Italien sorgt lieber nach als vor

Noch ist das Hochwasser nicht abgeflossen, und schon ist neuer Regen angesagt. Die Italiener sind besorgt. Unwetter richten in ihrem Land immer wieder grossen Schaden an. Dafür sorgen Korruption und Schlendrian.

Die Italiener schauen besorgt in den Himmel: Die neue Schlechtwetterfront soll auch am Mittwoch wieder viel Regen bringen. Und das, nachdem schon das stürmische Wochenende dem Land mit Hochwassern, Erdrutschen und Überschwemmungen stark zugesetzt hatte.

Der Markusplatz in Venedig war überflutet - wie so häufig. Der Norden und der Süden von Rom waren überschwemmt und so auch Fiumicino, der Römer Flughafen. Der Pegel des Tibers stieg bedrohlich, aber verschonte das Zentrum von Rom. Auch der Arno war mit der Stadt Florenz gnädig, trotz des spektakulären Hochwassers. «Wird es so bleiben?», fragen sich alle Italienerinnen und Italiener bange. In Ligurien, auf Sizilien und in Kalabrien zum Beispiel schauen sie sich die brüchigen Abhänge an den Küsten an, die immer wieder abrutschen.

An der Vorbeugung fehlt es

Die Nothilfe des italienischen Zivilschutzes funktionierte in den letzten Tagen einwandfrei – wie immer. Mit der längerfristigen Planung hat Italien allerdings ein Problem. Sanierungen und Befestigungsarbeiten werden hinausgezögert. Zwar haben die Geologen, Erdbeben- und Hochwasserspezialisten ihre Risikokarten gezeichnet. Und alle Italiener wissen, das ganze Land ist bedroht. Aber die Politiker und die Verwaltung sind träge. Sie verlieren markige Worte erst dann, wenn die Katastrophe schon passiert ist. Das kostet Italien viel Geld, denn Schäden zu beheben ist teurer, als vorbeugend zu handeln.

Zuerst gebaut, danach erlaubt

Italien baut wie wild: Jede Sekunde werden dort acht Quadratmeter zubetoniert. Hunderttausende Gebäude stehen dort, wo sie es gar nicht dürften: an brüchigen Abhängen und an von Fluten bedrohten Ufern. Diese Bauten werden allerdings nicht wieder abgerissen, sondern oft im Nachhinein legalisiert, denn die Behörden befürchten Aufstände und die Politiker wollen es sich mit der Bevölkerung nicht verderben. Ohnehin sind manche von ihnen mit skrupellosen Unternehmern verbandelt. Sie haben Baufirmen zu Aufträgen verholfen und dafür Schmiergelder bekommen. Kommt hinzu, dass Dutzende Millionen, die eigentlich für Sanierungen bestimmt waren, irgendwo versickern.

Kein Wunder also, dass das Belpaese vielerorts zum gefährlichen Bruttopaese verkommen ist.

(aebn;heis)

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel

  • Europa im Bann zweier Sturmtiefs – Sorge wächst

    Aus Tagesschau vom 2.2.2014

    Gleich zwei Sturmtiefs sorgen mit vereinten Kräften für extreme Wetter-Verhältnisse über weiten Teilen Europas. Vom Regen überflutet werden die einen, von eisigen Schneestürmen heimgesucht die anderen. Die Schäden sind immens; und auch Todesopfer sind zu beklagen.