Italiener wenig interessiert an Kommunalwahlen

Die Italiener sind der Politik überdrüssig. Bei den Kommunalwahlen zeichnet sich eine extrem niedrige Beteiligung ab. Die Wahlen gelten als Test für die neue italienische Führung.

In insgesamt 564 italienischen Kommunen waren die Bürger an die Urnen gerufen. Rund 62,4 Prozent der knapp sieben Millionen Wahlberechtigten gaben ihre Stimme ab – rund 15 Prozent weniger als bei den letzten Kommunalwahlen 2008.

In Rom lag der Mitte-Links-Kandidat Ignazio Marino ersten Hochrechnungen zufolge vorn, aber voraussichtlich wird es eine Stichwahl geben. Gemäss dem Institut Piepoli liegt Marino mit 41,2 Prozent vorne, gefolgt von Amtsinhaber und Mitte-Rechts-Politiker Gianni Alemanno, der auf 30,5 Prozent der Stimmen kommt.

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Einschätzungen von SRF-Korrespondent Philipp Zahn

1:26 min, aus Tagesschau vom 27.5.2013

Da voraussichtlich keiner der 19 Kandidaten in Rom im ersten Wahlgang auf die erforderliche Mehrheit von 50 Prozent kommt, stehen am 9. und 10. Juni Stichwahlen um das Bürgermeisteramt an.

Zu den Verlierern zählt auch die 5-Sterne-Bewegung von Beppe Grillo. Sie habe im Vergleich zu Ende Februar fast die Hälfte ihrer Stimmen eingebüsst, sagt SRF-Italien-Korrespondent Philipp Zahn. Grund für den Wählerschwund seien interne Querelen und keine brauchbaren Lösungsvorschläge.

Diese Einschätzung teilt Massimo Agostinis, Korrespondent von Radio SRF. Grillos Fraktion im Parlament weigere sich, mit einer der etablierten Parteien zusammenzuarbeiten. Mit dem Resultat, dass sie bisher nichts zustande gebracht habe. Viele Grillo-Wähler hätten früher das linke Lager unterstützt, so Agostinis. Sie fühlten sich nun betrogen, da Grillo sich weigere, mit der linken Demokratischen Partei (PD) zu kooperieren.

Stimmungstest für Letta

Momentan zeigt sich landesweit noch keine Tendenz zugunsten eines Lagers. Sollte Berlusconis Volk der Freiheit (PdL) stärkste Partei werden, was Umfragen nahelegen, könnte es erneut zu Parlamentswahlen kommen.

Die Abstimmung gilt drei Monate nach den Parlamentswahlen als wichtiger Stimmungstest für die Regierung von Ministerpräsident Enrico Letta, die seit vier Wochen im Amt ist.

Lega will Euro-Abstimmung

Die Lega Nord will ein konsultatives Referendum über den Euro veranstalten. Das Referendum soll vor Ende 2014 in den Regionen Lombardei, Piemont und Veneto stattfinden, die derzeit unter der Führung der Lega stehen. Man wolle erfahren, was das Volk vom Euro und vom Plan der Gründung einer Grossregion des Nordens hält, machte die Lega bekannt.