländische Geldgeber dazu zu bringen, in den Tourismussektor zu investieren, sollen intensiviert werden.
  • Neue Zukunft im «grünen Tourismus»: Nachhaltige und umweltfreundliche Unterkünfte, Transportmöglichkeiten und Freizeitaktivitäten sollen gefördert werden.

Astrid Frefel

Portrait von Astrid Frefel

Die Journalistin lebt und arbeitet seit Ende der Neunzigerjahre in Kairo. Davor war die Ökonomin aus Basel Wirtschaftsjournalistin für verschiedene Zeitungen und berichtete als Korrespondentin für den «Tages-Anzeiger» aus Wien und Istanbul.

14 Kommentare

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  • Kommentar von Christa Wüstner (Saleve2)
    Etwas blauäugig,aber auch der Mut der Verzweiflung. Bereits kommen die ersten Migranten über Ägypten. Da könnten die Strände schon wieder voll werden, aber nicht von Touristen. Eine Katastrophe für ägyptische Arbeitnehmer und gleichzeitig auch wieder für Unruhen im Land.
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  • Kommentar von Paul Hänger (basilea@gmx.de)
    Die Islamisten haben leider genau das erreicht was sie wollten. Die devisenbringenden Touristen bleiben aus und Betriebe müssen schliessen. Hunderttausende ohne Erwerbseinkommen sind ein guter Anfang, dazu noch Chaos und Unruhe bringen durch Anschläge und die Regierung in eine Krise stürzen. Und schon sind die Islamisten vor Ort um Ordnung zu schaffen und ihre Strukturen reinzubringen.
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  • Kommentar von Marcel Chauvet (xyzz)
    Auch die Türkei bietet für Ferienaufenthalte Schnäppchen-Preise an. Den Russen geht's wirtschaftlich schlecht und dann hat ihnen Putin noch das Reisen in die Türkei untersagt und jetzt bleiben auch die Westeuropäer aus. Der Islam bringt Islamisten hervor und da steht wohl der Islam unter Generalverdacht, was für die Tourismusbranche nicht nur nicht verkaufsfördernd, sondern kontraproduktiv ist. Jetzt schlagen natürlich die südeuropäischen Reisedestinationen zu, der Urlaub dort wird sehr teuer.
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